Kampf gegen Herztod geht weiter

Vellmar tauscht Defibrillatoren aus – Stadt schult über 1000 Bürger

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Gewappnet für die schnelle Hilfe beim plötzlichen Herztod: Rettungsassistent Timo Hausotter (links) und Christoph Hillus von der gleichnamigen Firma erklärten Rathausmitarbeiter Benjamin Schellberg, wie die Herzdruckmassage nach dem Anlegen der Elektroden auf dem Brustkorb der Übungspuppe ausgeführt werden muss.

Der Kampf gegen den plötzlichen Herztod in der Stadt Vellmar soll verstärkt weitergehen. Die alten Defibrillatoren werden gegen modernisierte, kompaktere Modelle ausgetauscht. Über 1000 Menschen sind bereits im Umgang mit dem Gerät geschult worden.

Ein Badegast taucht im Hallenbad Vellmar unter und kommt nicht mehr an die Wasseroberfläche. Herzstillstand. Der Schwimmmeister zieht den Badegast aus dem Wasser, reißt den mobilen, automatisierten, sprachgesteuerten Defibrillator (AED) aus seiner Halterung, legt die Elektroden an, löst einen elektrischen Schock aus. Das Herz des Badegastes kommt wieder in Gang: Dies ist der bisher Letzte von drei Fällen, in dem mithilfe der an vielen Orten in der Stadt aufgehängten sprachgesteuerten AED-Geräte ein Menschenleben gerettet werden konnte.

Nun soll der Kampf gegen den plötzlichen Herztod in der Stadt verstärkt weitergehen: Vellmar hat mit den bisherigen Kooperationspartnern, der Krefelder Firma Hillus Engineering, dem Vellmarer Arzt Dr. Samir Ragab und Timo Hausotter, dem betreuenden Rettungsassistenten des Projekts „herzsicheres Vellmar“ eine weitere Zusammenarbeit für acht Jahre beschlossen: Die Firma wird die alten AED-Geräte, die 2011 während der ersten Kampagne gegen den plötzlichen Herztod installiert wurden und deren Garantie nun abgelaufen ist, gegen modernisierte, kompaktere Modelle austauschen. Fünf neue AED-Geräte kommen hinzu.

Die neuen Standorte würden noch festgelegt, sagt Wolfhard Eidenmüller vom Vellmarer Ordnungsamt. Zwei Geräte sollen in Notrufsäulen integriert werden, die im Ahnepark aufgestellt werden. Wie die meisten anderen Geräte lösen diese bei ihrer Aktivierung einen automatischen Alarm bei der Rettungsleitstelle in Kassel aus.

Hillus, Eidenmüller und Hausotter ziehen eine durchweg positive Bilanz des 2009 in Vellmar gestarteten Projekts, dass es jedem Laien ermöglicht, mithilfe des AED-Geräts in den entscheidenden, lebensrettenden ersten Minuten nach einem Herzstillstand einzugreifen.

Über 1000 Menschen, insbesondere aus Vereinen, seien im Umgang mit dem Gerät geschult worden, sagt Hausotter. Auch die Nachfrage nach einer Auffrischung von Erste-Hilfe-Kursen sei dadurch belebt worden. Mehr als 10 000 Info-Broschüren habe seine Firma an Vellmarer Haushalte verschickt, berichtet Christoph Hillus. „Nur wenn die Leute verstehen, warum ein sofortiges Eingreifen nötig ist, sind sie bereit zu helfen“, sagt er. Auch Geschäftsleute und die Kirche haben unter dem Eindruck der Kampagne mitgezogen. Die neue Schulungsetappe ist gerade mit einem AED-Training für Rathausmitarbeiter gestartet worden.

Der neue Service-Vertrag kostet die Stadt übrigens weniger. Da die Stadt die alten Geräte gegen Entgelt an die Herstellerfirma zurückgeben kann, laufen laut Eidenmüller pro Monat nur noch etwa 960 Euro an Kosten für die Geräte auf. Auch für ein einziges Menschenleben nicht zu viel.

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