Vellmarer spricht über harten Lockdown

Trotz Corona Abschied nehmen: Bestatter spricht über Trauer in der Pandemie und an Weihnachten

Mann mit Mantel steht auf einem aspaltierten Weg.
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Auf dem Friedhof Niedervellmar: Heiko Schomberg arbeitet seit rund 20 Jahren als Bestatter.

Corona legt einiges lahm, doch nicht den Lauf des Lebens. Menschen werden geboren und sterben, erleben Freude und Trauer. Wie Letzteres derzeit ist, weiß wohl kaum einer besser als ein Bestatter.

Vellmar - Heiko Schomberg aus Vellmar ist einer von ihnen. Er begleitet seit rund 20 Jahren die Lebenden und die Toten, wie er sagt. Während der Tod von vielen ohnehin schon verdrängt werde, hatte Schomberg diesen Eindruck mehr denn je während des ersten Lockdowns. Vor allem beim Grundsatz, nur fünf Angehörige dürfen bei der Trauerfeier und Beisetzung sein. „Wie soll man das einer Familie vermitteln, die gerade jemanden verloren hat?“

Ein Riesen-Konflikt für Schomberg. Er will eigentlich Nähe und Menschlichkeit vermitteln, um den Abschied leichter zu machen, erklärt er. „Aber wenn nicht alle Abschied nehmen können, wird das schwer.“ Das habe ihn wütend gemacht, wütend auf die Bundespolitiker, die sich offenbar nicht genügend Gedanken um Sterbefälle gemacht hätten. Schlussendlich habe er dafür Lösungen gefunden, die der Pandemie Rechnung trugen, aber auch den Angehörigen.

Entsprechend ist der 55-Jährige nicht glücklich über die ersten politischen Entscheidungen von oben, die in der Krise getroffen wurden. Mittlerweile habe sich das alles gebessert. In Niedervellmar könnten bei einer Bestattung 21 Personen in die Kapelle, in Frommershausen 16 – „das lässt sich vertreten“.

Nun stehen die Feiertage vor der Tür, verbunden mit dem sogenannten harten Lockdown. Wie wird das für die Angehörigen und wie für Schomberg? Klar ist, dass Menschen sterben, egal ob gerade eine Pandemie herrscht, oder ob Feiertage sind, sagt der 55-Jährige. Klar ist aber auch, dass ein Todesfall in der Familie über Weihnachten oder kurz danach oft mit noch größerer Trauer verbunden ist, als ohnehin schon. „Wenn die geliebte Oma an Weihnachten verstirbt, wo sie sonst immer mit am Tisch sitzt, ist das noch schlimmer.“ Gerade, wenn sie zuhause versterbe.

Der harte Lockdown an sich hat laut Schomberg keine Auswirkungen auf Bestattungen und Trauerfeiern. „Es gelten weiter Hygienevorschriften und Beschränkungen, was die Personenzahlen angeht.“ Für die einen sei das sehr schade, weil sie keine größeren Trauerfeiern ausrichten können. „Andere freuen sich darüber, weil sie sowieso nicht alle einladen wollen und so eine Entschuldigung haben.“

Wie sich Corona schlussendlich auf die Trauer an den Feiertagen auswirkt, werde sich zeigen. Einfluss auf die Gesamtsituation habe er ohnehin nicht, sagt Schomberg. Nur darauf, dass und wie die Menschen Abschied nehmen können.

Von Moritz Gorny

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