Tod der Methe-Brüder: Handball verliert hervorragendes Schiedsrichter-Gespann

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Die Zwilingsbrüder Methe

Vellmar/Balingen. Diese Nachricht hat nicht nur die Handball-Welt geschockt: Deutschlands bestes Schiedsrichter Duo Reiner und Bernd Methe ist tot. Die Zwillingsbrüder aus Vellmar verloren am Freitag bei einem Autounfall ihr Leben.

Aktualisiert um 14.30 Uhr

Sie waren auf dem Weg zum Bundesliga-Spiel zwischen dem HBW Balingen-Weilstetten und dem SC Magdeburg. Nahe der Ausfahrt Empfingen sei ihr nagelneuer Wagen auf einer geradeaus verlaufenden sowie übersichtlichen Strecke auf die Gegenfahrbahn geraten und frontal mit einem Lastwagen zusammengeprallt. „Beide waren vermutlich auf der Stelle tot“, sagte ein Sprecher der Polizei. Das Spiel wurde abgesagt. Die Polizei sucht nun einen Zeugen, der den Unfallhergang gesehen haben könnte. Der fuhr nach Angaben des Polizeisprechers zur selben Zeit in die selbe Richtung wie die Methe-Brüder.

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Es war ein Abend, an dem angesichts dieser Tragik auch der Sport vollkommen seine Bedeutung verlor. Sichtlich betroffen reagierten die Beteiligten beim Bundesliga-Spiel zwischen der MT Melsungen und dem TV Großwallstadt auf die traurige Nachricht, die sie erst nach Spielende erreichte. „Das tut sehr weh. Ich bin total sprachlos und schockiert. Angesichts dessen kann und möchte ich nichts mehr zum Spiel sagen. Mein Beileid gilt den Familien. An einem solchen Abend wird der Sport zur Nebensache“, sagte MT-Trainer Michael Roth.

Peter David, Coach der Großwallstädter, ergänzte: „Es ist eine Katastrophe für den Handball. Beide waren sehr gute Schiedsrichter.“ Und sein Co-Trainer Uli Wolf sagte: „Sport ist unwichtig angesichts dieser Tragödie. Die Schiedsrichter absolvieren tausende von Kilometern im Auto und setzen sich vielen Gefahren aus. Das ist nur wenigen bewusst.“

Was also bleibt, ist die Erinnerung an ein hervoragendes deutsches Schiedsrichter-Gespann. Unbestritten sind ihre sportlichen Verdienste. Beide haben in den vergangenen zehn Jahren internationale Spiele geleitet, darunter im vergangenen Jahr das EM-Finale Frankreich gegen Kroatien. Im Juni erst wurden sie von den Managern der Handball-Bundesliga zum besten Gespann gewählt – zum dritten Mal in Folge.

„Nach oben zu kommen ist nicht leicht, aber sich oben zu halten ist schwer“, hatte Reiner Methe damals gegenüber unserer Zeitung gesagt. Per SMS hatte er seinen Zwillingsbruder Bernd über die Nachricht informiert. Und der hatte gesagt: „Ich denke, dass unser persönliches Auftreten für die Wahl entscheidend war.“

„An einem solchen Abend wird Sport zur Nebensache.“ MT-Trainer Michael Roth Neben den sportlichen Auszeichnungen und Auftritten ist genau dieses Auftreten, was bleiben wird: Die Erinnerung an ein stets gut gelauntes Duo, das mit viel Liebe und Leidenschaft der Aufgabe als Handball-Schiedsrichter nachging.

Beide leiteten knapp 600 Partien in der Bundesliga und 180 Spiele auf internationaler Ebenso mit ebenso viel Hingabe wie Testspiele in Nordhessen – zuletzt im Sommer das Freundschaftsspiel zwischen Kaufungen um dem Deutschen Meister HSV Hamburg oder das Testspiel zwischen einer Regionalauswahl und der MT Melsungen.

Reiner und Bernd Methe waren ein Duo, das nur ganz wenige auch optisch von einander unterscheiden konnten. „Reiner hat einen kleinen Leberfleck im Gesicht“, verriet Bernd einmal. Wenn jemand Bernd rufe, reagiere er trotzdem, erzählte Reiner wiederum im Interview mit unserer Zeitung. Lücke bleibt Die Methes, die bei Daimler arbeiteten, hinterlassen Familie: Reiner seine Ehefrau und zwei Söhne, Bernd Ehefrau und Sohn. Und beide werden eine ganz große Lücke hinterlassen – nicht nur im nordhessischen Handball.

Nach dem den Unfalltod der beiden Handball- Schiedsrichter Bernd und Reiner Methe hat die Staatsanwaltschaft Rottweil die Ermittlungen aufgenommen und ein Sachverständigen- Gutachten in Auftrag gegeben. Das bestätigte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur dpa am Samstag. Dieser Schritt sei nötig geworden, weil die Unfallursache nach wie vor völlig ungeklärt ist.

Von Michaela Streuff

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