Motive sollte laut Opfer Blutrache gewesen sein

Nach Baseballschläger-Attacke in Vellmar: Freispruch für drei Afghanen

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Trat als Nebenkläger auf: Der 25-jährige Afghane Omed Ahmad wurde überfallen und verprügelt.

Mit einem Freispruch ist der Prozess gegen drei Afghanen, die sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Kassel verantworten mussten, am Donnerstagnachmittag geendet.

Ihnen war vorgeworfen worden, einen 25-jährigen Afghanen im November 2016 mit Baseballschlägern verprügelt zu haben. Das Motiv sollte laut Opfer Blutrache für eine heimliche Beziehung zu einer jungen Afghanin gewesen sein, mit der alle drei Angeklagten verwandt sind.

Das Opfer, Omed Ahmad, hatte den drei Männern im Alter von 23, 29 und 30 Jahren vorgeworfen, ihm in Vellmar aufgelauert zu haben, um ihn zu töten. Nach Angaben des Ahnatalers sollte es sich dabei um eine ethnisch motivierte Tat gehandelt haben.

Diese Annahme wollte er mit einer Aussage seines Vaters untermauern. Der 53-Jährige sagte aus, dass es ein Telefonat gegeben habe, in dem einer der Angeklagten, der 30-jährige Faridoon N., die Tat eingeräumt habe. Das Gericht und auch die Staatsanwaltschaft hatten aber Zweifel, weil dieses angebliche Gespräch bislang weder bei der Polizei noch während der Beweisaufnahme in der vergangenen Woche thematisiert worden war.

Opfer immer wieder in Widersprüche verwickelt

Dass es den Überfall auf den 25-Jährigen gegeben haben muss, darüber waren sich alle einig. Sowohl die Staatsanwältin Dr. Kaiser als auch die drei Verteidiger der Angeklagten hatten keinen Zweifel daran. Ebenso einig waren sie sich aber darin, dass das Opfer sich während seiner Vernehmung immer wieder in Widersprüche verwickelt habe. Ahmad hatte bei seinen polizeilichen Vernehmungen andere Aussagen getroffen als im Gerichtssaal. Konkret ging es dabei um die Zahl der Täter sowie um den zeitlichen Rahmen diverser Treffen.

Ein mittlerweile pensionierter Polizist sagte aus, dass Ahmad ihn zeitweise fast täglich angerufen habe und mehrfach auf dem Revier gewesen sei: „Das war anstrengend.“ Offenbar hatte das Opfer selbst gegen die Angeklagten ermittelt und Fotos sowie eine Tonaufnahme vorgelegt, auf der einer der Angeklagten, der 29-jährige Jawad S., die Tat gestanden haben soll. Die Tonaufnahme wurde vom Gericht wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte aber nicht als Beweismittel zugelassen.

Richter: Ausgang des Prozesses keine Überraschung

Richter Jan Pree sagte in seiner Urteilsverkündung, dass den Ausgang des Prozesses wohl niemanden im Saal überrascht hätte. Während der Verhandlung habe sich das Opfer in Widersprüche verstrickt, sodass es für eine Verurteilung der drei Angeklagten nicht gereicht habe. „Wir hätten keine Zweifel mehr haben dürfen“, sagte Pree. Fakt sei zwar, dass Ahmad überfallen und schwer verletzt wurde, aber es habe nicht zweifelsfrei bewiesen werden können, dass die Angeklagten den Baseballschläger geschwungen hätten.

Für das Opfer habe laut Gericht von Anfang an festgestanden, dass die Täter in der Familie seiner Ex-Freundin zu suchen seien und habe sie unbedingt dafür verantwortlich machen wollen, egal wer da jetzt auf der Anklagebank sitze. „Sie haben alles andere untergeordnet und ihre Glaubwürdigkeit demontiert.“

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