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Plastikmüll wird zu Kuscheltieren - Vellmarer recycelt Flaschen

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Freundliche Gesellen: Malte Niebelschuetz aus Vellmar macht Kuscheltiere aus Plastikmüll und arbeitet mit einem lokalen Einzelhändler in Vellmar zusammen.
Freundliche Gesellen: Malte Niebelschuetz aus Vellmar macht Kuscheltiere aus Plastikmüll und arbeitet mit einem lokalen Einzelhändler in Vellmar zusammen. © Alexander Röder

Der gebürtige Vellmarer Malte Niebelschuetz will die Meere vor Mikroplastik schützen. Dazu hatte er vor vier Jahren eine ganz besondere Idee. Aus Plastikmüll macht er Kuscheltiere.

Vellmar – Sonnenbrille, braungebranntes Gesicht, eine Muschel als Kettenanhänger um seinen Hals – Malte Niebelschuetz sieht aus, als verbringe er viel Zeit an den Stränden seiner kalifornischen Wahlheimat. Was der gebürtige Vellmarer dort und anderswo sieht, bedrückt ihn. Die Situation der Meere und derer Strände ist bedrohlich. Müll, viel Müll, vor allem Plastik. In San Diego, wo Niebelschuetz seit elf Jahren lebt, sei die Verschmutzung zwar noch nicht so offensichtlich wie an manchen karibischen Stränden, sagt er, „aber wenn ich hier mit der Hand durch den Sand fahre, ziehe ich jedes Mal auch Plastikteilchen heraus“.

Vor vier Jahren hat Niebelschuetz deshalb begonnen, Plastikmüll zu Kuscheltieren zu recyceln. Eine Umarmung für die Ozeane. Die Plastikflaschen werden gesammelt, zu Pellets geschreddert, geschmolzen und zu Garn verarbeitet, aus dem schließlich die drolligen Kuscheltiere und Schlüsselanhänger genäht werden. Mehr als eine Million Plastikflaschen wurden auf diese Weise im Vorjahr von seinem Unternehmen „Shore Buddies“ wiederverwertet und so vor dem Endlager im Meer gerettet.

Waren die Öko-Souvenirs, die Niebelschuetz liebevoll Strandkumpels nennt, anfangs ausschließlich in den USA erhältlich, bietet der 37-Jährige seine Kollektion knuddelweicher Meeresbewohner nun international an, auch in Deutschland – überwiegend in den Souvenirläden entlang der Ost- und Nordseeküste, ganz neu aber auch bei Benderoth in Vellmar.

„Das alles ist für mich ein wirklich großer Erfolg“, sagt er und verweist auf Treffen mit Umweltpionieren und Größen der internationalen Meeresprotektion, zu denen er plötzlich eingeladen wird. „Da frage ich mich schon manchmal, wie ich als Vellmarer Bub dort gelandet bin.“

Angefangen hat alles mit einer buchstäblichen Schnapsidee – auf Deutschlandbesuch mit Freunden in einer Hamburger Kneipe. Wenige Tage zuvor war er im Internet auf ein Unternehmen gestoßen, das nachhaltige Kleidung herstellt, Kleidung aus recycelten Plastikflaschen. Dieser Artikel ließ ihn nicht mehr los. Und wenn man aus Plastikmüll Klamotten herstellen kann, diskutieren die Freunde, dann doch auch Stofftiere. Die Idee war in der Welt. Zurück in Kalifornien nimmt die Idee schnell Gestalt an. Niebelschuetz spürt Fabriken auf für das Recycling der Plastikflaschen, für die Produktion, er skizziert Designs und kümmert sich um den Vertrieb. Das Geschäft läuft gut an. Eine halbe Million Dollar hat das Unternehmen im letzten Jahr umgesetzt. Für jedes der etwa 25 000 verkauften Stofftiere spendet „Shore Buddies“ einen Dollar an Umweltorganisationen.

Dabei wurde er anfangs für sein Vorhaben belächelt. Ausgerechnet in Kalifornien, wo man sich nur allzu gern die „grüne Revolution“ auf die Fahne schreibt. „Viele Leute betonen zwar, wie wichtig ihnen Umweltschutz ist“, sagt Niebelschuetz, „aber im selben Moment führen sie riesige Plastik-Kaffeebecher von Starbucks zum Mund.“ Deshalb sieht der Auswanderer Aufklärung, was Meeresschutz wirklich bedeutet, als eine seiner zentralen Aufgaben. So sind an den Kuscheltieren erklärende Flyer geheftet, zudem geht sein Team in Schulen und informiert dort die Kinder. Niebelschuetz: „Meine Kuscheltiere retten nicht die Meere, aber sie sind ein Anfang.“ (Alexander Röder)

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