Kabarettistin Liza Kos im Vellmarer Piazza zu Gast

Drei Personen in der Seele

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Blick in die russische Seele: Kabarettistin Liza Kos trat im Piazza in Vellmar auf. 

Amüsant, sympathisch, ironisch und sehr musikalisch. Die Rede ist von Liza Kos. Sie war in Vellmar. 

Wie die 38-jährige Kabarettistin, Sängerin und Liedermacherin in ihrem Programm „Was glaube ich, wer ich bin?“ Klischees und Realität einer Russin, die sich in Deutschland „integrieren“ will, auf die Schippe nimmt, ist beste Unterhaltung mit realen Bezügen. Beständig pendelt sie dabei zwischen Bühnenfigur, Privatperson und Musikerin.

Am Samstag präsentierte sich Liza Kos vor 60 Besuchern im Piazza in Vellmar. Geboren, aufgewachsen und als Musikerin ausgebildet in Moskau, zieht sie mit 15 Jahren mit ihren Eltern „aufs Land, also nach Deutschland“. Der Vater ist Komponist, die Mutter Lehrerin und „so positiv, dass sie glaubte, mein Vater sei auch positiv.“ Zunächst aber gibt sie eine knappe halbe Stunde lang die chronisch Schlechtgelaunte: „Ich bin in Deutschland gut intrigiert, kann auch ohne Akzent sprechen – will ich aber nicht, und wenn sie ein Lächeln und meine Grübchen sehen wollen, müssen sie mich schon darum bitten.“ Dann greift sie zur Gitarre, witzelt „Russe spielt mit Balalaika nicht mit Kalaschnikow und singt „ein Stimmungslied“. Nach kleinen Rückblicken auf ihre Kindheit –„ich war sehr gläubig, was das Uncoolste ist, was ein Kind in Russland sein kann“ – zeichnet sie ihren Weg zur Integration nach: „Ich habe deutsche Mann geheiratet, den Achmed – schon nach vier Jahren konnte ich das Kopftuch ablegen.“

 „Der nächste Mann war Rainer, also ein reiner Deutscher“, flachst sie und hat damit die Überleitung zu ihrem größten Problem: „In meiner Seele wohnen jetzt drei Persönlichkeiten: eine Russin, eine Türkin, eine Deutsche.“ Schräg kostümiert inklusive Perücke, verwandelt sie sich erst in eine Klischee-Türkin, dann in eine schräge Klischee-Russin, die „Wodka und starke russische Männer schätzt“. Die Besucher haben ihren Spaß. Im letzten Drittel ihres Programms setzt sie auf persönliche Töne, erzählt von ihrem Leben, der „russischen Seele, die nur aus Moll besteht“ und animiert die Besucher immer wieder erfolgreich zum Mitsingen. Lang anhaltender Schlussapplaus, eine Zugabe.

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