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Nach Ende der Mobilen Sozialen Dienste - Auch Privatleute können Senioren unterstützen

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Von: Valerie Schaub

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Für manche ist das Fensterputzen im Alter zu mühsam. Solche Hilfen hat in Vellmar der Medizinische Dienst geleistet. Auch Nachbarschaftshelfer können das übernehmen.
Für manche ist das Fensterputzen im Alter zu mühsam. Solche Hilfen hat in Vellmar der Medizinische Dienst geleistet. Auch Nachbarschaftshelfer können das übernehmen. © Christin Klose/DPS

Mit dem Jahresende endet auch der Mobile Soziale Dienst in Vellmar. Doch jetzt bekommen Privatpersonen die Möglichkeit ihre Nachbarn entgeltlich zu unterstützen.

Vellmar – Zum Ende des Jahres wird der Mobile Soziale Dienst (MSD) in Vellmar eingestellt. Menschen, die im Haushalt oder Alltag einfache Unterstützung brauchen, müssen sich Alternativen suchen. Einkaufen gehen, Fenster putzen, Wäsche bügeln, das alles haben Mitarbeiterinnen des Angebots des Diakonischen Werks Region Kassel für viele Haushalte in Vellmar bisher erledigt.

Wer übernimmt das zukünftig? Diese Frage kommt auch beim VdK-Ortsverband Niedervellmar/Frommershausen in letzter Zeit oft an, berichtet Vorstandsmitglied Horst Simon. Sechs bis acht Anrufe pro Woche habe es nach der Neuigkeit bei dem Sozialverband gegeben.

Aussicht auf Alternativen eines Angebots in Vellmar waren zuletzt nicht in Sicht. Von der Stadt hieß es, dass die städtische Sozialstation den Bedarf nicht abdecken könne, es gebe zu wenig Stellen und zu wenig Personal. Eine Zuständigkeit bei der Stadt sah man nicht.

Auch bei Nathalie Hügues hat im Oktober oft das Telefon geklingelt. Sie ist für Altenhilfe und Sozialplanung beim Landkreis zuständig und sagt: „Die Leute rufen beim Pflegestützpunkt an und sagen, sie finden niemanden, der den Dienst übernimmt.“ In solchen Fällen weise sie immer darauf hin, dass es neben ambulanten Pflegediensten und gewerblichen Anbietern auch die Nachbarschaftshilfe gibt. Die Corona-Pandemie hat sie in den Fokus gerückt, seit Oktober gibt es nun einheitliche Vorgaben für die Anerkennung.

Als Bürger kann man bis zu drei Nachbarn bei einfachen Aufgaben im Haushalt unterstützen und über die Pflegeversicherung der Betroffenen mit bis zu 125 Euro pro Monat entschädigt werden. Das gilt ab Pflegegrad 1, erklärt Hügues. Nachbarn und Helfer müssen allerdings allein zueinander finden, eine Art Vermittlungsbörse gibt es bisher nicht.

Um über die Pfegekasse abzurechnen, müssen sich die Helfer nun beim Landkreis anerkennen lassen. Lediglich 14 Anträge hat Hügues bisher bearbeitet.

Horst Simon vom VdK sieht in der Nachbarschaftshilfe eine große Chance, zumal sie die Pflegedienste entlasten könne. Zudem gebe es mit der Anerkennung endlich einheitliche Vorgaben.

Die Grünen wollen das Thema noch mal in der Politik aufgreifen, sagt Fraktionsmitglied Annette Blumöhr. Nach ihren Recherchen gebe es in Vellmar auch neue gewerbliche Anbieter, die ein Teil der Kunden des MSD übernehmen könnten. Sie vermisse aber nicht nur eine Stelle, die solche Hilfen koordiniert. Sondern auch eine Möglichkeit, Frauen zurück in die Erwerbstätigkeit zu vermitteln. Der MSD hatte dafür eine Kooperation mit der Arbeitsagentur. Auch diese Besonderheit falle weg.

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