Sie fühlen sich im Stich gelassen

Seniorinnen bemühen sich um Impftermin für zu Hause - bisher vergeblich

Die 89-jährige Anneliese Neise (links) aus Harleshausen verlässt das Haus nicht mehr. Ihre Freundin Johanna Triebel hilft ihr während der Coronakrise.
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Die 89-jährige Anneliese Neise (links) aus Harleshausen verlässt das Haus nicht mehr. Ihre Freundin Johanna Triebel hilft ihr während der Coronakrise.

Bei Anneliese Neise und Johanna Triebel macht sich Frust breit. Grund dafür ist die Terminvergabe für einen Hausbesuch der mobilen Impfteams.

Vellmar/Kassel – Oder besser gesagt: die nicht stattfindende Terminvergabe. Weil Neise mit ihren 89 Jahren nur noch schlecht sehen kann, hat ihr ihre Freundin Johanna Triebel (84) aus Vellmar geholfen, die Unterlagen auszufüllen und schließlich ans Regierungspräsidium (RP) Kassel zu schicken. „Das ist fünf Wochen her“, sagt Neise. Nach eigenen Angaben hat sie seitdem nichts gehört.

Die Harleshäuserin wünscht sich wenigstens eine Nachricht, dass die Dokumente eingegangen sind. „Und natürlich hätte ich gern einen Impftermin.“ Seit Wochen bleibe sie zu Hause und lasse sich ihre Einkäufe von Johanna Triebel vorbeibringen, die besser zu Fuß ist. Die 84-Jährige aus Frommershausen hat ihre erste Impfung bereits erhalten. Die zweite folgt im März.

Doch Triebel hat kein Verständnis dafür, dass gerade diejenigen älteren Menschen, die schnelle Hilfe bräuchten, keine bekommen. „Wer seine Wohnung nicht verlassen kann, bleibt auf der Strecke – wie meine Freundin“, sagt sie. Trotzdem werde von Politikern immer wieder betont, ältere Menschen hätten Priorität beim Impfen. „Das passt nicht zusammen.“

Für Neise habe Triebel in den vergangenen Tagen mehrfach beim RP angerufen – aber ohne Erfolg. Sie sei bei der Vermittlung gelandet, „aber vermittelt wurde ich nicht, nur vertröstet“.

Auf Anfrage heißt es vom Regierungspräsidium: „Wir können zur Terminvergabe leider keine Auskunft geben.“ Laut Sprecherin Katrin Walmanns sammele das RP zwar die Unterlagen all derer, die sich eine Impfung zu Hause wünschen. Um die nächsten Schritte kümmere sich allerdings das Hessische Innenministerium. „Wir schicken die Unterlagen innerhalb von etwa zwei Tagen dort hin“, sagt Walmanns.

Laut Michael Schaich, Sprecher des Hessischen Innenministeriums, wird es wohl noch Wochen dauern, bis Anneliese Neise einen Impftermin mit dem mobilen Impfteam zu Hause bekommt. „Wir müssen noch um Geduld bitten“, sagt er.

Gut 51 000 Hessen wollen sich Schaich zufolge zu Hause impfen lassen. Derzeit seien die mobilen Impfteams jedoch noch in Alten- und Pflegeheimen eingespannt. „Das soll diese Woche größtenteils abgeschlossen sein“, sagt Schaich. Dann könnten Impftermine vergeben werden.

Zunächst sollen Rückmeldungen verschickt werden, dass die Anfragen der Menschen angekommen sind, sagt Schaich. Dann folge die Terminvergabe. „Der Prozess läuft.“ Nun, da mehr Impfstoff verfügbar sei, könne mehr geimpft werden. Es bestehe kein Zweifel, dass jeder, der will, im Sommer ein Impfangebot bekomme. (Moritz Gorny) Mehr Informationen zu Corona in der Region Kassel gibt es im News-Ticker.

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