Bedarf steigt stetig

Erzieher gesucht: Kommunen im Kreis Kassel haben Probleme, Stellen zu besetzen

Der Bedarf an Kitaplätzen steigt: Deshalb suchen die meisten Kommunen händeringend nach Erziehern. 
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Der Bedarf an Kitaplätzen steigt: Deshalb suchen die meisten Kommunen händeringend nach Erziehern. 

Der Bedarf an Kinderbetreuung im Landkreis Kassel ist gestiegen. Neue Kitas werden geplant oder gerade gebaut. Doch vielen Kommunen mangelt es derzeit an Erziehern.

Kreis Kassel – In diesem Fall hängt wie so oft alles mit allem zusammen: Wohnraum im Speckgürtel von Kassel ist so begehrt wie nie. Mit neuen Baugebieten steigt die Anzahl der Familien mit Kindern und damit der Bedarf nach Platz in Kitas und Schulen.

So werden in vielen Kommunen im Landkreis Kassel derzeit neue Kitas geplant, gerade gebaut oder wurden vor Kurzem fertiggestellt. Doch mehr Kinder bedeuten auch mehr Bedarf an Erziehern. Wir haben uns exemplarisch in drei Kommunen umgehört, wie groß der Bedarf derzeit ist.

Vellmar - Bedarf an Fachkräften ist in den vergangenen Jahren gestiegen

In Vellmar sind derzeit sechs Stellen in Kindertagesstätten ausgeschrieben, darunter eine als stellvertretende Kita-Leitung in der Kita Obervellmar. Insgesamt beschäftigt die Stadt Vellmar laut Katharina Hausmann, Pädagogische Leitung der Kitas in Vellmar, zurzeit 147 Erzieher in ihren sieben Kitas und fünf Krippen.

Bei den aktuell ausgeschriebenen Stellen handele es sich um Stellennachbesetzungen beziehungsweise Wiederbesetzungen, bedingt durch Fluktuation.

In den vergangenen Jahren sei der Mehrbedarf an Fachkräften stetig gestiegen. Das ergebe sich durch den Mehrbedarf an erforderlichen Kita- und Krippen-Plätzen durch den gesetzlich vorgegebenen Rechtsanspruch. So wurden in Vellmar im Jahr 2010 noch 485 Kinder betreut, in diesem Jahr sind es bereits 636 Kinder. Außerdem werden weiter neue Einrichtungen gebaut. Der Bau der neuen Krippe Vellmar-West hat bereits begonnen, der Bau der Krippe Niedervellmar ist nach Angaben der Stadt in Vorbereitung.

Bisher seien zwar immer für alle Stellen Bewerbungen eingegangen. „Aber um die Attraktivität zu erhöhen, werden die Stellen mittlerweile grundsätzlich unbefristet ausgeschrieben”, erklärt Hausmann. Denn der Wettbewerb um die besten Fachkräfte ist gerade im Erzieherbereich groß.

Lohfelden - Eine neue Kita wird gebaut, für die vermutlich neue Stellen ausgeschrieben werden

Das bestätigt auch Kai Hast, Büroleiter der Gemeinde Lohfelden. „Es ist ein unheimlich hoher Bedarf an Fachkräften da, und Erzieherinnen haben die Möglichkeit, sich die besten Stellen auszusuchen“, sagt Hast. Auch sei die Fluktuation in diesem Bereich besonders hoch.

Derzeit seien aber in Lohfelden keine konkreten Stellen ausgeschrieben. „Wir sind gerade glücklicherweise nicht auf der Suche“, sagt Hast, schränkt aber gleich ein: „Wir haben eine Dauer-Initiativ-Ausschreibung, über die kann man sich jederzeit bei uns bewerben.“ Denn es würden sich immer Möglichkeiten in diesem Bereich ergeben. „Es gibt da eine unheimliche Dynamik.“

Aktuell arbeiten 76 Erzieher in den sechs gemeindeeigenen Kitas, hinzukommen noch die Leitungen sowie fünf Praktikanten. Der Bedarf an Plätzen für Kinder und einhergehend an Erziehern sei in den vergangenen Jahren gewachsen und werde weiter wachsen.

Derzeit baut die Gemeinde eine neue Kita mit vier Gruppen, die Platz für circa 100 Kinder bieten soll. In ein bis zwei Jahren soll sie fertig sein. Dann werden vermutlich auch wieder Stellen ausgeschrieben.

Baunatal - Parlamentssitzung hat entschieden, dass befristete Verträge in unbefristete umgewandelt werden sollen

Auch in Baunatal wird nach Erziehern gesucht, und zwar über unterschiedliche Kanäle, wie Stadtsprecherin Susanne Bräutigam sagt: „Derzeit über eine permanente Stellenausschreibung, auch über unsere städtische Homepage, sowie über Postkartenwerbung.“ Allerdings sind die Stellen zunächst immer befristet für zwei Jahre.

In Baunatal gibt es insgesamt 16 städtische Kitas/U3-Einrichtungen. Aufgrund von Platzmangel in den bestehenden Einrichtungen hatte die Stadt die Kita an der Rembrandtstraße in Altenbauna durch Container mit drei Gruppen im U3-Bereich ergänzt. Insgesamt beschäftigt die Stadt 180 Erzieher.

In der Parlamentssitzung Mitte November wurde heftig über die Situation in den städtischen Kitas diskutiert. Am Ende beschlossen die Parlamentarier einstimmig, die bisher befristeten Verträge von insgesamt 40 Erziehern und Erzieherinnen demnächst in unbefristete umzuwandeln.

„Ziel des Antrags ist vor allem, die Beschäftigung für Fachkräfte durch unbefristete Stellen attraktiver zu machen, auch aufgrund der derzeit verstärkten Nachfrage nach Betreuungsplätzen und dem bestehenden Fachkräftemangel“, sagt Bräutigam.

Der Grund für den Mehrbedarf an Fachkräften sei der gleiche, wie in anderen Kommunen auch: Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen steigt, weil immer mehr Familien mit Kindern im Kita-Alter nach Baunatal ziehen. (Amira El Ahl)

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