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Nach allererstem Auftritt im Piazza: Reinhold Beckmann erneut gefeiert

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Von: Hanna Maiterth

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In Vellmar hatte er das erste Konzert überhaupt: Reinhold Beckmann (links) und Johannes Wennrich am Freitagabend auf der Bühne des Piazza.
In Vellmar hatte er das erste Konzert überhaupt: Reinhold Beckmann (links) und Johannes Wennrich am Freitagabend auf der Bühne des Piazza. © Hanna Maiterth

„Es ist wie Heimkehren“, sagte Reinhold Beckmann am Freitagabend zum Publikum in Vellmar. Zusammen mit seinem Bandkollegen war er zum dritten Mal als Musiker im Piazza.

Vellmar – Der Fernsehmoderator und Fußballkommentator, der in diesem Falle jedoch als Musiker auf der Bühne stand, spielte nicht nur zum dritten Mal beim Kulturverein Piazza in Vellmar. „Hier in diesem süßen Raum hatte ich das erste Konzert überhaupt“, erzählte er den Besuchern.

Dieses Mal war das Reinhold Beckmann Duo, bestehend aus dem 66-Jährigen und dem Musiker Johannes Wennrich, mit seinem Programm „Haltbar bis Ende“ auf der Kleinkunstbühne zu Gast. Beide Musiker an der Gitarre, wobei insbesondere Wennrich mit seinem virtuosen Spiel hervorstach.

Beckmann führte indes gewohnt eloquent und gewitzt durch den Abend in dem gemütlichen Raum mit der Bar an der einen und der Bühne an der anderen Seite, bezog klar Stellung zu ernsten Themen, gab Anekdoten aus dem eigenen Leben zum Besten und band das Publikum ein. Etwa beim Thema Liebe und beim Fußball. Entsprechend begleitete der Stand beim WM-Viertelfinale zwischen Niederlande und Argentinien dank einer Zuschauerin die Musiker und das Publikum durch den Abend. „Ein ganz toller Service“, sagte Beckmann.

Zu jedem Song hatte er eine Einleitung parat. So war der Musiker vor „Der Lack ist ab“ auf der Suche nach Frischverliebten und nach lange Verheirateten im Publikum. „Ich mag es ja, wenn Paare sich verbunden fühlen“, erklärte Beckmann und erntete für seine Ausführung über Regenjacken im Partner-Look bis hin zu gleichen Frisuren Lacher. „Gemeinsam alt werden, ist eine Sache. Gemeinsam schrullig werden, eine andere. Denn dann hat man es geschafft.“

Mit dem Lied „Vier Brüder“ erzählte er die Geschichte seiner Mutter und ihrer vier Brüder, die nicht aus dem Krieg zurückkehrten. „Es waren ihre Brüder und meine Onkel. Onkel, die ich nie kennenlernen konnte.“

Angesichts des Leids, wie es auch viele andere Familien erfahren mussten, sei es nicht hinnehmbar, dass AfD-Politiker Alexander Gauland die Herrschaft und den Krieg unter dem Naziregime einst als „Vogelschiss in der Geschichte der Menschheit“ bezeichnet habe. „Wir müssen aufmerksam bleiben, genau hingucken und für den Frieden kämpfen“, erklärte Beckmann, der damals mit seiner Mutter Gauland verklagen wollte. Die Klage wurde abgelehnt, die Staatsanwaltschaft sah die Aussage von der Meinungsfreiheit gedeckt.

Es waren überwiegend ruhige Lieder, zum Teil melancholische Balladen, die das Duo auf der Bühne spielte. Das Publikum in Vellmar fand Gefallen, belohnte die Musiker mit begeistertem Applaus und wurde dann wiederum selbst mit einer Zugabe von Reinhold Beckmann und Johannes Wennrich belohnt.

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