Vellmarer Pfarrer Matthias Risch geht in den Ruhestand

„Ich bin ein Wohnzimmer-Prediger“

30 Jahre für ein lebendiges Gemeindeleben: Pfarrer Matthias Risch wird am morgigen Sonntag offiziell verabschiedet.
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30 Jahre für ein lebendiges Gemeindeleben: Pfarrer Matthias Risch wird am morgigen Sonntag offiziell verabschiedet.

Der Vellmarar Pfarrer Matthias Risch verabschiedet sich nach 30 Jahren in den Ruhestand.

Vellmar – Es waren bewegte, arbeitsreiche Zeiten: Ein lebendiges Gemeindeleben gestalten, alle Menschen unabhängig von ihrer Konfession mitnehmen, den Menschen das Evangelium nicht nur durch Predigten, sondern auch durch soziale Angebote für Bildung und Begegnung nahebringen: „Mir war es hier nie langweilig“, sagt Pfarrer Matthias Risch im Rückblick auf seine 30 Jahre als Seelsorger der Johanneskirche. Am Sonntag wird der gebürtige Pfälzer bei einem Festgottesdienst in den Ruhestand (ab 1. November) verabschiedet.

Nach Stationen als Vikar und Pfarrer in Oedelsheim an der Weser, Datterode in Osthessen und der Kasseler Südstadt wurde Risch, der in Großalmerode aufgewachsen ist, vom Kirchenvorstand 1991 zum Pfarrer der damaligen Kirchengemeinde Vellmar-West gewählt. Und machte sich schnell daran, ein von seinem Vorgänger Gerd Haenisch, heute Dekan i. R., begonnenes Projekt weiter zu entwickeln, die Familienbildungsstätte „Sternschnuppe“ mit Angeboten für alle Generationen. Das Kirchenzentrum habe den höchsten Besucheranteil im Kirchenkreis Kaufungen, sagt der 64-Jährige. „Wir sind von Anfang an für alle offen gewesen.“

„Bewusste Gemeinwesenarbeit“ hat Risch von Beginn an zu seiner wesentlichen Aufgabe als Seelsorger gezählt. Dazu gehört auch das Stadtteilfest, das er mit der Stadt Vellmar regelmäßig organisiert und das wegen Corona zuletzt ausfallen musste, sowie die Reihe von Gottesdiensten mit Predigten über die Bedeutung der Straßennamen im Neubaugebiet Osterberg.

Risch ist es wichtig, den Menschen nahe zu sein. Dabei kam ihm die moderne Architektur der Kirche, die ohne einen Glockenturm auskommt, sehr gelegen. Drinnen gibt es keine Kanzel, der Pfarrer spricht von einem einfachen Pult in den kleinen Saal der Kirche. Er ist während der Predigt gern spontan in die Reihen der Gottesdienstbesucher gegangen. „Ich bin ein Wohnzimmer-Prediger“, sagt er über sich.

Risch, der aus einer Pfarrersfamilie stammt, deren Tradition bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht, ist als Seelsorger nahbar. Er streitet aber auch für seine Meinung und für Dinge, die er für richtig hält. 2013 habe er den – letztlich erfolgreichen – Protest der Vellmarer gegen die Altersbegrenzung von Kirchenvorständen unterstützt. Außerdem setzt er sich als Vorsitzender der Pfarrvertretung der Landeskirche für die Arbeitsbedingungen seiner Kollegen ein.

Kommunalpolitisch war Risch für die CDU ab 2007 für zwei Wahlperioden als Vellmarer Stadtverordneter engagiert. Dieses Thema hat er im Vorfeld seines baldigen Ruhestands wieder aufgenommen. Der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder sitzt als Vertreter der Union im Ortsbeirat Jungfernkopf.

Festgottesdienst zum Abschied von Pfarrer Risch am Sonntag, 3. Oktober, 14 Uhr, in der Adventskirche, Kirchweg 24, in Vellmar. Für Besucher gilt die 3G-Regel. (Peter Dilling)

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