Im Notfall wird es brenzlig

Falschparker behindern Feuerwehr auf dem Weg zum Einsatzort

Ein Lieferwagen behindert ein Feuerwehrauto auf einer Straße in Vellmar.
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Kaum ein Durchkommen für das Einsatzfahrzeug der Feuerwehr: Ein Lieferwagen blockiert die Straße. Der vorausfahrende Feuerwehr-Pkw kommt vorbei, der Einsatzwagen mit Drehleiter muss warten.

Im Notfall muss es schnell gehen. Doch immer wieder werden Rettungskräfte von Falschparkern ausgebremst – wertvolle Zeit verstreicht, die im Ernstfall über Leben oder Tod entscheiden kann. 

Wenn’s wirklich brennt, zählt für die Feuerwehr jede Sekunde. Dann heißt es: Ab ins Löschfahrzeug, umziehen und am Einsatzort die Flammen bekämpfen. Doch nicht immer erreicht die Feuerwehr ihren Einsatzort so schnell, wie es sein sollte. Grund dafür sind Falschparker, die die zügige Arbeit der Rettungskräfte behindern – und damit womöglich sogar Menschenleben gefährden.

Thorsten Vogler, stellvertretender Stadtbrandinspektor bei der Feuerwehr in Vellmar, erklärt, welche Auswirkungen falsch abgestellte Autos im Notfall für die Rettungskräfte haben: „Wir müssen per Gesetz spätestens nach zehn Minuten am Einsatzort eintreffen. Oft gehen uns durch Falschparker zwei bis drei Minuten verloren – Minuten, die im Notfall entscheidend sein können.“

Falschparker behindern Feuerwehr: Autos werden vor oder in Feuerwehrzufahrten abgestellt

In Vellmar stellt Vogler immer wieder das gleiche Fehlverhalten fest: Autofahrer parken vor oder in Feuerwehrzufahrten, stellen ihren Wagen im Kreuzungsbereich, über Schachtdeckeln oder vor Hydranten ab. Auch Baucontainer an Privatbaustellen sind ein Problem. Besonders dreist: Manch ein Autofahrer scheut nicht davor, sein Fahrzeug direkt vor der Garage am Feuerwehrhaus abzustellen. „Solch ein Verhalten ist für mich unbegreiflich“, sagt Vogler.

Besonders in der Nacht werden die Falschparker für die Feuerwehr zum echten Problem. „Wenn wir um 3 Uhr nachts zum Einsatz gerufen werden, wir sowieso schon unter Anspannung stehen, es dunkel ist und womöglich noch regnet, können wir Falschparker am allerwenigsten gebrauchen“, sagt Gordon Dumeier, hauptamtlicher Feuerwehrgerätewart in Vellmar.

Dumeier ist einer der Fahrzeugführer, muss beispielsweise den knapp zehn Meter langen Einsatzwagen samt Drehleiter durch enge Gassen manövrieren und sich an den abgestellten Autos vorbeischlängeln. „Ich muss im Notfall in Sekundenbruchteilen wichtige Entscheidungen treffen und mich normalerweise mit dem Einsatz beschäftigen. Falschparker stören da nur“, sagt Dumeier.

Falschparker behindern Feuerwehr: Einsatzkräfte dürfen Autos nicht so einfach zur Seite schieben

Autos im Ernstfall einfach zur Seite schieben oder Außenspiegel abfahren, dürfe Dumeier nicht: „Wenn wir die Autos beschädigen und dann weiterfahren, handelt es sich offiziell um Fahrerflucht.“ Stattdessen müsse das Feuerwehrteam anhalten, gegebenenfalls den Fahrzeughalter ausfindig machen oder einen Umweg fahren. „Wir sind immer mit mehren Einsatzfahrzeugen unterwegs und fahren meist versetzt los, sodass wir uns untereinander über Funk verständigen können, wenn die Durchfahrt an einer Stelle schwierig oder blockiert ist“, erklärt Dumeier.

Wollen auf das Thema aufmerksam machen: Thorsten Vogler (von links) und Gordon Dumeier von der Feuerwehr Vellmar.

Wenngleich es für die Feuerwehr immer wieder Probleme mit falsch abgestellten Fahrzeugen gibt, zeigt der stellvertretende Stadtbrandinspektor Vogler auch ein wenig Verständnis für die Autofahrer. „Die Situation hat sich in den letzten Jahrzehnten natürlich sehr verändert. Es sind deutlich mehr Autos auf der Straße, die wollen alle geparkt werden. Und man muss gestehen, auch das Feuerwehrauto ist immer breiter geworden.“

Falschparker behindern Feuerwehr: Viele Parksünder sehen Fehlverhalten nicht ein

Dennoch: Eine Entschuldigung dürfe das für die Parksünder nicht sein. Viele Verkehrsteilnehmer seien sehr egoistisch und würden nur wenig Verständnis zeigen, wenn man sie auf ihr Fehlverhalten hinweise, sagen die Feuerwehrleute. „Es kommt auch schon mal vor, dass wir die Straße absperren, es die Leute aber eilig haben und uns anhupen“, sagt Dumeier. Das sei jedoch eher die Ausnahme als der Regelfall, erklärt er.

Allerdings: Die Feuerwehrleute erleben auch einsichtige Autofahrer. Manch einer riskiere dann sogar schon mal den eigenen Reifen oder die Felge, um zügig Platz zu machen.

Damit das gar nicht erst nötig ist, versucht die Feuerwehr Vellmar in den sozialen Netzwerken auf das Problem aufmerksam zu machen. Vogler erklärt: „Uns ist es wichtig, die Leute aufzuklären. Denn wenn die Leute beim Parken Rücksicht nehmen, erleichtert uns das die Arbeit enorm.“

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