Mehrzweckhalle ist nicht immer verfügbar

Eltern beklagen Situation des Sportunterrichts der Grundschule Frommershausen

Die Mehrzweckhalle in Vellmar-Frommershausen.
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Die Mehrzweckhalle in Vellmar-Frommershausen gehört der Stadt. Die Grundschule darf sie für den Sportunterricht nutzen – dazu gibt es einen Überlassungsvertrag zwischen Stadt und Landkreis Kassel als Schulträger.

Die Grundschule Frommershausen nutzt für den Sportunterricht die Mehrzweckhalle der Stadt Vellmar. Doch nicht immer kann dieser stattfinden, weil die Halle anderweitig vermietet wird.

Vellmar - Wenn in der Grundschule Frommershausen Sportunterricht auf dem Stundenplan steht, findet er in der Mehrzweckhalle (MZH) statt – allerdings nicht immer, denn wenn sie belegt ist, wird auf Schulräume ausgewichen oder auf Sport im Freien. Die Grundschule nutzt die Mehrzweckhalle, die der Stadt Vellmar gehört – das klappt allerdings nicht immer reibungslos. Schon 2016 beschwerten sich Eltern über den Ausfall von Sportunterricht (wir berichteten). Bislang ist das Problem offenbar noch nicht vollständig gelöst worden, wie Eltern berichten.

Es gebe immer wieder Ausfälle, sagt Mike Schipper aus Vellmar. Sein Sohn besucht die zweite Klasse der Grundschule Frommershausen. Manchmal finde der Unterricht dann ersatzweise draußen oder in Klassenräumen statt – die letztere Lösung ist aus Schippers Sicht nicht angemessen. Klassenräume seien nicht auf Sport ausgelegt und teilweise schlicht zu klein. Da könnten ein paar Bewegungsübungen stattfinden, aber mit Sportunterricht habe das nichts zu tun, so der Vellmarer – zumal womöglich auch die Verletzungsgefahr höher ist.

Sportunterricht an der Grundschule Frommershausen: Vater sieht Fehler nicht bei Schule

Er sieht den Fehler nicht bei der Schule. Schippers hält es vielmehr für bedenklich, dass die Vermietung der Mehrzweckhalle für Veranstaltungen offenbar vorgehe, anstatt dort den Unterricht stattfinden zu lassen. Dennoch kann er verstehen, dass die Stadt ein Interesse daran hat, Einnahmen aus der Vermietung der Halle zu generieren. Es herrsche schlichtweg ein Interessenskonflikt, für den eine Lösung gefunden werden müsse.

Schippers Sohn besucht die Grundschule noch nicht allzu lange: Er wurde 2019 eingeschult, und fast die Hälfte des ersten Schuljahres fiel coronabedingt aus. Dennoch herrscht bei Schipper die Befürchtung, dass sich die Situation mit dem Sportunterricht über die kommenden drei Jahre hinziehe. Die Familie schaffe in der Freizeit einen sportlichen Ausgleich, aber das sei kein Ersatz für den Unterricht, findet Schipper.

Er wünscht sich, dass die Stadt die Verträge mit dem Landkreis Kassel für die Nutzung der Mehrzweckhalle regelmäßig überprüfe und eventuell ändert. Wenn das Baugebiet Vellmar-Nord fertig ist und dort Familien wohnen, könnte sich die Situation noch einmal verschärfen, befürchtet Schipper. Immerhin gehen dann womöglich deutlich mehr Kinder auf die Grundschule. Er versteht nicht, wieso die Stadt die Halle nicht erst ab mittags, etwa ab 13 oder 14 Uhr, anderweitig vergibt – dann bleibe genug Zeit für den Sportunterricht.

Sportunterricht an der Grundschule Frommershausen: Geturnt wird manchmal in Klassenräumen, auf den Fluren und auf dem Hof

Lars Borries, Mitglied des Elternbeirats der Grundschule, bestätigt, dass im vergangenen Jahr immer mal wieder der Sportunterricht ausgefallen ist – wie oft genau, könne er leider nicht beziffern. Ersatzweise sei in den Klassenräumen, den Fluren und auf dem Hof geturnt worden. „Je nach Sichtweise ist das dann kein Unterrichtsausfall, kann aber kein Dauerzustand sein“, so Borries. Er spricht von einem Interessenkonflikt des Landkreises als Schulträger und der Stadt Vellmar als Halleneigentümer – zu Lasten der Grundschule Frommershausen.

„Der Schulträger ist für den Unterricht zuständig und muss entsprechende Vereinbarungen, wie hier mit der Stadt Vellmar, treffen“, findet Borries. Aus seiner Sicht müsse der Vertrag zwischen den Parteien neu verhandelt werden, ohne dass für die Grundschulkinder ein Nachteil entsteht.

Sportunterricht an der Grundschule Frommershausen: Das sagen die Stadt Vellmar und der Landkreis

Dass die Grundschule Frommershausen die Mehrzweckhalle im Vellmarer Stadtteil für den Sportunterricht am Vormittag nutzen darf, ist im Überlassungsvertrag aus dem Jahr 1982 zwischen dem Landkreis Kassel als Schulträger und der Stadt Vellmar als Halleneigentümerin festgehalten. Genaue Nutzungsbedingungen sind laut Stadtsprecherin Astrid Kneuer nicht vertraglich geregelt. Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis funktioniere seither gut, Veranstaltungen würden zeitig angekündigt.

Es sei den Beteiligten vermutlich schon damals klar gewesen, „dass die Halle auch zeitweise von der Stadt Vellmar oder Dritten genutzt wird“, sagt Landkreissprecher Andreas Bernhard. In den vergangenen Jahren sind jedes Jahr etwa 20 Prozent der Schulsportstunden ausgefallen. Das geht aus Antworten des Magistrats an den stellvertretenden CDU-Fraktionsvorsitzenden Dr. Stephan Klapp hervor – er hatte dazu eine Anfrage in der Stadtverordnetenversammlung am 29. Juni gestellt. Da der Landkreis der Schulträger ist, sei es nicht Aufgabe der Stadt, in dem Bereich aktiv zu werden.

Sportunterricht an der Grundschule Frommershausen: Schule bietet laut Landkreis Alternativen an

„Dass die Mehrzweckhalle nicht für den Sportunterricht genutzt werden konnte, heißt nicht, dass 20 Prozent aller Schulsportstunden ausgefallen sind“, sagt Bernhard. Es gebe auch die Möglichkeit, Sportunterricht im Freien stattfinden zu lassen. „Nach Aussage der Schule gab es keinen Unterrichtsausfall“, sagt Bernhard – die Schule habe immer für Alternativen gesorgt, manchmal auch wetterbedingt in den Schulräumen. Zudem habe die dritte Klasse Schwimmunterricht. Die Grundschule verfüge seit diesem Jahr auch über einen Mehrzweckraum, der auch für den Sportunterricht genutzt werden könne.

„Nach dem derzeitigen Stand liegt das Baugebiet Vellmar-Nord im Einzugsgebiet der Grundschule Frommershausen“, heißt es vonseiten der Stadt. Die Zuordnung der Schüler erfolge nach dem Schulentwicklungsplan des Landkreises.

Laut Landkreissprecher Bernhard ist dem Landkreis bewusst, dass der Ausfall von Hallenzeiten „eine besondere Flexibilität erfordert und den Sportunterricht teilweise einschränkt“. Deshalb arbeite man an Lösungen, um die Situation zu verbessern: Zusätzlich zum Mehrzweckraum werde geprüft, ob der Sportunterricht teilweise in eine andere Halle verlegt werden kann – inklusive Bustransfer.

Dass Mehrzweckhallen für den Sportunterricht genutzt werden, sei auch in Habichtswald-Dörnberg, Grebenstein und Lohfelden der Fall. (Lara Thiele)

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