Mit Peter Maffay im Ohr

Kreativ wird er, wenn es richtig rockt: Vellmarer malt Bilder aus Wachs

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Hier kann er abschalten: Mit Bügeleisen und Wachs malt Matthias Dräbing aus Vellmar Bilder, die mittlerweile auch in Berlin verkauft werden.

Wenn Matthias Dräbing in seinem Atelier unterm Dach seines Einfamilienhauses die Musik aufdreht und Hardrock, Gothic oder Peter Maffay durch das Zimmer dröhnt, dann stehen die Chancen gut, dass der 50-Jährige malt.

Erst wenn es richtig rockt, kann er abschalten. „Ich höre beim Malen immer Musik, sonst wird es mir zu still“, sagt Dräbing. Wenn er dann nach ein bis zwei Stunden die Musik wieder aus macht, hat er aus Wachs Farbwelten erschaffen. Denn seine Kunst bringt er nicht mit Pinsel und Farben zu Papier, sondern mit Bügeleisen und Bienenwachs. Enkaustik heißt die Maltechnik, bei der in Wachs gebundene Farbpigmente heiß auf den Maluntergrund aufgetragen werden.

Entdeckt hat Dräbing die Technik und seine Freude an der Kunst erst vor zwei Jahren. Damals war er für mehrere Wochen in einer Tagesklinik, wo er wegen Depressionen in Behandlung war. „Während der Therapie habe ich viele Dinge im Kunstbereich ausprobiert“, erzählt Dräbing. Er hat mit Speckstein gearbeitet und mit Aquarell, aber bei der Enkaustik ist er hängen geblieben. „Die gab es schon in der Antike.“

Seine ersten Bilder stellte er schon im gleichen Jahr bei einem Kreativmarkt in der Lokhalle in Göttingen aus. „Da habe ich so viel Wertschätzung bekommen, das hat mich richtig beflügelt“, sagt Dräbing. An den zwei Tagen habe er gleich 20 Bilder verkauft. Nur ein Jahr später nahm er an einer Gruppenausstellung in Berlin teil und ist in der Hauptstadt seit Oktober 2018 in einer Künstlerbetreuung bei der Galerie Makowski unter Vertrag, die im edlen Quartier 206 in der Berliner Friedrichstraße ihre Adresse hat. Im September, erzählt Dräbing, soll dort seine Kunst in einer Soloausstellung gezeigt werden.

Mittlerweile sind seine Bilder sogar schon auf einer Kunstmesse im englischen Bath gezeigt worden und in der Berliner Galerie hat Dräbing Mitte Mai an zwei Tagen live für die Galeriebesucher gemalt.

Das Gleiche hat er auch an diesem Wochenende vor. Dann wird er beim Kreativmarkt in der Bad Wildunger Wandelhalle zu Besuch sein und dort seine Bilder verkaufen. „Ich kann nicht stundenlang dasitzen und warten, dass meine Bilder verkauft werden“, sagt Dräbing. Also malt er, damit alle sehen können, wie seine Bilder entstehen.

Große Leinwände muss er dafür nicht transportieren, seine Bilder malt er oft im Postkartenformat, maximal jedoch auf DIN A3. Mit Passepartout – die er selbst zuschneidet – verkauft Dräbing seine Bilder auf dem Kunstmarkt für um die 50 Euro. In seiner Galerie in Berlin kosten die Bilder einiges mehr. Dort gehen auch 40 Prozent des Verkaufspreises an die Galerie.

Egal, wie es in Zukunft mit seiner Kunst weitergehen wird, eins steht für Matthias Dräbing fest: Seinen Job in der Qualitätssicherung bei VW wird er niemals an den Nagel hängen, „da bin ich seit 29 Jahren“, und Berlin ist auch seine Sache nicht. „Ich bin ein Kasseläner“, und fest mit Vellmar und Nordhessen verbunden.

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