Freiwilliger Umweltschutz

Sammelaktion bei Vellmar: Zwei Freunde befreien die Ahne von Müll

Sammelten drei Tage: Kévin Le Lamer (links) und sein Sportfreund Pierrick Le Paven befreiten einen zwei Kilometer langen Abschnitt der Ahne zwischen Kassel und Vellmar von Müll.
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Sammelten drei Tage: Kévin Le Lamer (links) und sein Sportfreund Pierrick Le Paven befreiten einen zwei Kilometer langen Abschnitt der Ahne zwischen Kassel und Vellmar von Müll.

„Es ist dreckig“, sagt Kévin Le Lamer. 15 Stunden hat der 33-Jährige gemeinsam mit seinem Freund Pierrick Le Paven bis zu den Knien in der Ahne gestanden.

Kassel/Vellmar - Aus dem Bach zwischen Henkelstraße und Vellmar haben die beiden Franzosen an drei Tagen große Mengen Müll herausgeholt. Einfach so – spontan. Und ohne irgend eine Organisation im Rücken, die zu einem Aktionstag aufgerufen hatte.

Viele hundert Feuchttücher haben die beiden aus dem Bach gefischt. „Wir wissen gar nicht, wie die da reinkommen“, fragen sich beide zur Herkunft unzähliger Hygieneartikel in dem Gewässer. Beim Blick von oben auf den Bachlauf seien diese kaum zu erkennen gewesen. Die Tücher, die sich im Wasser nicht zersetzten, seien meist unter einer Sedimentschicht verborgen gewesen. „Außerdem haben sie die Farbe des Untergrundes angenommen.“

Hinzu gekommen seien zahlreiche Damen-Binden, Tampons, Spritzen von Junkies und Zigarettenstummel. „Ich habe in zwei Stunden alleine 2000 Stummel gesammelt“, sagt Pierrick Le Paven. Auch einen Elektroroller, Fahrräder, einen Toaster, einen Kühlschrank, Tablets und Handys fanden die Aktivisten in der Ahne. „Kinder haben uns gezeigt, wo besonders viele Plastiktüten hängen.“

Wenn man die schönen Orte in Deutschland und Frankreich sehe, dann müsse man diese vom Müll befreien, betont Le Paven. Das treffe zum Beispiel auch auf Unesco-Standorte zu – etwa die Schlösser an der Loire und den Bergpark. „Man hat Lust, die Orte zu verteidigen“, sagt der 26-Jährige aus Angers, der angewandte Fremdsprachen studiert hat.

Beim Basketballspielen in der Goetheanlage in Kassel habe er seinen Landsmann Kévin Le Lamer kennengelernt, berichtet der 26-Jährige weiter. Dieser arbeitet in Kassel als Krankenpfleger. „Ich bin wegen meiner Freundin nach Kassel gekommen“, verrät der 33-Jährige aus Loc Malo in der Bretagne.

Immer wieder haben die beiden Sportfreunde in den vergangenen Monaten Bereiche in Kassel vom Müll befreit – etwa auch das Areal um den Hauptbahnhof.

Wenn sie ein verdrecktes Gebiet entdeckten, dann handelten sie schnell, sagen beide. „Es gibt nicht viele Leute, die bereit dazu sind“, so Le Lamer. Der Einsatz in der Ahne sei zwar sehr anstrengend gewesen, „aber nicht alles war negativ“. Le Lamer: „Wir haben die Stadt anders erlebt, es war eine andere Welt.“

Masken aus dem Bach: Die Aktivisten präsentierten ihre Fundstücke auch beim Klimacamp auf dem Kasseler Friedrichsplatz.

Und wie kann sich die Situation langfristig ändern? „Es muss von der Industrie kommen“, so Le Paven. Le Lamer ergänzt: „Es muss großen Druck durch die Politik auf die Industrie geben. Nur das kann etwas bringen.“

Am vergangenen Wochenende stellten die beiden Franzosen den gesammelten Müll beim Klimacamp auf dem Friedrichsplatz in Kassel aus. Dort hätten Besucher einen weiteren Aspekt genannt: „Das ist doch Kunst, haben viele gesagt.“ Geeignet vielleicht für die documenta fifteen? (Sven Kühling)

Kontakt per E-Mail: p.lepaven@hotmail.fr oder kevinlelamer@gmx.com

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