1. Startseite
  2. Lokales
  3. Kreis Kassel
  4. Vellmar

Gutachten für Baugebiet Vellmar-Nord liegt vor – Erdwärme kann genutzt werden

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Alia Diana Shuhaiber

Kommentare

Mit diesem Bohrgerät wurden im Oktober 2021 im Baugebiet Vellmar-Nord Proben aus dem Erdreich entnommen. Die dabei erhobenen Daten haben Rückschlüsse auf die Geologie und die Wärmeleitfähigkeit des Erdreichs ergeben. Archivfoto: Alia Shuhaiber
Mit diesem Bohrgerät wurden im Oktober 2021 im Baugebiet Vellmar-Nord Proben aus dem Erdreich entnommen. Die dabei erhobenen Daten haben Rückschlüsse auf die Geologie und die Wärmeleitfähigkeit des Erdreichs ergeben. Archivfoto: Alia Shuhaiber © Alia Shuhaiber

Im Baugebiet Vellmar-Nord wurden Probebohrungen für Geothermie gemacht. Jetzt liegen die Ergebnisse vor. Mit den Daten können Baufamilien ihre Anlagen planen.

Vellmar – Das Baugebiet Vellmar-Nord soll bundesweit ein Leuchtturm-Projekt für ökologisches Bauen und Wohnen werden. Auf dem 16 Hektar großen Areal ist ein Energie-Plus-Quartier geplant, in dem mehr Energie gewonnen als verbraucht wird. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es Erneuerbare Energien. Das Nutzen von Erdwärme kann für künftige Baufamilien in Vellmar-Nord ein Baustein für klimafreundliches Wohnen sein.

Bei Erkundungsbohrungen im vergangenen Herbst wurden umfangreiche geologische Daten ermittelt, mit denen Anlagen für oberflächennahe Geothermie mittels Erdwärmesonde (EWS) geplant werden können. Von diesen Untersuchungsergebnissen profitieren die Baufamilien. Denn bislang basieren die meisten Planungen für solche Anlagen auf Schätzungen, wie Sven Rumohr vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) erklärt.

Die Landesenergieagentur (LEA) hatte die oberflächennahe Erkundungsbohrung bis in eine Tiefe von hundert Metern beauftragt. Die dabei gewonnenen Gesteinsproben wurden von der HLNUG untersucht. Dabei wurde der Standort auch wasserwirtschaftlich und hydrogeologisch beurteilt. Das Baugebiet Vellmar-Nord liegt nicht im Wasserschutzgebiet. Es wird daher laut Gutachten als wasserwirtschaftlich günstig eingestuft. Allerdings gilt der Bereich als hydrogeologisch ungünstig. Im Gutachten wird immer zwischen günstig, ungünstig und unzulässig unterschieden. Obwohl das Gebiet als hydrogeologisch ungünstig eingestuft wird und deshalb einer Einzelfallprüfung unterliegt, werden „90 Prozent der Erdsonden auch in ungünstigen Gebieten“ genehmigt, wie Rumohr erklärt.

Für die Analyse des Erdreichs in bis zu 100 Metern Tiefe kam das Spülbohrverfahren zum Einsatz. Dabei kam es zu folgendem Ergebnis: Ab einer Tiefe von 63 Metern trat ein hoher Bohrspülverlust auf, ab 82 Metern teilweise sogar ein vollständiger. Rumohr vermutet Poren oder sogenannte Klüfte, in denen das Wasser verschwindet. „Wenn das Bohrspülwasser verschwindet, dann wird auch die Zementsuspension dies tun“, sagt der Geologe. Die Erkenntnisse aus der Probebohrung würden aber keine Rückschlüsse darauf geben, dass es diese Klüfte überall im Baugebiet in gleicher Ausprägung gibt.

Doch warum können Klüfte problematisch sein? Für die thermische Anbindung der Erdwärmesonde an das Erdreich müsse das Bohrloch komplett verfüllt werden. Außerdem sei ein vollständiges Abdichten des Hohlraums für den Grundwasserschutz nötig.

Für Vellmar-Nord wird eine Bohrtiefe von 62 Metern empfohlen. Zwar würden die meisten Erdwärmesonden etwa 100 Meter tief ins Erdreich eingeführt, aber entscheidend sei vor allem die Länge.

Das Nutzen von Geothermie sei ohnehin schon in einer Tiefe von 40 bis 50 Metern möglich. Ausschlaggebend für eine effektive Nutzung von Erdwärme sei zum einen die Untergrundtemperatur und zum anderen die Wärmeleitfähigkeit des Erdreichs. „In Vellmar-Nord wurde ab einer Tiefe von etwa 53 Metern eine gute Wärmeleitfähigkeit ermittelt“, sagt Rumohr. Der Wert liege bei 2,9. Zum Vergleich: Im Raum Frankfurt wurde nur eine Wärmeleitfähigkeit von 1,3 bis 1,8 gemessen. Der hessenweite Mittelwert liegt laut Rumohr bei 2,3.

Für eine exemplarische EWS-Anlage in Vellmar-Nord mit einer Heizleistung von 10 Kilowatt braucht es laut Gutachten drei Erdwärmesonden mit einer Tiefe von jeweils 62 Metern. Eine solche Anlage soll den Heizbedarf für ein großes Einfamilienhaus oder ein kleines Zweifamilienhaus decken können.

Dass es jetzt diese Daten für Vellmar-Nord gibt, ist laut HLNUG etwas Besonderes. Bislang gebe es erst 300 solcher Auswertungen in Hessen. Die Analyse könne zudem auch für ganz Vellmar interessant sein. „Ähnliche Bedingungen wie in Vellmar-Nord sind durchaus annehmbar, Temperatur und Wärmeleitfähigkeit werden nicht stark variieren“, sagt Rumohr.

Auch interessant

Kommentare