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Krieg in der Ukraine: Vellmarer brachte Hilfsgüter und nahm Familien mit

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Von: Paul Bröker

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Packen gemeinsam für Kriegsflüchtlinge an: Carsten Fink (dritter von rechts) steht neben dem polnischen Pater Piotr Potyral (dritter von links) und Obdachlosen, die in einer Verteilstation in der Stadt Rzeszow arbeiten.
Packen gemeinsam für Kriegsflüchtlinge an: Carsten Fink (dritter von rechts) steht neben dem polnischen Pater Piotr Potyral (dritter von links) und Obdachlosen, die in einer Verteilstation in der Stadt Rzeszow arbeiten. © Privat

Es brechen immer mehr Hilfskonvois – auch aus Nordhessen – in Richtung ukrainische Grenze auf. Ein Helfer aus Vellmar warnt derweil vor blindem Aktionismus.

Vellmar – Die achtjährige Ariana umschlingt ihren braunen Teddy. Zusammen mit ihrer Mutter, ihrer Oma und der 13-jährigen Schwester ist sie erst in der vorigen Nacht nach Kassel gekommen. Jetzt steht sie mit ihrer Familie und ihrem Helfer am Bahnsteig in Wilhelmshöhe und wartet auf den Zug nach Düsseldorf, wo sie bei anderen Ukrainern unterkommt. Ihr Helfer ist Carsten Fink aus Vellmar.

In der Nacht zu Sonntag ist der 55-Jährige an die polnische Grenze zur Ukraine gereist. „Das war eine rein private Initiative“, sagt Fink, der bei der Bundespolizei in Fuldatal arbeitet.

Er habe seit Kriegsbeginn überlegt, wie er helfen könne. „Dann hat das eine Eigendynamik entwickelt.“ Am vergangenen Freitag habe er sein Facebook-Konto reaktiviert und seinen Hilfskonvoi in der Gruppe „Wir in Vellmar!“ angekündigt. Die Resonanz sei überwältigend gewesen. 400 Likes habe sein Aufruf bekommen und 40 Autos hätten Hilfsgüter gebracht.

Hilfe für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine: Vellmarer bringt Hilfsgüter und nimmt Familien mit

Schon vor Fahrtantritt hat sich der Vellmarer mit der Caritas in der ostpolnischen Stadt Rzeszow ausgetauscht, die etwa 80 Kilometer von der Grenze entfernt liegt. Durch den dortigen Pater Piotr Potyral habe er gewusst, was gebraucht wird. Er zählt auf: kleine Gebinde, die ohne Hilfsmittel geöffnet werden können, nichts Selbstgemachtes, nur Verschlossenes, noch Haltbares (Ablaufdatum beachten).

Helfern in der Region rät Fink, sich genau zu informieren, was vor Ort gebraucht wird. „Blinder Aktionismus ist nicht angesagt“, sagt Fink, der gerne Fragen von denen beantwortet, die helfen wollen. Ein Tipp: Helfer sollten vor der Fahrt Kontakt zu einer Anlaufstelle aufnehmen. Ein konkretes Ziel mit einem Ansprechpartner sei ebenso nötig wie eine Schlafmöglichkeit. Denn: „Die Fahrt ist anstrengend.“ 2200 Kilometer legte er insgesamt zurück. Für die Hinfahrt am Sonntag habe er zwölf Stunden gebraucht, die Rückfahrt am Montag dauerte mit Pause sogar 15 Stunden.

„Erst wollte ich mit meinem Caddy fahren“, erzählt Fink. Doch dann hätten ihm Kontakte einen VW-Transporter mit neun Sitzplätzen bereitgestellt. Dadurch konnte er auf der Rückfahrt zwei ukrainische Familien aus dem Grenzgebiet nach Deutschland bringen.

Krieg in der Ukraine: Vellmarer bringt Hilfsgüter an die Grenze und hilft zwei Familien

Doch zunächst empfing ihn Pater Piotr Potyral in einem Obdachlosenheim in der knapp 200 000 Einwohner großen Stadt Rzeszow. Das von der Caritas betriebene Heim hat derzeit seinen Hotelbetrieb eingestellt und fungiert als Verteilzentrum und Flüchtlingsunterkunft. Dort konnte Carsten Fink seine Hilfsgüter abgeben.

Auf der Flucht: Ariana (8) mit ihrem Teddybären und einer Helferin.
Auf der Flucht: Ariana (8) mit ihrem Teddybären und einer Helferin. © Privat

„Mir sind dort ausschließlich Frauen und Kinder begegnet“, erzählt Fink. Er habe angeboten, Menschen mit nach Deutschland zu nehmen. „Es wollte aber keiner mit“, sagt der 55-Jährige. Viele der Geflüchteten hätten nahe der Heimat bleiben wollen, um bei Ende des Krieges zügig wieder in die Ukraine zurückkehren zu können. So ihre Hoffnung.

Eine Kontaktperson habe ihn schließlich direkt an die Grenze gefahren. Denn: „Frauen und Kinder steigen nicht bei Wildfremden in den Wagen.“ Dabei habe ihn überrascht, wie gut es auf der polnischen Seite noch laufe. Probleme gebe es eher auf der ukrainischen Seite wegen der Fahrzeugkontrollen.

Vellmarer zeigt Einsatz für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine: Bus bringt Hilfslieferung

Am Ende nahm er sieben Geflüchtete mit nach Kassel. Darunter auch die achtjährige Ariana, die er mit ihrer Familie und einer weiteren Familie nahe einem Grenzübergang bei Lemberg im Empfang nahm.

Eine Frau mit ihrem dreijährigen Sohn und ihrer Mutter brachte Carsten Fink zu ukrainischen Freunden in Kassel. Ariana, deren 13-jährige Schwester, die Mutter und die Oma beherbergte er eine Nacht lang in seiner Wohnung in Vellmar. Die Stadt Vellmar stellte Matratzen und Bettzeug bereit. Am Dienstagmittag brachte Fink die ukrainische Familie zum Bahnhof Wilhelmshöhe. Ihr Ziel ist Düsseldorf. Mit dabei: Der große braune Teddybär, den sich Ariana in der Verteilstelle in Rzeszow aussuchte. (Paul Bröker)

Auch in Kassel kommen flüchtende Menschen aus der Ukraine an. Wir haben die erste ukrainische Familie getroffen, die in einer Flüchtlingsunterkunft der Stadt untergebracht wird.

Kontakt

Carsten Fink, E-Mail: carstenfink@web.de

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