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Udo Wienecke ist seit 20 Jahren selbstständiger Waldarbeiter

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Von: Tanja Temme

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Zartes Pflänzchen: Nachdem die Setzlinge freigeschnitten sind, werden sie mit Schafsfett benetzt. Kommendes Jahr wird diese Flatterulme erneut freigeschnitten.
Zartes Pflänzchen: Nachdem die Setzlinge freigeschnitten sind, werden sie mit Schafsfett benetzt. Kommendes Jahr wird diese Flatterulme erneut freigeschnitten. © Temme, Tanja

Die Trockenheit, der Borkenkäferbefall und die Stürme haben den Arbeitsalltag von Forstwirt Udo Wienecke verändert. Hier berichtet er.

Vellmar – Da viele Waldgebiete in den vergangenen Jahren aufgeforstet wurden, dreht sich nun vieles um den Erhalt der Setzlinge. Vergangene Woche war der Caldener „Am Kämmchen“ bei Vellmar unterwegs und schnitt junge Pflanzen frei.

Seit 20 Jahren ist der 64-Jährige als selbstständiger Waldarbeiter im Forst tätig. „Ursprünglich hatte ich ein landwirtschaftliches Fuhrunternehmen“, erzählt Wienecke, als die Preise seinerzeit in den Keller gegangen seien, hätte er sich auf die Arbeit im Wald spezialisiert. Das bedeutete damals erst mal Lehrgänge absolvieren, um überhaupt in der Natur aktiv werden zu dürfen.

„Unser Beruf ist sehr schön, sind wir doch immer im Grünen, aber zugleich auch sehr gefährlich“, erklärt er, denn gerade beim Fällen von Bäumen, müsse man stets mit Überraschungen rechnen. Auch wenn der Einschlag noch immer zu seinen Hauptaufgaben zählt, so ist er inzwischen zunehmend mit einer Motorsense in den Wäldern im nördlichen Landkreis unterwegs. „So viele Mähaufträge, wie ich dieses Jahr habe, gab es noch nie und das wird wohl auch erst mal so bleiben.“

Auch die Waldinteressenten aus Obervellmar beauftragten den Fachmann ihre mehr als 3000 gesetzten Flatterulmen, Edelkastanien, Wildkirschen und Weißtannen von sogenannten Begleitgrün zu befreien. „Um die Bäumchen herum brauchen wir keinen Englischen Rasen, aber Brombeeren, Kletten-Labkraut und Gräser müssen weg, sonst schafft es der Setzling nicht“, weiß Wienecke. Diese seien nicht nur Konkurrenten, sondern würden auch im Winter bei Schneebefall das zarte Pflänzchen im Wuchs schädigen. Damit der Schnitt bis zum kommenden Jahr anhält, arbeitet der Unternehmer mit besonderen Klingen. Diese sollen laut des Fachmanns die Oberfläche der abgeschnittenen Pflanzen „ausfransen, damit diese erst mal damit zu kämpfen habe“, schildert er den Vorgang. Ist der junge Baum freigeschnitten, benetzt er die zarten Blätter mit einer weißen Flüssigkeit. „Das ist Schafsfett, was vor Rehverbiss schützen soll, denn die Tiere mögen das nicht.“ Alternativ hätten die Waldbesitzer auch Wuchshüllen um jeden Setzling oder einen Zaun um die Fläche anbringen lassen können, entschieden sich aber für diese Lösung. Wenigstens vier bis fünf Jahre wird der Caldener sich noch um die Bäumchen bei Vellmar kümmern müssen, gilt doch, „erst wenn die Rehe nicht mehr an den obersten Teil der Bäume kommen, können sie alleine groß werden.“

Wienecke ist einer der Wenigen, die über ein Rückepferd verfügen. „Meine Lotte ist dafür ausgebildet.“ Leider wollten die meisten seiner Kunden nicht seine tierische Gehilfin buchen, sondern bevorzugten Maschinen – Entscheidungen, die sich mit den hohen Spritpreisen hoffentlich bald ändern würden, meint er. Wenn er mal nicht mäht oder gewaltige Stämme von A nach B transportiert, ist Baumfällen angesagt: „Früher hat man am Tag 70 Festmeter geschafft, heute nur noch 30“, berichtet er, Grund dafür sei das viele Schadholz, weshalb nur noch von Seilwinden unterstützte Holzernte erlaubt sei, ein wesentlich aufwendigeres Verfahren, wie er sagt.

Pflege muss sein: Auch diese kleine Weißtanne wurde von Udo Wienecke mit Schafsfett benetzt. Dieses soll vor Verbiss schützen.
Pflege muss sein: Auch diese kleine Weißtanne wurde von Udo Wienecke mit Schafsfett benetzt. Dieses soll vor Verbiss schützen. © Tanja Temme

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