Stadt verzeichnet Rückgang der Delikte

Nachts auf Patrouille: Sicherheitsdienst VSS kontrolliert 15 Stationen in Vellmar

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Auch der Ahnepark steht auf der Kontrollliste: Jugendliche feiern hier in der Nacht schon mal gerne und es kann laut werden. Deniz Basak (mitte) liest den Kontrollpunkt in sein Lesegerät ein. Eike Stuwe (rechts) und Thomas Raffler vom Ordnungsamt der Stadt sind mit dabei. 

Vellmar. Es ist die Nacht der totalen Mondfinsternis, aber für einen Blick in den Himmel haben die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes, die an diesem Abend durch Vellmar Streife fahren, keine Zeit.

Am Festplatz vor den Rathauscontainern sprechen der Chef der Firma VSS-Sicherheitsdienst, Eike Stuwe (25) und sein Mitarbeiter Deniz Basak (37) aus Baunatal letzte Einheiten ab. Stuwe nimmt am Lenkrad des schwarzen Kleinwagens Platz, Basak steigt zu und langsam bewegt sich der Wagen zum ersten Kontrollpunkt. Der Weg führt zum Ortsausgang und bereits jetzt geht ein kontrollierender Blick aus dem Seitenfenster in die Straßen. Nach kurzer Fahrt biegen die Beiden in einen Feldweg ein und das Ziel ist klar: Eine der Grillhütten der Stadt.

Einsam steht dort ein Fahrzeug auf dem Parkplatz. Auf dem Weg zur Grillhütte entdecken die beiden eine Familie, die sich dort eine Pizza schmecken lässt. Zielstrebig geht Stuwe zum Ort des Geschehens, stellt sich und seinen Kollegen namentlich vor und erklärt: „Wir sind vom Sicherheitsdienst für die Stadt unterwegs und schauen nur mal nach dem rechten. Lassen sie es sich schmecken, aber nehmen sie bitte ihren Müll wieder mit“, sagt er lächelnd und der Familienvater antwortet: „Das machen wir“, wünscht einen stressfreien Abend und beißt herzhaft in sein Pizzastück. Ob es stressfrei bleibt? Abwarten.

Es geht zurück in die Stadt. Der Wagen biegt von der Hauptstraße ab, macht einen Schlenker und die Scheinwerfer erfassen eine Gruppe von Jugendlichen auf einem dunklen Schulhof. Die meisten springen auf und schnell werden ein paar Flaschen ausgetauscht. Alle Minderjährigen haben plötzlich nur noch Cola und Limo in der Hand. Egal, hier dürfen sie nicht bleiben – ob mit oder ohne Alkohol. Stuwe, mit seinen fast zwei Metern Körpergröße eine imposante Erscheinung, weist die Gäste freundlich, aber bestimmt darauf hin, das Gelände zu verlassen.

Kleinere Gruppen verziehen sich sofort, aber zwei junge Mädchen haben dazu keine Lust. Stuwe geht zu den Beiden und der Ton wird etwas rauer: „Ihr könnt froh sein, dass wir nicht die Polizei sind, dann würde das hier anders ausgehen“, erklärt er. Die jungen Damen sind trotzdem beleidigt und meinen dazu nur: „Dann gehen wir eben zum Skaterplatz, da kann uns keiner was“.

Recht haben sie zwar, aber auch dort wird kontrolliert und wenn es zu laut wird, auch eingegriffen. „Uns ist es wichtig, in der Stadt Präsenz zu zeigen. Viele Jugendliche kennen uns und sind meistens auch einsichtig“, erzählt Stuwe. „Eskalationen wollen wir vermeiden. Deshalb drohen wir auch nicht mit Schlagstock oder Pfefferspray – das haben wir nicht dabei. Nur das Handy, um Polizei oder Rettungsdienst schnell zu erreichen.“

Auf dem Kontrollzettel stehen insgesamt 15 Punkte, die innerhalb von vier Stunden mehrmals an den Wochenenden angefahren werden. Dazu gehören auch das Freibad und der Rathausplatz. Zum Nachweis der Kontrolle wird an bestimmten Stellen ein Lesegerät an einen Detektor gehalten, der Zeit und Ort erfasst. „Das ist keine Kontrolle, sondern lediglich der Nachweis für beide Seiten, dass die Punkte angefahren wurden“, erklärt Thomas Raffler vom Ordnungsamt der Stadt, der eine Runde mit auf Streife fährt. „Die Zahl der kleineren Delikte ist seit Einführung der Streifenfahrten im Jahr 2015 deutlich zurückgegangen“, freut er sich.

Es bleibt zum Glück weiterhin ruhig in dieser Nacht. Lediglich gegen Mitternacht bei der Fahrt durch den Ahnepark müssen Stuwe und Basak noch ein paar Jugendliche nach Hause schicken, die ihr Radio zu laut aufgedreht haben und auf dem Rasen eine kleine Party feiern – und die Mondfinsternis ist auch vorbei. Alles läuft wieder nach Plan.

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