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Stadtbäume sind zunehmend im Stress

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Von: Valerie Schaub

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Stadtplaner Uwe Niede auf der Terrasse am Vellmarer Rathaus mit Ausblick auf die vor 40 Jahren gepflanzten Platanen, die sich prächtig entwickelt haben.
Aufgabe der Zukunft: Stadtplaner Uwe Niede ist in Vellmar für die Begrünung zuständig. Auf der Terrasse am Rathaus hat er einen Ausblick auf die vor 40 Jahren gepflanzten Platanen, die sich prächtig entwickelt haben. Ein paar Meter weiter an der Tramlinie geht es ähnlichen Platanen weniger gut. © Valerie Schaub

Sie spenden Schatten, liefern Sauerstoff und speichern CO2. Bäume sind aus Städten nicht mehr wegzudenken. Damit sie ihr Klima-Potenzial entfalten können, müssen Stadtplaner vieles beachten, wie das Beispiel Vellmar zeigt.

Vellmar – Ohne Bäume und ihr schattenspendendes Laub wäre es in Städten während der Sommerhitze kaum auszuhalten. Der Asphalt wäre zu heiß, die Luft schlecht, der Anblick traurig. In Vellmar sind viele Plätze und Straßen bepflanzt. Bäume in die Stadtplanung einzubeziehen, ist nichts Neues. Doch sie stehen zunehmend unter Stress. Nicht alle Bäume in Vellmar wachsen gut.

Rund 8000 Bäume gibt es schätzungsweise im Stadtgebiet. Jedes Jahr sterben eine Handvoll. Stadt- und Landschaftsplaner wie Uwe Niede fürchten, dass es mehr werden.

„Stadtbäume haben es schon immer schwer gehabt“, sagt Niede. Doch ihre Situation verschärfe sich: Städte heizten sich durch den wachsenden Verkehr stärker auf. Mit steigender Last auf den Straßen wird der Untergrund immer stärker verdichtet. Viele Bäume leiden unter dem Blumentopfeffekt: Ihr Wurzelwerk ist eingepfercht. Sie haben es schwer, sich nach unten auszubreiten, um an Wasser zu gelangen. „Bäume brauchen Platz.“

Davon hat man ihnen früher zu wenig zugestanden. Doch es findet ein Umdenken statt: hin zu besseren Bedingungen für Stadtbäume. Die Gelegenheit etwas zu ändern, bietet sich nicht oft, das Wachsen dauert: „Die Arbeit wirkt erst nach gewisser Zeit. Man muss in 100 Jahren denken“, sagt Niede. Schnellschüsse seien falsch.

Die Erkenntnisse aus der vergangenen Planung, von Baumschulen und aus der Forschung will Vellmar künftig und in ein paar Jahren auch im Baugebiet Vellmar-Nord anwenden, wenn als einer der letzten Schritte des Straßenendausbaus Bäume gepflanzt werden.

Klar ist schon jetzt: Der Platz für die Wurzeln, genannt Baumscheibe, soll in Vellmar-Nord doppelt so groß werden: zwölf Kubikmeter sind dafür vorgesehen. Denn: Wer eine große Krone will, muss genauso viel Platz für die Wurzeln einplanen. Damit ihnen unterirdisch keine Leitungen in die Quere kommen, sind Bäume schon in die technische Planung einbezogen worden. Ein zentraler Platz im Viertel soll komplett mit Bäumen überdacht sein. Im Bebauungsplan hat die Stadt auch genaue Angaben zu Bäumen und Sträuchern auf Privatgrundstücken verankert. Schottergärten sind tabu.

Weil nicht einfach mehr Platz zur Verfügung steht, könnte es sein, dass insgesamt weniger Bäume eingeplant werden, erklärt Niede. Dafür rechne man damit, dass sie sich optimal entwickeln.

Nicht überall ist das im Stadtgebiet bisher der Fall. Wenn Bäume nicht fit sind, fallen sie auch leichter Schädlingen zum Opfer. Manche produzieren bei Stress auch mehr Samen und Pollen, um ihre Art zu erhalten, erklärt Bauhofleiter Michael Eichel.

Nur gesunde Bäume können ihr Potenzial entfalten. Und das geht weit übers Schattenspenden hinaus. Bäume beeinflussen das Kleinklima, gleichen die Luftfeuchtigkeit aus, sorgen für Sauerstoff, binden Feinstaub und vermindern extreme Temperaturen. Sie kühlen sogar.

Ein Rezept, wie Stadtplaner für jeden Ort den richtigen Baum finden, gibt es laut Niede nicht. Ein paar Dinge sind sortenunabhängig wichtig:

Für Planung und Pflege rechnet Bürgermeister Manfred Ludewig mit mehr Aufwand und Arbeit. Die werde sich aber lohnen. Und vielleicht sorgt das Ergebnis auch für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung. Denn Beschwerden über herabfallende Blätter und Pollen gebe es immer wieder.

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