Idyllisches Fahren mit Tempolimit

Riesiges Interesse am Rad-Schnellweg zwischen Kassel und Vellmar

Rege Diskussion auf dem künftigen Radschnellweg: Bürgermeister Manfred Ludewig machte seine Mitfahrer an der Eisenbahnunterführung auf das dortige Nadelöhr am Radler-Abzweig nach Niedervellmar (rechts im Hintergrund) aufmerksam. Radfahrer werden dort vor der Ahne-Brücke durch eine Barriere zum Absteigen gezwungen, weil das Geländer zu niedrig ist. Mit Rad-Anhänger ist dort kein Durchkommen.
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Rege Diskussion auf dem künftigen Radschnellweg: Bürgermeister Manfred Ludewig machte seine Mitfahrer an der Eisenbahnunterführung auf das dortige Nadelöhr am Radler-Abzweig nach Niedervellmar (rechts im Hintergrund) aufmerksam. Radfahrer werden dort vor der Ahne-Brücke durch eine Barriere zum Absteigen gezwungen, weil das Geländer zu niedrig ist. Mit Rad-Anhänger ist dort kein Durchkommen.

Die Planungen für die Radroute Kassel-Vellmar werden konkreter. Am Samstag gab es einen Aktionstag entlang der Route. Radfahrer konnten die Strecke abfahren und an fünf Punkten Info-Stände besuchen.

Vellmar – Viele Radfahrer wollten sich am Samstag über die geplante Radschnellverbindung zwischen Kassel und Vellmar informieren. Schon zum Auftakt des Informationstages seien eine Reihe von Berufspendlern am Info-Stand der Stadt Vellmar unterhalb der Brüder-Grimm-Straße vorbeigekommen, um sich über den Streckenverlauf zu informieren, sagte Stadtsprecherin Astrid Kneuer.

Sie selbst kam mit einigen Radlern, die die Route erkunden wollten, ins Gespräch. Mit kleinen Geschenken wie einem Sattelüberzug und Brause-Bärchen warb sie für den Umstieg aufs Rad.

Das Interesse von Vellmarern war so groß, dass Bürgermeister Manfred Ludewig gleich zwei Touren – statt der geplanten einen – im Wegabschnitt bis zur Kasseler Stadtgrenze auf seinem Rad anführte, einmal begleitet vom SPD-Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels und dessen Parteifreund, dem Landtagsabgeordnete Oliver Ulloth. Ludewigs Gruppe von mehr als einem Dutzend Radlern befuhr den schon vorhandenen Fuß- und Radweg, der sich beidseits der Ahne entlang schlängelt.

Dieser Abschnitt könnte – überwiegend auf der vorhandenen Route – bereits nächstes Jahr auf die geplanten vier Meter ausgebaut werden. Der erste Eindruck, wenn man auf dem Rad dort unterwegs ist: Die Route bietet wahrlich ein idyllisches, entspannendes Naturerlebnis. Weite Felder ziehen vorbei, wenige Meter neben dem Weg gurgelt die Ahne. Blütenduft weht einem in die Nase.

Aber wie schnell wird dieser Schnellweg in diesem Abschnitt sein? Da muss man schon Fantasie aufbringen. Momentan kann sich der Radler über Abwechslung beim Fahrbahnuntergrund nicht beklagen: Da wechseln sich Schotter, Pflaster und Asphalt munter ab. Und kurvenfest sollte man auch sein. Vor allem beim Abzweig von der Ihringshäuser Straße hinüber auf die nördliche Seite der Ahne. Die Auffahrt zur schmalen Holzbrücke ist fast eine Spitzkehre. Diese Brücke werde wohl neu und breiter gebaut werden müssen, erklärte Ludewig. 90-Grad-Kurven werde es auch auf dem Schnellweg geben.

Kurz hinter der Eisenbahnunterführung am Grünen Weg/Ecke Wiesenweg machte Ludewig wieder halt, um zu erklären und Fragen zu beantworten. Wie stehe es mit Fußgängern, Inline-Skatern und landwirtschaftlichen Fahrzeugen, die auf dieser Route unterwegs sind, wollten einige wissen. Landwirte verschmutzten mit ihren Maschinen ab und zu den Weg, bemerkte einer der Teilnehmer. Die Antwort: Alle, die jetzt schon auf der Route unterwegs sind, werden sich dort auch künftig fortbewegen können. Fußgänger und Radler würden nur durch einen Markierungsstreifen getrennt, für einen separaten Wegebau fehle der Platz, erklärte Vellmars Radwegebeauftragter Uwe Niede. Und zu den Landwirten: „Das haben wir im Auge“, sagte Ludewig. „Wir haben einen kurzen Draht zum Ortslandwirt“, ergänzte Niede. Das Nebeneinander der verschiedenen Nutzer dürfte dann wohl für ein natürliches Tempolimit sorgen.

Viele Bürger lobten am Vellmarer Info-Stand das Projekt. „Hoffentlich erlebe ich das noch. Mit dem Rad bin ich jetzt schon schneller in der Kasseler Innenstadt“, sagte der Vellmarer Joachim Petersdorf. Er selbst benutze kaum noch sein Auto. Auch andere Autofahrer sollten umdenken. Werner Eisenberg aus Vellmar freut sich ebenfalls auf den Schnellweg, fordert aber, dass die Planer für Schutz von Radlern vor den Autos sorgen. „Es ist gruselig, wenn Radfahrer an geparkten Autos vorbeimüssen und sich plötzlich die Autotür öffnet“, sagte er.(Von Peter Dilling)

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