Wahlkreis Kassel-Land I

Tim Zborschil (Die Linke) setzt im Wahlkampf auf junge Themen und Bürgernähe

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Direktkandidat der Partei Die Linke: Der 24-jährige Tim Zborschil ist Student in Kassel und kommt ursprünglich aus dem Lahn-Dill-Kreis.

Vellmar. Am 28. Oktober wählt Hessen einen Landtag. Im Wahlkreis Kassel-Land I bewerben sich sieben Kandidaten. Wir stellen die Bewerber vor. Dieses Mal: Tim Zborschil (Die Linke). 

Auch wenn Tim Zborschil erst 24 Jahre jung ist, so fühlt er sich doch wie ein „alter Hase“ in der Politikszene. Schließlich ist er seit seinem 18. Lebensjahr aktiv bei der Partei „Die Linke“ dabei und war schon im Lahn-Dill-Kreis stellvertretender Kreisvorsitzender der Linken. Im Landkreis Kassel ist er Sprecher der Linksjugend. Jetzt ist er der jüngste Kandidat für den Hessischen Landtag und tritt für den Wahlkreis Kassel-Land I an.

„Meckern ist einfach, sich einzumischen nicht, und dieser Herausforderung will ich mich stellen“, sagte Zborschil. Ihm gehe es darum, jungen Wählern ein Vorbild zu sein und eben auch junge Themen aufzugreifen. So zum Beispiel die Digitalisierung. Zborschil, der gerne reist und besonders gern im Baltikum unterwegs ist, ist begeistert, dass es dort ein digitales Parlament und eine 99-prozentige W-Lan-Versorgung gibt. „Und hier ist das wie im Mittelalter“, gibt Zborschil zu bedenken.

Ein Anliegen sind ihm ebenso Freibäder und Jugendräume. Freibäder im ländlichen Raum sollen auch Anreiz für Familien sein, um dort gerne wohnen zu wollen. Noch wichtiger aber sei es, dass Kinder das Schwimmen erlernen. Deshalb müssten Schließungen der Bäder verhindert werden. Und Jugend brauche Raum und Freiräume, wie der junge Politiker erklärt und dabei lächelnd durch den Ahne-Park in Vellmar schlendert. Dort spielt er gerne Badminton oder beobachtet die Gänse und genießt hier seinen Freiraum. Im Moment allerdings eher weniger, denn der Wahlkampf verlangt ihm einiges ab. Dabei setzt er auf Bürgernähe. Seine Handynummer hat er öffentlich gemacht. Auch in den sozialen Netzwerken ist er unterwegs und beantwortet selbst alle Fragen.

Aber auch er ist als Berater für Social-Media-Anwendungen nicht vor den sogenannten „Trollen“ geschützt und muss auch einige Hasstiraden und Drohungen über sich ergehen lassen. Aber er habe auch ein dickes Fell. Strafrechlicht relevante E-Mails würden bei der Polizei landen.

Tim Zborschil aus Vellmar tritt bei der Landtagswahl als Direktkandidat der Partei Die Linke an. Er studiert Politik, Wirtschaft und Geschichte, ist aber auch selbstständig als Berater für Social-Media-Anwendungen.

Beim Wahlkampf habe er die anderen Parteien im Blick. Bisher habe er im Landkreis Kassel wenig Wahlkampf wahrgenommen. Er selbst ist auf verschiedenen Podiumsdiskussionen zu sehen. Langweilig werde ihm jedenfalls nicht. In Bezug auf die AfD sagte Zborschil: „Viele zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Politik und suchen deshalb nach anderen Möglichkeiten. Die AfD im Kreistag stelle „sinnfreie Anträge“, die er allenfalls für Schau-Anträge halten könne. Mehr Raum möchte er der AfD auch nicht geben. „Wir müssen viel mehr eigene Ideen und Visionen in dem Vordergrund stellen und mit besseren Argumenten überzeugen“, sagte der junge Mann, der in Kassel studiert.

Auch zum Thema Integration hat Tim Zborschil eine glasklare Haltung: „Integration ist keine Einbahnstraße. Es ist egal, ob du Paul oder Abdullah heißt, wenn es um einen Job oder die Eröffnung eines Bankkontos geht.“ Die Chancengleichheit für alle hier lebenden Menschen müsse sichergestellt werden. „Wir werden immer die Finger in die Wunde legen“, sagte der 24-Jährige überzeugt. Bildung ist ein weiteres Thema, das den jungen Mann bewegt. „Die Schule muss mehr auf das wahre Leben vorbereiten. Wer von der Schule abgeht, hat keine Ahnung von Steuern und Versicherungen oder davon, wie ein Bafög-Antrag ausgefüllt wird“, beklagt Zborschil. In Skandinavien zum Beispiel würden Schüler individueller gefördert. „Bei uns werden die Schwächen herausgestellt“, sagte der junge Mann. Immer mehr junge Erwachsene litten unter dem zunehmenden Druck und verstärkt unter Depressionen. Ein längeres gemeinsames Lernen sei eine Maßnahme, die es umzusetzen gelte.

Politische Ziele der Linken

Das Wahlprogramm der Partei Die Linke erstreckt sich über knapp 90 Seiten. Es umfasst die Themen solidarisches Wirtschaften, bezahlbare Wohnungen für alle, soziale Gerechtigkeit und gute Gesundheitsversorgung bis hin zu guter Bildung und gleiche Bildungschancen, mehr Demokratie, gleichberechtigte Partizipation und Flüchtlinge schützen über Verkehrswende für Hessen, Energieversorgung sozial und ökologisch gestalten, Umwelt und Klima schützen, Inklusion, Breitbandausbau, Inter- und Transsexualität und Gleichberechtigung. 

Die Partei will sich für ein Land einsetzen, in dem alle Menschen ihre Persönlichkeit frei entfalten und sozial abgesichert in Würde leben können. Dafür müssen Armut und prekäre Beschäftigungsverhältnisse bekämpft und soziale Sicherheit ausgebaut werden. Deshalb will sich Die Linke aktiv für die Armutsbekämpfung einsetzen. Der Wohnungsnot will Die Linke mit dem Bau von mindestens 10 000 Sozialwohnungen jährlich begegnen. Dazu gehört für die Partei auch, Hartz IV abzuschaffen und eine bedarfsgerechte, sanktionsfreie Mindestsicherung einzuführen. Ebenso sollen privatisierte Krankenhäuser zurück in öffentlichen Besitz. 

Damit die Schere zwischen Stadt und Land nicht immer weiter auseinanderklafft, fordert Die Linke einen Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs in den ländlichen Regionen, den Erhalt von Schulen, Ämtern und Behörden, die Förderung mittelständischer Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie den Erhalt und Ausbau von Einkaufsmöglichkeiten, den Erhalt von Freizeit- und Kulturangeboten und den Ausbau mit Breitbandversorgung. 

Geht es nach dem Willen der Linken, sollen Kinder bis zur 10. Klasse gemeinsam lernen und dabei individuell gefördert werden. Zudem wollen sich die Linken starkmachen für ein buntes Hessen und steht ein für das Menschenrecht auf Asyl. Außerdem soll das Wahlrecht für alle in Deutschland lebenden Menschen ab 16 Jahren gelten. Sie sind gegen jegliche Abschiebungen und für ein Bleiberecht für alle.

Zur Person

Tim Zborschil ist ledig, 24 Jahre alt und stammt aus dem mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis. Zum Studium hat er sich für Kassel entschieden und lebt jetzt in Vellmar. Er studiert Politikwissenschaft mit Nebenfach Geschichte an der Uni in Kassel. Außerdem ist er als Webadministrator und Berater für Social-Media-Anwendungen selbstständig. Der junge Linken-Politiker reist gerne. Am liebsten ins Baltikum. Nach der Landtagswahl will er nach Moldawien. Und er mag besonders fremdsprachige Musik, denn Musik bringe Menschen zusammen.

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