Vellmarerin vom Ministerpräsidenten ausgezeichnet

Bundespolizistin rettet Menschenleben: „Erfolge sind im Herzen“

Wurde geehrt: Die Bundespolizistin Melanie Töpler aus Vellmar hat einer Frau das Leben gerettet.
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Wurde geehrt: Die Bundespolizistin Melanie Töpler aus Vellmar hat einer Frau das Leben gerettet.

Eine Bundespolizistin aus dem Kreis Kassel rettet einer Frau das Leben. Nun wird sie von Ministerpräsident Bouffier geehrt – und erzählt ihre Geschichte.

Kassel/Vellmar – Melanie Töpler weiß noch genau, wie sie sich am Abend des 17. September vergangenen Jahres gefühlt hat. Als die Kontroll- und Streifenbeamtin bei der Bundespolizei in Kassel am Abend die Tür ihrer Wohnung in Vellmar hinter sich schließt, ist sie in Gedanken immer noch bei der Frau, der sie am Nachmittag das Leben gerettet hat.

Jetzt ist sie für diesen Einsatz – Corona-bedingt mit einem Jahr Verzögerung – durch den Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier geehrt worden. An diesem Abend im September ist sie extrem erleichtert, weil alles noch mal gut gegangen ist, aber sie ist auch aufgewühlt. „Man versucht immer, Abstand zum Beruf zu bekommen, durch die Familie und Hobbys“, sagt Töpler. „Aber an so einem Abend gelingt das nicht.“

Frau wollte sich am Hauptbahnhof Kassel das Leben nehmen

Gegen 15.45 Uhr werden sie und ihr Kollege zum Südflügel am Hauptbahnhof in Kassel gerufen. Auf dem Dach eines Parkdecks sitzt eine 33-jährige Frau, die sich das Leben nehmen will. „Hochklettern macht in so einem Moment keinen Sinn“, sagt Töpler. Die Frau könnte sich dadurch unter Druck gesetzt fühlen. Und so beginnt Töpler von unten aus mit der Frau zu sprechen, während ihr Kollege den Rettungsdienst und die Feuerwehr alarmiert und mit der Leitstelle Kontakt hält.

Erst ein Jahr zuvor war Töpler in einer ähnlichen Situation. Ein Mann stand am Bahnhof Wilhelmshöhe auf der Brücke. Damals fühlt sich die Bundespolizistin extrem unwohl in der Situation. „Man steht da ganz schön unter Druck, vor allem, wenn sich eine Menschentraube bildet und alle erwarten, dass man was tut“, sagt die 48-Jährige.

Nach früherem Suizidversuch: Melanie Töpler möchte besser vorbereitet sein

Zum Glück geht damals alles gut, der Mann springt nicht. Aber Töpler sagt: „Ich habe mich total überfordert gefühlt.“ Sie fragt ihren Dienstgruppenleiter, ob es eine Möglichkeit gäbe, eine Schulung für solche Extremsituationen zu machen. Denn in ihrer Ausbildung, die sie vor 25 Jahren absolvierte, wurde sie auf Suizidversuche nicht vorbereitet. Heute gehört Psychologie mit zur Ausbildung zum gehobenen Dienst.

Einige Monate später besucht sie einen Lehrgang und ist so ganz anders vorbereitet, als sie kurze Zeit später am Kulturbahnhof das Gespräch mit der 33-Jährigen beginnt. „Ich habe mich viel besser gefühlt und gewusst, wie ich in das Gespräch hineingehe, was die ersten Worte sein sollten“, sagt Töpler. Die Frau beginnt tatsächlich zu erzählen, Töpler kann ein Vertrauensverhältnis aufbauen. „Sie hatte einen extremen Leidensdruck“, sagt die Bundespolizistin, die selber Mutter von zwei Töchtern ist. „Ich habe versucht, ihr Rat zu geben, ihr gut zugesprochen.“ Etwa 20 Minuten reden sie, bis die Frau einwilligt, vom Dach zu klettern.

Kassel: Lebensgeschichte der Frau begleitet Bundespolizistin noch immer

Von extremer Anspannung zu extremer Erleichterung durchlebt Töpler die ganze Bandbreite der Gefühle in diesen 20 Minuten. Sie ist zudem fassungslos, als ihr die verzweifelte Frau später ihre Lebensgeschichte erzählt. In einem Park bietet sich die Frau Männern an und erzählt Töpler, dass sie dabei immer hoffe, dass die Männer so brutal seien, dass sie dabei stirbt. Bis heute muss Töpler daran denken, wenn sie mit dem Rad durch diesen Park fährt.

Die Ehrung vom Ministerpräsidenten sei zwar schön, sagt Töpler, „aber der Erfolg der Situation ist die größte Ehre“. Wichtig sei vor allem, dass der Frau geholfen werde. Die Urkunde hängt auch nicht in ihrer Wohnung, „die Erfolge sind im Herzen“, sagt Töpler. (Amira El Ahl)

In Kassel kam es zu einem tragischen Vorfall: Ein Mann drohte in der Fulda zu ertrinken, zwei Mitarbeiter der Stadt retteten den Ertrinkenden. Darüber hinaus brach ein Mann im Heizkraftwerk in Kassel zusammen. Seine Kollegen reagierten geistesgegenwärtig – und retteten ihm das Leben.

Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Es gibt viele Hilfsangebote wie zum Beispiel die Telefonseelsorge unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.

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