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Nach 44 Jahren schließt Bärbel Trebing das Uhrenhaus Otto in Vellmar

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Von: Peter Dilling

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Bärbel Trebing  vor ihrem  Geschäft Uhrenhaus Otto im Herkules-Einkaufszentrum in Vellmar.
Design-Schmuck auch zu erschwinglichen Preisen: Bärbel Trebing trennt sich demnächst von ihrem Geschäft im Herkules-Einkaufszentrum. © Peter Dilling

Seit 44 Jahren ist das Uhrenhaus Otto in Vellmar ein Begriff, wenn es um Uhren, Trauringe und schönen Schmuck geht. Doch nun soll bald Schluss sein.

Vellmar – Inhaberin Bärbel Trebing will sich mehr Zeit für die Familie und ihr Enkelkind nehmen. Ihr weiteres Geschäft in Hofgeismar wird sie bis auf Weiteres behalten. Wann genau die gelernte Handelsfachwirtin das Uhren- und Schmuckgeschäft im Herkules-Einkaufszentrum schließen wird, weiß sie noch nicht. Der Ausverkauf mit Rabatten auf das gesamte Sortiment ist aber schon angelaufen. Wegen der Nachfolge führe sie Gespräche mit einem ernsthaften Interessenten, sagt die Geschäftsfrau.

„Das Geschäft läuft gut, die Entscheidung zur Schließung tut mir im Herzen weh“, sagt Trebing. Das ist verständlich, leitet die 56-Jährige doch ein fast 120 Jahre altes Traditionsgeschäft in vierter Generation: Ihr Urgroßvater, der Uhrmachermeister Reinhold Otto, hatte 1903 am Holländischen Platz in Kassel ein Geschäft für Uhren und Schmuck eröffnet. Dessen Sohn, der Uhrmacher Paul Otto, sowie später Trebings Mutter Gisela Gottschalk und deren Mann, Uhrmachermeister Helmut Gottschalk, bauten das inhabergeführte Familienunternehmen zielstrebig aus.

In den 1990er-Jahren habe das Uhrenhaus bis zu sechs Geschäfte in Kassel und der Region gehabt, erzählt Bärbel Trebing, die in Immenhausen wohnt. Es wurden auch regelmäßig Lehrlinge ausgebildet. Mit sechs Jahren habe sie bereits hinter dem Verkaufstresen des damaligen Geschäfts am Königsplatz in Kassel gestanden, ihre Mutter habe sie schon als Baby in der Tragetasche mit in den früheren Laden in der Treppenstraße genommen, erzählt Bärbel Trebing.

1978 eröffnete das Uhrenhaus eine Filiale am Vellmarer Rathausplatz. 1999 kam dann der – lange ersehnte – Wechsel in den Herkules-Markt. „Da hatten wir eine ganz andere Kundenfrequenz. Das war eine supergute Entscheidung“, sagt Trebing rückblickend. Das Geschäft sei immer recht „schmucklastig“ gewesen, erzählt sie. Auch der Service mit Reparaturen und Änderungsarbeiten werde schon immer großgeschrieben. Über die Jahre habe sich das Sortiment ausgedehnt. „Uhren und Schmuck waren früher etwas fürs Leben, heute sind sie Modeartikel“, weiß die 56-Jährige. Ihre Tochter habe kein Interesse an einer Übernahme des Geschäfts. Noch im Februar habe sie sich auf einer Fachmesse mit Ware eingedeckt, die müsse jetzt erst mal verkauft werden. Sie hoffe vor allem im Interesse ihrer Mitarbeiter, dass bald eine Entscheidung über die Zukunft des Geschäfts falle. (Peter Dilling)

Der Grundstein wurde in Kassel gelegt: Das undatierte Bild zeigt ein Geschäft von Uhren Otto in Kassel. Vermutlich wurde es vor dem Zweiten Weltkrieg aufgenommen. Der Laden am Holländischen Platz wurde in der Kasseler Bombennacht zerstört.
Der Grundstein wurde in Kassel gelegt: Das undatierte Bild zeigt ein Geschäft von Uhren Otto in Kassel. Vermutlich wurde es vor dem Zweiten Weltkrieg aufgenommen. Der Laden am Holländischen Platz wurde in der Kasseler Bombennacht zerstört. © Uhrenhaus Otto

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