Landkreis Kassel 

Tödlicher Unfall in Vellmar: Viele gaffen, wenige helfen

War einer der Ersthelfer nach dem Unfall auf der Regenbogenkreuzung in Vellmar: Julian Wegener. Er steht hier an der Stelle, an der der Wagen des 76-Jährigen auf dem Dach lag. Wegener kritisiert das Verhalten von einigen Passanten, die trotz Aufforderung nicht in der Lage waren, einen Notruf per Handy abzusetzen. Foto: Sven Kühling

Zuletzt ist es zu einem tödlichen Unfall in Vellmar (Landkreis Kassel) gekommen. Ein Ersthelfer beklagt sich über die vielen Gaffer, die die Arbeit am Unfallort noch erschwert haben. 

  • In Vellmar (Landkreis Kassel) kam es zu einem tödlichen Unfall 
  • Nun äußert sich ein Ersthelfer zu der Situation vor Ort
  • Viele Menschen seien anstatt zu helfen am Unfallort vorbeigegangen 

Vellmar – Die Schilderung von Julian Wegener klingt dramatisch. Er war am Dienstag vergangener Woche als einer der Ersten an der Unfallstelle an der Regenbogenkreuzung in Vellmar angekommen. „Ich kam von einer Baustelle an der Holländischen Straße“, berichtet er. „Dann sah ich, wie sich die B-Klasse vor mir aufs Dach drehte.“ Der Fahrer des Mercedes war zuvor auf der Kreuzung mit mehreren Autos kollidiert. Auf der Holländischen Straße blieb das Fahrzeug auf einem angrenzenden Grünstreifen auf dem Dach liegen. Der 76-jährige Fahrer ist inzwischen an den Unfallfolgen gestorben (HNA berichtete).

Unfall in Vellmar (Landkreis Kassel): Ersthelfer sicherte Unfallstelle ab 

Der 30-jährige Chef einer Kasseler Dachdeckerfirma hielt sofort an, um zu helfen. Zunächst habe er eine Rundumleuchte auf dem Dach seines Baustellenfahrzeuges eingeschaltet, um die Unfallstelle zu sichern. „Dann habe ich gesehen, dass schon jemand am Fahrzeug war, um zu helfen. Gemeinsam mit anderen versuchte Wegener die Türen des Mercedes zu öffnen. Darin lag der 76-Jährige. „Die Füße lagen an der Beifahrertür.“

Zeitgleich zu dem Versuch, den Verletzten aus dem Auto zu ziehen, habe er einen Notruf abgesetzt. Nicht alle Türen ließen sich leicht öffnen. Schließlich sei es gelungen, den offenbar nicht angeschnallten Fahrer aus dem Auto zu ziehen, berichtet Wegener. „Irgendwann war die Fahrertür dann endlich offen.“

Unfall in Vellmar (Landkreis Kassel): Arzt aus Ärztehaus eilte herbei

Lobend erwähnt der Ersthelfer, dass aus dem benachbarten Ärztehaus ein Arzt, die Apothekerin und eine medizinische Helferin herbeieilten. Der Arzt habe sofort mit der Reanimation des Verletzten begonnen, so Wegener weiter. „Dieser war nicht ansprechbar.“ Auch bis zum Eintreffen eines Rettungswagens seien nur wenige Minuten vergangen.

Bei dem Verhalten einiger Passanten setzt dann allerdings die Kritik des 30-Jährigen an. Trotz Aufforderung durch ihn habe anfänglich keiner der Umstehenden einen vernünftigen Notruf absetzen können, berichtet Julian Wegener. „Keiner wusste offenbar, dass man die 112 wählt“, sagt er. „Ich habe die Leute direkt angesprochen zu helfen.“ Aus benachbarten Häusern seien immer mehr Menschen gekommen, um zu gucken, berichtet Wegener, der in Zierenberg lebt. Dann hätten Feuerwehrleute schließlich aus Decken einen Sichtschutz aufgespannt.

Dem 30-Jährigen ist wichtig, dass sich Verkehrsteilnehmer, die zu einem Unfall kommen, helfend beteiligen. „Das Wichtigste ist doch, dass die Rettung alarmiert ist“, betont er. Man müsse zumindest hingehen und einen Notruf absetzen. 

Von Sven Kühling 

Unfall in Vellmar (Landkreis Kassel): Erstmeldung 

Bei einem schweren Unfall im Kreis Kassel ist ein Mann gestorben. Hatte die Ampelschaltung einen Einfluss auf den Unfall?

Vellmar (Landkreis Kassel) ist immer wieder Unfallort  

Weil sein Tieflader mit einem aufgeladenen Bagger höher als die erlaubten vier Meter war, hat der Fahrer eines Sattelzugs bei einem Unfall in Vellmar (Kreis Kassel) gleich vier Brücken beschädigt. Außerdem werden mehrere Autos von herabfallenden Betonbrocken beschädigt. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.