SAGENUMWOBENE ORTE Schwarze Kunst im Mühlenland

Mythen um die verhexte Frommershäuser Straße

Das ehemalige „Mühlenland“: Auf dieser Brücke führt die Frommershäuser Straße über die Ahne. Dieses Gebiet galt früher als verhext.
+
Das ehemalige „Mühlenland“: Auf dieser Brücke führt die Frommershäuser Straße über die Ahne. Dieses Gebiet galt früher als verhext.

Schauergeschichten und Heldentaten kommen auch in den Legenden über sagenumwobene Orte im Landkreis Kassel vor. Wir gehen den Geschichten nach und stellen die Orte vor. Diesmal handelt es sich um das ehemalige „Mühlenland“, die heutige Frommershäuser Straße in Vellmar.

Vellmar – Um das „Mühlenland“ in Vellmar ranken sich Legenden voller schwarzer Magie. In längst vergangenen Tagen fürchteten die Einwohner der Gegend das Mühlenland, den Landstreif entlang der Ahne, der zum Reinhardswald führte. Das Gelände war unwegsam, düster und man sagte, dass ein Fluch auf ihm lastete. So schreibt es Helmut Brede in einer Publikation des Arbeitskreises Märchenlandweg der Stadt Vellmar.

Der Name des Geländes kam von der Vielzahl der Mühlen, die das Ufer der Ahne einst säumten. Oft blieben Pferdekarren, beladen mit Holz aus dem nahen Wald, in dem holprigen und unbefestigten Grund stecken. Das führte dazu, dass immer mehr Menschen auf den Fluss Ahne auswichen, den sie mit Fähren befuhren.

Gerichtsakte aus dem Dreißigjährigen Krieg bezeichnet das Mühlenland als verhext

Dass das Mühlenland als verhext galt, habe einen historischen Hintergrund, erklärt Karl-Heinz Gauler, Vorsitzender des Geschichtskreises Vellmar. So gehe aus einer Gerichtsakte aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges hervor, dass ein Gelände in Vellmar, im Volksmund Mühlenland genannt, unter Fluch und Hexereien leide.

Die Legende besagt, dass ein Fuhrmann eines Abends mit seinem Karren, bis oben hin mit Holz beladen, aus dem Wald gefahren kam. Am Fuße des Mühlenlandes begegnete ihm ein Dorfbewohner, der für seine „schwarze Kunst“ berüchtigt und gefürchtet war. Der Mann hielt inne und sein Blick traf den Fuhrmann. Just in diesem Moment gingen die Pferde durch, sie spürten den Blick des unheimlichen Mannes, wieherten und mit bebenden Nüstern zogen sie den Karren schnell wie nie zuvor davon.

Die Ahne von der Frommershäuser Brücke aus betrachtet.

Auf halber Höhe blieb der Karren aber mit einem Ruck wie versteinert stehen. Der Fuhrmann fluchte und ließ die Pferde die Peitsche spüren. Die Gäule zogen unter den scharfen Hieben an, aber der Karren bewegte sich keinen Zoll vorwärts. In seiner Ratlosigkeit stieg der Fuhrmann von seinem Gefährt, ging ins Dorf und wandte sich an einen kundigen Dorfbewohner. Dieser galt als geübt im Umgang mit Hexereien und wurde in der Gegend bei solchen oft zu Hilfe gerufen. Als der Fuhrmann mit seinem Gehilfen zurück zu seinem Pferdekarren kam, nahm der Gehilfe eine Axt und versetzte mit ihrem stumpfen Ende dem Deichselkopf des Karren links und rechts einen wuchtigen Hieb. Daraufhin zogen die Pferde plötzlich an, der Fuhrmann sprang auf seinen Karren und setzte seine Fahrt fort.

Der in den schwarzen Künsten bewanderte Dorfbewohner, der dem Fuhrmann am Fuße des Mühlenlandes begegnet war und dessen Pferdekarren er mit einem bloßen Blick seiner Augen verhext hatte, lag am nächsten Morgen mit pochenden Kopfschmerzen im Bett. Beulen waren auf der linken und rechten Stirnseite zu sehen.

„Die Geschichte vom Fuhrmann ist zweifelsohne nur eine Legende, wenn auch eine schöne“, sagt Karl-Heinz Gauler. Vom Fluch des alten Mühlenlandes ist auf der heutigen Frommershäuser Straße nichts mehr zu spüren. (Raphael Digiacomo)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.