Sie helfen bei Demenz

Demenz-Beratung Vellmar startet nach Corona-Pause und Umzug wieder durch

Gisela Mötzing von der Vellmarer Demenzberatung Freiraum
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Gisela Mötzing von der Vellmarer Demenzberatung Freiraum

Die Schlüssel verlegt, den Arzttermin vertrödelt – das kann jedem mal passieren. Doch für Menschen mit Demenz ist das Alltag. Die Demenz-Beratungsstelle Vellmar hat nun wieder geöffnet.

Vellmar – Um Demenz-Erkrankte, vor allem aber die pflegenden Angehörigen zu unterstützen, gibt es in Vellmar seit 13 Jahren das Hilfsangebot „Freiraum“. Nach Corona-Pause und Umzug in das Evangelische Gemeindehaus Vellmar geht es nun langsam wieder los.

Freiraum sieht sich als kleine Schwester von Zeda Kassel, dem Zentrum für Menschen mit Demenz und Angehörige in Kassel. „Wir müssen unser Angebot neu aufbauen und hatten kürzlich unser erstes Helfertreffen“, sagt Sozialwirtin Gisela Mötzing (65), die seit sechs Jahren die Ansprechpartnerin für Beratung und Koordination bei Freiraum ist. Besonders beim Angebot der häuslichen Unterstützung sei man nun auf der Suche nach neuen Ehrenamtlichen.

Demenz-Beratung Vellmar startet nach Corona-Pause und Umzug wieder durch

„Vor Corona hatten wir elf ehrenamtliche Helfer, allerdings sind fast alle im Rentenalter“, sagt Mötzing. Die Helfer zählten also zur Risikogruppe und hätten deshalb in den vergangenen Monaten nicht arbeiten können.

Nun sind einige von ihnen geimpft. Allerdings warten viele noch auf die zweite Astrazeneca-Impfung und somit auf den vollen Impfschutz. „Ohne diesen wollen sie verständlicherweise nicht in den Einsatz“, sagt die Sozialwirtin. Zudem sei die Pandemie für manchen Anlass gewesen, sich auch in ehrenamtliche Rente zu begeben.

Die ersten Anzeichen

„Weg vom Geist“ oder „ohne Geist“ übersetzt sich der Begriff „Demenz“ aus dem Lateinischen und beschreibt damit recht akkurat das wesentliche Merkmal der Erkrankung. Demenz gibt es in verschiedenen Formen, die verbreitetste ist Alzheimer (etwa 65 Prozent der Erkrankten). Hierbei ist das Kurzzeitgedächtnis eingeschränkt. Dinge wie die Uhrzeit und das Einnehmen von Mahlzeiten werden vergessen. Aber auch flüssiges Sprechen fällt immer schwerer, es kommt zu Wortfindungsstörungen. Die Betroffenen ziehen sich sozial immer mehr zurück. Bei mittelschwerer Demenz lassen die Alltagskompetenzen stark nach, Haushalt und Körperhygiene werden vernachlässigt. Die Handlungskompetenzen der Erkrankten sind deutlich beeinträchtigt. tli

Sie helfen bei Demenz: Freiraum Vellmar

Neben der häuslichen Unterstützung, der Helferagentur, gibt es noch drei weitere Angebote. Eine Gruppe für Betroffene, eine Gruppe und eine Sprechstunde für Angehörige. „Wir sehen uns als Beratungs- und Begegnungsstätte“, erklärt Mötzing. Wichtig sei vor allem die Entlastung der Pflegenden.

In der Sprechstunde werden den Angehörigen beispielsweise Tipps zur Betreuung gegeben, aber auch Kontakte vermittelt zu Tagespflege- und Pflegeeinrichtungen für einen langfristigen Umzug der Erkrankten. Parallel zur Sprechstunde gibt es das Gruppenangebot für Betroffene. Eine Fachkraft betreut in diesen drei Stunden gemeinsam mit geschulten Helfern fünf bis sechs Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz im Saal des Gemeindezentrums. Dabei gibt beispielsweise Bewegungsförderung, Erinnerungspflege und auch musische Angebote.

Beratung bei Demenz: Freiraum Vellmar bietet wieder Hilfe an

Angehörige könnten die Erkrankten oft nicht mehr allein zu Hause lassen, erklärt Mötzing. „Durch dieses Parallelangebot kann die Beratung stattfinden, während die Betroffenen in der Gruppe betreut werden.“

In der Gruppe für Angehörige von demenziell Erkrankten können diese sich über ihre Situation austauschen, Ratschläge einholen und Probleme besprechen, die sie häufig mit nicht-pflegenden Bekannten nicht besprechen können. „Einfach mal das Herz ausschütten bei Gleichgesinnten hilft schon enorm“, sagt Mötzing.

Demenz-Beratung in Vellmar in neuen Räumlichkeiten

Das Angebot sei in Vellmar bekannt und werde dankend von den Menschen angenommen, berichtet die Sozialwirtin. Während der Corona-Pause hätte sie Wartelisten für Termine geführt, die nun abgearbeitet werden. Foto: Theresa Lippe

Angebote und Anmeldung

Sprechstunde: montags, 14 bis 16 Uhr (kostenlos)

Gruppe Betroffene: montags, 14.30 bis 17.30 Uhr (20 Euro, mögliche Entlastungsleistung)

Helferagentur: bis zu sieben Stunden die Woche (125 Euro, Entlastungsleistung)

Gruppe Angehörige: 2. Montag im Monat, 14.30 bis 16 Uhr (kostenlos).

Anmeldung per E-Mail an gisela.moetzing@dw-region-kassel.de oder Tel.: 0152 / 21 72 58 00

Von Theresa Lippe

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