Neues Baugebiet soll Meilenstein werden

Klimaschutzkonzept für Vellmar-Nord ist Modellprojekt für den Landkreis

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Mit „Vellmar-Nord“ wird eines der größten Wohnquartiere im Landkreis Kassel entstehen. Gleichzeitig soll das Baugebiet in Sachen Klimaschutz ein Meilenstein werden.

Um das Quartier klimaneutral zu konzipieren, hat die Stadt Vellmar ein Energie- und Quartierskonzept in Auftrag gegeben. Trotzdem äußert der Naturschutzbeirat des Landkreises Kassel Bedenken – das Gremium moniert die mangelnde Verbindlichkeit der Klimaschutzziele.

Ein zukunftsorientiertes und klimafreundliches Baugebiet hatte auch die Verbandsversammlung des Zweckverbands Raum Kassel (ZRK) im März gefordert. Ohne tragfähiges Konzept wäre das rund 16 Hektar große Areal nicht genehmigt worden. Laut Vellmars Bürgermeister Manfred Ludewig soll der Klimaschutz von Beginn an in die Planungen einbezogen worden sein.

Naturschutzbeirat

Obwohl die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Kassel den Plänen für das Wohnquartier bereits zugestimmt hat, äußert der Naturschutzbeirat weiterhin Bedenken. Zum einen sieht der Beirat den Flächenverbrauch kritisch, zum anderen übt das Gremium Kritik an der nicht mehr weiter forcierten innerstädtischen Bebauung. Außerdem befürchte das Gremium, dass die im Klimakonzept formulierten Ziele für künftige Baufamilien nicht verbindlich sind.

Geplantes Baugebiet Vellmar-Nord

„Es muss sichergestellt werden, dass die Klimaschutzziele im städtebaulichen Vertrag festgeschrieben sind“, sagt Eckhard Jochum vom Naturschutzbeirat. Überhaupt sei es sinnvoller, ungenutzte Flächen und Grundstücke in der Stadt zu revitalisieren statt auf der grünen Wiese zu bauen. „Wenn wir Gebäude aufstocken und energetisch sanieren, sparen wir mehr CO2 ein, als durch Neubauten“, sagt der Ökologe. Bei einer innerstädtischen Entwicklung könne die Stadt zudem von der bereits vorhandenen Infrastruktur profitieren. „Ein Neubaugebiet wird den Haushalt der Stadt über Jahre belasten.“ Zumal die Bevölkerungen in den nächsten Jahren rückläufig sei und sich die Demografie und damit auch die Anforderungen ändern würden.

Stadt Vellmar

„Es gibt einen sehr hohen Bedarf an Wohnraum und Grundstücken“, sagt indes die Stadt Vellmar. Aktuell zähle die Verwaltung 790 Interessenten für die 220 Bauplätze in „Vellmar-Nord“.

Ursprünglich hatte Vellmar in der städtebaulichen Entwicklung den Fokus auf den Innenbereich gelegt. Dazu waren drei noch unbebaute Bereiche, „Mondschirm“, „Brugberg“ und „Sendeweg“ mit einer Gesamtgröße von rund 12,5 Hektar als Wohnsiedlungsflächen ausgewiesen worden. Diese wurden nun im Tausch für „Vellmar-Nord“ in landwirtschaftliche Flächen umgewidmet. „Die Vorhalteflächen waren nicht gut geeignet oder nicht verfügbar“, sagt Erster Stadtrat Hans Georg Trust. Deshalb habe es in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium (RP) eine Abweichung vom Regionalplan gegeben. Auch die Verbandsversammlung des ZRK habe die Flächen geprüft. „Es gab Kriterien, die gegen die innerstädtische Bebauung sprechen, die Lärmemission, die dezentrale Lage und die fehlende Anbindung an den ÖPNV“,bestätigt Katja Kluge vom ZRK.

Das künftige Baugebiet soll ein Energie-Plus-Quartier werden. Das Neubaugebiet soll unterm Strich also mehr Energie erzeugen, als es verbraucht. Um diese Ziele zu erreichen, soll den Baufamilien ein Strauß aus Möglichkeiten gegeben werden. Verbindlich sei aber, dass nur Passivhäuser gebaut werden dürfen, die schon jetzt die Klimaschutzziele 2050 erfüllen.

Der vorläufige Bebauungsplan und das Klimakonzept liegen noch bis zum 16. August offen. Der Städtebauliche Vertrag wird derzeit erstellt und noch juristisch geprüft. Darin sollen alle Klimaschutz-Vorgaben festgeschrieben werden.

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