Die Methes - ihr gemeinsames Leben

Bernd und Reiner Methe

Kassel. Die eineiigen Zwillingsbrüder wurden am selben Tag geboren, haben am selben Tag geheiratet, ihr Leben als Familienväter in direkter Nachbarschaft in Vellmar gelebt, beim selben Arbeitgeber gearbeitet, die Liebe zum Handball geteilt.

Und das Schicksal wollte es, dass sie ihr Leben auch am selben Tag verloren haben. Am 11. November 2011 gegen 16.30 Uhr sind Reiner und Bernd Methe bei einem Unfall auf der Bundesstraße 463 bei Empfingen gestorben.

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Sie waren auf dem Weg zu der Tätigkeit, die ihre ganz große Leidenschaft war: Sie hätten das Bundesliga-Spiel zwischen Balingen-Weilstetten und Magdeburg leiten sollen.

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Reiner und Bernd Methe wurden nur 47 Jahre alt. Damit waren sie im sprichwörtlich besten Alter für ein Unparteiischen-Duo. Sie waren weit oben angelangt als eines der international renomiertesten Duos im Schiedsrichterwesen. Von Island bis Italien - es gibt kaum ein europäisches Land, in dem die Nordhessen nicht schon ein Handball-Spiel geleitet haben. Bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land 2007 waren sie im Einsatz, bei Champions-League-Spielen, bei den heißen Derbys in der Bundesliga ebenso wie bei unzähligen Freundschaftsspielen bis hinunter in die niedrigsten Spielklassen in Nordhessen.

Ihr Grundsatz: „Egal in welcher Klasse, Hauptsache man pfeift“, sagte Reiner einmal. Dreimal in Folge wählten die Bundesliga-Manager das Duo in den vergangenen Jahren zum besten Gespann der Liga.

Ein nächster Höhepunkt ihrer Laufbahn hätte im Dezember angestanden: Methe/Methe waren für die Weltmeisterschaft der Frauen in Brasilien nominiert. Im Sommer 2012 wollten sie zu den Olympischen Spielen nach London – es wäre die Krönung ihrer Laufbahn gewesen.

Schweigeminute für Methe-Zwillinge

Schweigeminute für Methe-Zwillinge
Schweigeminute für Methe-Zwillinge © Andreas Fischer
Schweigeminute für Methe-Zwillinge
Schweigeminute für Methe-Zwillinge © Andreas Fischer
Schweigeminute für Methe-Zwillinge
Schweigeminute für Methe-Zwillinge © Andreas Fischer
Schweigeminute für Methe-Zwillinge
Schweigeminute für Methe-Zwillinge © Andreas Fischer
Schweigeminute für Methe-Zwillinge
Schweigeminute für Methe-Zwillinge © Andreas Fischer
Schweigeminute für Methe-Zwillinge
Schweigeminute für Methe-Zwillinge © Andreas Fischer
Schweigeminute für Methe-Zwillinge
Schweigeminute für Methe-Zwillinge © Andreas Fischer

Der Handball bestimmte ihren Lebensrhythmus. Ohne die Unterstützung ihrer Familien wäre das nicht möglich gewesen. Häufig mussten Ehefrau Susanne und die Söhne Christian und Fabian auf Reiner, Petra und Sebastian auf Familienvater Bernd verzichten. An Wochenenden leiteten die Zwillingsbrüder Spiele, opferten einen Großteil des Jahresurlaubs für Fortbildungen.

Rückendeckung erhielten sie auch von ihrem Arbeitgeber, dem Mercedes-Benz-Werk in Kassel. „Sie waren bekannt wie die bunten Hunde. Einfach richtig gute Menschen. Zwei, bei denen Schönrednerei überhaupt nicht nötig ist“, brachte der Betriebsratsvorsitzende Dieter Seidel die Meinung wohl fast aller auf den Punkt, die die Methes gekannt haben.

Renommierte Handball-Schiris: Die Brüder Methe

 © HNA
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Renommierte Handball-Schiris: Die Brüder Methe
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Renommierte Handball-Schiris: Die Brüder Methe
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Renommierte Handball-Schiris: Die Brüder Methe
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Renommierte Handball-Schiris: Die Brüder Methe
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Egal, ob Weltmeisterschaft oder Kreisklasse – Methe/Methe waren immer akribisch vorbereitet. Mit einem Augenzwinkern beschrieben sie sich selbst als „wandelnde Regelbücher“. Der Regelfragen-Katalog des Welthandball-Verbandes war ihre Handball-Bibel. Denn: „Wenn das erste Spiel läuft, muss alles wie von selbst gehen, da darf man nicht mehr überlegen. Sicherheit bei den Entscheidungen spart Ärger“, brachte Reiner, der gegenüber der Presse meist das Wort führte und viereinhalb Minuten älter war, ihre Arbeit auf den Punkt.

So gewissentlich sie sich gemeinsam vorbereiteten, so unterschiedlich mussten jedoch ihre Blickwinkel auf ein Handball-Spiel sein. Sonst wären sie ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht geworden. Reiner formulierte das so: „Wenn beide Schiedsrichter das Gleiche gesehen haben, dann haben sie es nicht gekonnt.“

Wie gut sie ihr Handwerk als Schiedsrichter beherrschten, stellten sie in 670 Bundesliga-Spielen und in den vergangenen 13 Jahren auch in mehr als 200 Partien auf internationaler Ebene unter Beweis. Souverän waren sie in den Duellen auf ganz großer Ebene ebenso wie bei Handball-Spielen in der Heimat. Es war egal, ob die MT Melsungen, der TSV Vellmar oder eine Amateur-Auswahl antrat. In Nordhessen waren die Methes stets auch Handball-Freunde aus der Nachbarschaft. Zwei, die sich zumindest bei Benefizspielen, die sie häufig leiteten, nie zu schade für ein Späßchen auf dem Spielfeld waren – spontan wechselten sie beispielsweise die Rollen und wurden von Schiedsrichtern zu Mitspielern, die sogar Tore erzielten.

Und generell waren Reiner und Bernd Methe immer zu einem Gespräch mit Fans und Freunden bereit. Davon hatten sie viele. Schließlich wurden sie schon als Kinder Teil dieser nordhessischen Handball-Familie. Beim TSV Wolfsanger, bei dem sie seit fast drei Jahrzehnten Mitglied waren, hatten sie einst mit dem Handballspielen begonnen: Bernd als Torhüter, Reiner als Feldspieler.

Als die Zeit für das Training nicht mehr reichte, griffen sie seit 1987 für den TSV Vellmar zur Pfeife. Nur das erste Spiel leiteten sie getrennt. Danach gab es die Zwillingsbrüder auf dem Spielfeld nur noch als Gespann. Bis zuletzt.

Von Michaela Streuff

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