Polizei warnt vor Betrugsmasche

Über Lidl-App abgezockt: Vellmarer verliert dreistellige Summe

Ist Opfer eines Diebstahls geworden: Frank Dippoldsmann aus Vellmar wurden 100 Euro gestohlen, vermutlich über eine Lidl-App. Er hat sich das Geld zurückgeholt, möchte aber andere Verbraucher warnen.
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Ist Opfer eines Diebstahls geworden: Frank Dippoldsmann aus Vellmar wurden 100 Euro gestohlen, vermutlich über eine Lidl-App. Er hat sich das Geld zurückgeholt, möchte aber andere Verbraucher warnen.

Ein Mann aus dem Kreis Kassel werden 100 Euro vom Konto abgebucht, angeblich vom Discounter Lidl. Das Problem: Dort hat er seit Jahren nicht mit Karte bezahlt.

Vellmar – Mit dem Slogan „Lidl lohnt sich“ wirbt der Lebensmittel-Discounter Lidl. Frank Dippoldsmann kann dem Motto gerade nicht allzu viel abgewinnen. Im Gegenteil: Der 64-Jährige hat Ärger mit der Kette. Grund dafür ist eine Betrugsmasche, die auch der Polizei bekannt ist.

Als der Beamte im Ruhestand am Sonntag, 20. August, seinen Kontostand prüft, fällt ihm etwas Merkwürdiges auf. 100 Euro sind abgezogen worden – und zwar von Lidl. Er kaufe regelmäßig bei dem Discounter ein, sagt Dippoldsmann. „Aber ich habe seit Jahren nicht mehr mit einer EC-Karte an der Kasse bezahlt, ebenso wenig wie meine Frau“, sagt der Vellmarer. Er bucht das Geld zurück auf sein Konto und begibt sich auf die Suche nach einer möglichen Ursache.

Die Recherche im Internet ergibt, dass es sich offensichtlich um eine Betrugsmasche handelt. Gauner nutzen fremde Kontodaten, die sie dann mit dem Smartphone-Bezahlverfahren Lidl-Pay verknüpfen. Demnach können sie an der Kasse Einkäufe bezahlen. Ohne Hürden, denn eine Pin oder eine Verifikation ist nicht erforderlich. „Es gibt wohl einige solcher Fälle deutschlandweit“, sagt der Mann aus dem Kreis Kassel.

Lidl ist Betrugsmasche bekannt: Mann aus Kassel droht mit Anwalt

Dippoldsmann nimmt Kontakt zu Lidl auf, weist die Mitarbeiter auf das Problem hin. „Am Telefon wurde mir gesagt, dass diese Fälle bekannt sind, man aber nichts machen wolle.“ Stattdessen müsse der 64-Jährige damit rechnen, dass sich ein Inkasso-Unternehmen bei ihm meldet, um die 100 Euro wieder für Lidl einzuholen. „Ich habe mit meinem Anwalt gedroht und gleich Anzeige gegen unbekannt erstattet.“

Die Polizei bestätigt den Fall: „Wir bearbeiten die Anzeige“, sagt Sprecher Dirk Bartoldus. Diese Masche sei keine Ausnahme. „Es häufen sich die Fälle, bei denen mittels Lidl-Pay unberechtigt Einkäufe bezahlt werden“, sagt Bartoldus. Mittlerweile seien Anzeigen im niedrigen zweistelligen Bereich in Bearbeitung beim zuständigen Kommissariat, dass sich beim Polizeipräsidium Nordhessen um Betrugsfälle kümmert.

Problematisch aus Bartoldus’ Sicht ist die Tatsache, dass das Anmelden in der Lidl-App mit den Kontodaten über ein einfaches Lastschriftenverfahren läuft. Schließlich könnten die Täter innerhalb eines festen Verfügungsrahmens – bis zu 200 Euro – Einkäufe bezahlen. Zudem erhöht sich der Rahmen, wenn das Konto mehrfach genutzt wird. Bartoldus rät Verbrauchern zur Vorsicht, wo und wem sie ihre Kontodaten zur Verfügung stellen. „Wichtig ist auch, die Kontobewegungen genau im Auge zu behalten“, sagt der Sprecher.

Lidl-Abzocke: Verbraucherzentrale Hessen sind Betrugsfälle wie aus Kassel bekannt

Auch der Verbraucherzentrale Hessen ist die Masche bekannt. Laut Sprecher Peter Lassek sei den Betroffenen die Lidl-App selbst oft unbekannt. „Es steht zu vermuten, dass die Daten aus früheren Angriffen von Cyber-Kriminellen stammen, die die Information in einschlägigen Foren verkaufen“, sagt Lassek. Die Betrüger könnten auch selbst hinter dem Datendiebstahl stecken und versuchen, aus den gestohlenen Daten Profit zu schlagen.

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Fraglich sei in diesem Fall, ob bei Lidl die Kontodaten verifiziert werden, sagt der Sprecher. Schließlich passten die Bankkonten und die erfundenen Personendaten nicht zusammen. Wie Polizeisprecher Bartoldus rät Lassek, das Konto im Blick zu haben. „Lassen Sie ungerechtfertigte Abbuchungen zurückholen und erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.“ Lidl hat sich auf HNA-Anfrage zu dem Fall bis Redaktionsschluss nicht gemeldet. (Moritz Gorny)

In Kassel wurde eine Frau Opfer eines Trickbetrugs. Die Täter gaben sich dabei als Mitarbeiter des Finanzamts aus.

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