Bundeskartellamt verhängt Geldbußen

Auch Hettling-Gruppe aus Vellmar betroffen: Millionenstrafe für Lesezirkel

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Liegen in vielen Betrieben aus. Zeitschriften und Magazine der Lesezirkel. 

Acht Unternehmen, darunter auch drei Firmen aus Vellmar müssen insgesamt rund drei Millionen Euro Geldbuße zahlen. Sie vermieten als Lesezirkel Zeitschriften an Arztpraxen, Friseursalons und Gaststätten. 

Das teilte das Bundeskartellamt am Mittwoch mit. Grund für die Strafe sollen verbotene Kundenabsprachen und die Aufteilung von Kunden sein. „Durch die Kundenaufteilung wurde ein Preiswettbewerb zwischen den Lesezirkel-Anbietern vermieden“, teilte das Bundeskartellamt am Mittwoch in einer Pressemitteilung mit. Betroffen sind auch die drei Vellmarer Lesezirkel-Unternehmen Media-Collection GmbH, Die Hanse GmbH sowie die Firma Hettling’s LeseZirkel.

Sie liegen in den meisten Arztpraxen, Friseursalons, Gaststätten und anderen Betrieben, aber auch bei Privatpersonen auf dem Tisch – die in Werbung verpackten Zeitschriften der Lesezirkel. Auch die Hettling-Gruppe mit Unternehmenssitz in Vellmar verdient ihr Geld mit dem Erwerb und Verleih verschiedener Zeitschriften. Das Unternehmen stellt die Medien verschiedener Verlage zu einem Paket – der Lesemappe – zusammen. Diese Pakete werden in der Regel für eine Woche an die Kunden vermietet.

Der Markt für die Vermietung von Lesemappen ist nach Angaben des Bundeskartellamts regional organisiert. Offenbar gab es zwischen diesen regionalen Anbietern in den vergangenen Jahren illegale Absprachen. Deshalb müssen die Hettling-Gruppe und fünf weitere Lesezirkel-Anbieter aus dem Bundesgebiet jetzt hohe Geldbußen zahlen. Durch einen anonymen Hinweis hatte die Bundesbehörde bereits im Jahr 2016 von den Absprachen erfahren und daraufhin zwei Betriebe durchsucht, um Beweismaterial sicherzustellen.

„Die Absprachen zielten darauf ab, das gegenseitige Abwerben geschäftlicher Kunden zu vermeiden. Durch die Kundenaufteilung wurde ein Preiswettbewerb zwischen den Lesezirkel-Anbietern vermieden“, sagt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. Insgesamt seien in den vergangenen zwei Jahren Bußgeldbescheide in Höhe von 3,15 Millionen Euro verhängt worden. Wie hoch die Summe für die Vellmarer Hettling-Gruppe ist, wollte das Bundeskartellamt auf HNA-Anfrage nicht beantworten. Auch das Unternehmen selbst war am Mittwoch nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Laut Bundesbehörde gab es fünf Regionalkartelle zwischen miteinander im Wettbewerb stehenden Lesezirkel-Unternehmen: die Daheim Liefer-Service GmbH in Hamburg, ein Unternehmen der Ganske Verlagsgruppe („Daheim“), die Werbeagentur.Lesezirkel Brabandt LZ plus Media GmbH aus Aalen („Brabandt“), die Lesezirkel Dörsch GmbH & Co. KG mit Sitz in Nürnberg („Dörsch“), die Lesezirkel Detlef Krumbeck GmbH aus Pinneberg („Krumbeck“), die Lesezirkel Die Medien-Palette GmbH & Co. KG in Hamm („Medien-Palette“) sowie die drei zur Vellmarer Hettling-Gruppe gehörenden Unternehmen Lesezirkel Media-Collection GmbH, Lesezirkel „Die Hanse“ GmbH und „Hettling’s LeseZirkel“ (zusammen „Hettling“).

Nach Auffassung des Amtes soll es Absprachen zwischen dem bundesweit aktiven Unternehmen „Daheim“ und den regionalen Lesezirkeln gegeben haben. Das Kartell zwischen der Hettling-Gruppe soll von 2009 bis 2016 bestanden haben.

Die Kartelle sollen vereinbart haben, keine Bestandskunden der öffentlichen Auslage (Arztpraxen, Friseursalons, Gaststätten) abzuwerben. Abgesichert wurde diese Absprache in der Regel durch die Vereinbarung, dem anderen Unternehmen einen eigenen Kunden zu überlassen, wenn es trotzdem dazu kam, dass ein Kunde abgeworben wurde. Durch diesen Ausgleichsmechanismus sollte der wirtschaftliche Anreiz entfallen, Kunden anderer Lesezirkel zu akquirieren. Bei den Absprachen ging es nur um Kunden in öffentlichen Auslagen, nicht um Privatpersonen mit Lesezirkel-Abo. Die Absprachen wurden immer in Gebieten getroffen, in denen sich die Tätigkeitsgebiete der regionalen Lesezirkel-Unternehmen mit dem Vertriebsgebiet der „Daheim“ überschnitten. Einem Gerichtsverfahren konnten alle acht Lesezirkel-Unternehmen entkommen, weil sie die Geldbußen akzeptiert haben.

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