Fair gehandelt und nachhaltig

Kasseler Start-up importiert Kaffee und unterstützt Farmer in Uganda

Matthias (von links), Dominik, Annabel und Vincent Mulindwa stehen vor dem Röster in der Lagerhalle an der Hegelsbergstraße. Dort rösten sie ihren Rohkaffee aus Uganda, um dann zu verkaufen.
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Rösten ihren Rohkaffee jetzt auch selbst: Matthias (von links), Dominik, Annabel und Vincent Mulindwa stehen vor dem Röster in der Lagerhalle an der Hegelsbergstraße.

Das Start-up Geruga hat sich auf den Import von Rohkaffee aus Uganda spezialisiert. Dabei achten die Gründer auf Qualität, Nachhaltigkeit und zahlen faire Preise. Jetzt gibt es den Röstkaffee im Einzelhandel.

Vellmar/Kassel – Kaffee ist für die Gründer von Geruga viel mehr als nur ein Genussmittel – die Bohnen haben über Generationen hinweg große Bedeutung für die Familie. „Mein Großvater war schon Kaffeebauer in Uganda und hat damit die Schulbildung der Kinder finanziert“, erzählt Dominik Mulindwa. Der 33-Jährige will diese Tradition fortführen. Mit seiner Frau Annabel hat er Geruga 2017 gegründet.

Seit dem exportieren die Vellmarer Rohkaffee aus Uganda. Um ihr kleines Unternehmen weiter auszubauen, steigen sie jetzt auch in das Röstkaffee-Geschäft ein.

Mit drei Sorten Röstkaffee am Markt

Mit drei Sorten gehen die Gründer an den Markt: Maama Africa, Geruga Classic und Nature Flavour haben sie im Sortiment. Ein Kilogramm Röstkaffee kostet im Online-Shop zwischen 20 und 24 Euro. Auch im stationären Einzelhandel soll der Geruga-Kaffee platziert werden. In den Filialen des Kasseler Getränkehandels Dr. Durst gibt es die Bohnen bereits zu kaufen. „Wir sind gerade dabei, den Vertrieb auszubauen und weitere Einzelhändler anzusprechen“, sagt Dominik Mulindwa.

Geschäftsidee entstand bei Uganda-Reise

Die Idee mit dem Kaffee-Handel entstand vor fünf Jahren. „Wir waren damals das erste Mal gemeinsam in Uganda und es entstand der Wunsch, die Menschen zu fördern und zu unterstützen“, sagt Annabel Mulindwa. Das junge Paar reiste quer durch Uganda auf der Suche nach dem besten Kaffee. Sie besuchten Plantagen und lernten viele Farmer kennen. Dabei knüpften sie Kontakte und importierten direkt den ersten Rohkaffee.

Erster Besuch bei den Chebonet-Frauen: Annabel Mulindwa bei einem Treffen mit Janet. Sie ist eine von 100 Kaffeefarmerinnen, die ihre eigenen kleinen Plantagen bewirtschaften und ihre Ernte im Kollektiv verkaufen.

Erste Tonne Rohkaffee lagerte in Vellmar

Im Keller von Annabel Mulindwas Oma in Vellmar lagerten sie die erste Tonne importierten Rohkaffee. Mittlerweile sind es rund 30 Tonnen pro Jahr. Um weiter wachsen zu können, mieteten die Gründer eine Lagerfläche in Kassel an. Seit November haben sie dort auch ein Büro.

Aus einer Idee wurde ein Familienunternehmen

Mit den steigenden Importen sind auch die Aufgaben gewachsen. Während sich Dominik Mulindwa um Logistik und Vertrieb kümmert, ist seine Frau für Marketing und Buchhaltung verantwortlich. Auch der 29-jährige Matthias Mulindwa ist ins Familiengeschäft eingestiegen. Er röstet die Bohnen, kümmert sich um den Verkauf und um die Social Media-Aktivitäten. Der 66-jährige Vincent Mulindwa ist der Koordinator und hilft, wo es gerade gebraucht wird. „Wir arbeiten hier im Kollektiv“, sagt er.

Eigene Exportfirma gegründet

„In Uganda haben wir direkte Kontakte zu Kaffeebauern aufgebaut und auch unsere eigene Exportfirma gegründet, was es uns ermöglicht, den Kaffee ohne jegliche Zwischenhändler nach Deutschland zu importieren“, erzählen die Mulindwas. „90 Prozent des ugandischen Kaffees sind Robusta-Bohnen“ erklärt Dominik Mulindwa. Der seltenere Arabica-Kaffee werde in Uganda erst ab einer Höhe von etwa 1300 Metern angebaut. Wenn der 33-Jährige über Kaffee spricht, spürt man seine Begeisterung und Hingabe für die edlen Bohnen.

Symbolische Übergabe der Kaffeebohnen: Die ChebonetFrauen übergeben ihre Ernte an Dominik Mulindwa. Der 33-Jährige war wegen der Corona-Pandemie im September 2021 das erste Mal wieder in Uganda.

Kaffeehandwerk und Tradition bewahren

Und diese Leidenschaft wollen sie mit der Hilfe vor Ort kombinieren. In Uganda arbeiten die Mulindwas mit einem Kollektiv zusammen – den Chebonet-Frauen, einem Zusammenschluss von Farmerinnen, die das Kaffeehandwerk noch so betreiben, wie es seit Generationen in Uganda üblich ist. Heute ist das eher eine Seltenheit. Klimawandel und niedrige Kaffeepreise haben dazu geführt, dass viele Farmer nicht mehr vom Kaffeeanbau leben können „Wir möchten das ändern und den Farmerinnen und Farmen ermöglichen, ihr Wissen über den Kaffeeanbau mit den Voraussetzungen für Spezialitätenkaffees, zu kombinieren“, sagt Annabel Mulindwa.

Nachhaltig und umweltfreundlich

Zur Unternehmensphilosophie gehöre es, faire Preise zu zahlen und damit einen nachhaltigen und umweltfreundlichen Kaffeeanbau in Uganda zu fördern. „Von einem Teil der Einnahmen fördern wir neben den Produzenten auch Projekte in den Regionen, aus denen wir unseren Kaffee beziehen“, ergänzt Dominik Mulindwa.

Hier gibt es den Kaffee im Online-Shop

Von Alia Shuhaiber

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