Der frühere Radsportler Helmut Schnell feiert heute in Vellmar seinen 90. Geburtstag

Mit dem Rennrad nach Hannover

Helmut

Vellmar. Von seinen Erfolgen als Radsportler könnte Helmut Schnell, der heute seinen 90. Geburtstag feiert, viel erzählen, doch er gibt sich da eher zurückhaltend. Viel wichtiger als über Siege zu berichten, ist dem Vellmarer, dass er überhaupt Sport getrieben hat und dass seine Frau Anneliese, die er 1949 heiratete, immer mit dabei war.

Die Eiserne Hochzeit im Sommer feierten die Schnells noch in ihrer Wohnung in Vellmar, die haben sie aber kürzlich aufgegeben und sich in die Obhut eines Heimes begeben.

Schnell stammt wie seine Frau aus Röhrsdorf bei Chemnitz und kam 1947 nach Kassel, seine Frau ein Jahr später. Nach harten Jahren mit Arbeiten wie Steineklopfen, Jobs, die ihm von Fans vermittelt wurden, fand er 1952 als Konstrukteur bei Henschel Arbeit.

Jede freie Minute widmete Schnell dem Radsport und fand dabei in seiner Ehefrau wichtige Unterstützung. Als der Olympiakader für die Spiele in Helsinki nominiert wurde, war Schnell dabei. Doch ein schwerer Sturz bei einem Rennen in Frankfurt 1951 machte den Traum von Olympischen Spielen ein Jahr später zunichte.

Im April 1949 gewann er ein bundesoffenes Rennen in Gießen und stieg dann weiter bei Vergleichen in ganz Deutschland aufs Rad. Unter anderem siegte Schnell im August 1950 beim „Großen Conti-Straßenpreis“, einem Rennen von Hannover nach Herford und zurück über 246 Kilometer. Und bei den heimischen Rennen wie „Rund um den Berliner Platz“ oder „Rund um die Märchenmühle“, das er 1950 gewann, ging er natürlich an den Start.

Im Training fuhr Schnell auch schon mal bis vor die Tore von Hannover und dann wieder zurück nach Kassel.

Von den technischen Möglichkeiten, die die Profis heute haben, konnten Schnell und seine Mitfahrer damals nur träumen: „Den Ersatzschlauch trug man um die Schultern gewickelt. Bei einem Plattfuß hieß es absteigen, wechseln, aufpumpen, weiterfahren.“

Seit gut zehn Jahren haben Helmut und Anneliese Schnell ihre Rennräder, auf denen sie im Alter viele gemeinsame Touren gemacht haben, weggestellt, „die Gesundheit machte nicht mehr mit“. Doch wenn heute im Fernsehen Radrennen übertragen werden, sitzen beide vor dem Apparat: „Die Tour, der Giro, die Frühjahrsklassiker, das schauen wir uns schon an.“

Sohn Volker, Buchautor, hat Vater Helmut schon einmal in einem Krimi erwähnt. Den neuen, der nächstes Jahr erscheint, hat er dem Vater gewidmet. Und wenn Helmut Schnell von seinen Radrennen berichtet, sind die Erzählungen auf jeden Fall so spannend wie ein Krimi. Foto: Fritschler Mehr alte Fotos von Helmut Schnell gibt es unter: http://regiowiki.hna.de/Historische_Sportfotos#Helmut_Schnells_Fotoalbum

Von Peter Fritschler

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