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Nach schwerem Angriff: Opfer kämpft mit massiven gesundheitlichen Folgen

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Von: Theresa Novak

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Spurensicherung auf dem Vellmarer Firmengelände am 25. Juni 2021
Spurensicherung auf dem Vellmarer Firmengelände am 25. Juni 2021: Der damals 56-jährige Geschäftsinhaber wurde schwer am Kopf verletzt. © Jan Trieselmann

Im Prozess um einen mutmaßlichen versuchten Auftragsmord in Vellmar sprach jetzt der Geschädigte.

Vellmar/Kassel – Über ein Jahr ist der Angriff auf einen 57-jährigen Geschäftsinhaber aus Vellmar her und noch heute hat dieser mit starken gesundheitlichen Folgen zu kämpfen. Das wurde am dritten Tag im Prozess um einen mutmaßlichen versuchten Auftragsmord vor dem Kasseler Landgericht deutlich. Gestern kam das Opfer zu Wort.

Angeklagt sind sechs Männer, die damit zu tun haben sollen, dass der Vellmarer Firmenchef zweimal attackiert und lebensgefährlich verletzt wurde. Bei der zweiten Tat soll er unter anderem mit einem Zimmermannshammer schwer zugerichtet worden sein. Ausgegangen und organisiert haben soll die Angriffe sein Geschäftspartner, der laut Anklage Betrugstaten innerhalb der Firma verschleiern und sich durch den Tod seines Partners bereichern wollte.

Mit teils gebrochener, leiser Stimme schilderte der 57-jährige Bauingenieur, was ihm im April und Juni vergangenen Jahres passiert ist und wie er bis heute leidet: „Durch den Angriff im Juni hat sich die Position meiner Augen verändert, dadurch sehe ich in bestimmten Blickwinkeln doppelt. Außerdem habe ich beim Gehen immer das Gefühl, dass ich schwanke. Dadurch, dass mein Lippenmuskel durchtrennt wurde, habe ich große Probleme beim Sprechen. Weil auch meine Kiefermuskeln durchtrennt wurden, kann ich nicht mehr richtig kauen. Der Biss passt nicht mehr zusammen und ich bekomme den Mund nicht weit genug auf.“

Zahlreiche Operationen stünden in den nächsten Jahren noch bevor, außerdem Logopädie, Physiotherapie und weitere Behandlungen.

Die psychischen Folgen seinen ebenfalls schwerwiegend. „Ich leide unter Angstzuständen und laut meinem Therapeuten auch unter posttraumatischen Symptomen.“ Die Fähigkeit, sich auf eine Sache zu konzentrieren, sei nicht mehr da. „Ich bin seit dem Angriff hyperaufmerksam und kann Dinge nicht mehr ausblenden. Das macht mich stark nervös.“

Zweimal wurde der 57-Jährige überfallen, die schlimmen Verletzungen passierten bei der Tat im Juni. Da er nach dem zweiten Schlag bewusstlos geworden war, kann er sich daran kaum erinnern. Er wisse noch, wie er morgens die Firma betreten habe, und schon sei der Angreifer hinter ihm gewesen und habe auf ihn eingeschlagen.

Bei der ersten Tat im April war er vor seinem Wohnhaus attackiert worden. Damals sei er gerade in sein Auto eingestiegen, um zur Arbeit zu fahren, als plötzlich jemand neben seinem Wagen auftauchte und nach ihm schlug. Eine Platzwunde am Kopf und Beinverletzungen waren damals die Folgen des Angriffs.

Der Prozess wird an mehreren Verhandlungstagen fortgesetzt, ein Urteil könnte Ende Januar verkündet werden. Weiter geht es heute um 9 Uhr in Saal D 130.

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