Martinshorn ist zu laut

Vellmarer klagen weiter über Beschallung durch die Feuerwehr

Throsten Vogler vor einem Feuerwehrauto der Feuerwehr Vellmar
+
Will die Leute aufklären, warum die Feuerwehr beim Einsatz Blaulicht und Martinshorn gleichzeitig nutzt: Thorsten Vogler von der Feuerwehr Vellmar.

Immer wieder wurde die Feuerwehr Vellmar für den Einsatz ihrer Warnsignale von Anwohnern angefeindet. Der stellvertretende Stadtbrandinspektor wirbt weiter für Verständnis. Denn bei Einsätzen sind die Feuerwehrleute gesetzlich verpflichtet, Martinshorn und Blaulicht einzuschalten.

Vellmar – Es ist 1 Uhr in der Nacht, als die Sirenen aufheulen. Tatütata dröhnt es durch die Straßen der Stadt, in denen ein grelles Blaulicht die Dunkelheit vertreibt. Die Feuerwehr Vellmar ist wieder unterwegs. Bekämpft Brände, rettet Leben – doch der nächtliche Einsatz kommt nicht bei jedem gut an. Vielen Anwohnern ist das Martinshorn zu laut, das Blaulicht zu hell. Sie fühlen sich in ihrer Nachtruhe gestört, beschweren sich zum Teil unsachlich in den sozialen Netzwerken oder per E-Mail bei den Rettungskräften.

Anfang August hat Thorsten Vogler, stellvertretender Stadtbrandinspektor bei der Feuerwehr Vellmar, genug. Er wendet sich an die Öffentlichkeit. Die HNA berichtet zuerst, später folgen weitere Medien. Vogler will aufklären, warum die Warnsignale auch nachts zum Einsatz kommen. Wie hat sich die Situation seither verändert? Fühlen sich die Anwohner vom lauten Tatütata noch immer gestört?

Vogler erklärt: „Dieses Thema betrifft Feuerwehren in ganz Deutschland. In den letzten zwei Monaten haben wir keine Beschwerden mehr erhalten. Niemand hat uns beleidigt oder mit Anzeige gedroht.“

Also ist in Vellmar wieder alles gut? Mitnichten. Eine Anwohnerin, die anonym bleiben möchte, sagt: „Es ist nicht mehr normal, was dort abgeht. Ständig Blaulicht, dauernd Martinshorn – auch dann, wenn kein Einsatz ist.“ Hat sie sich bei der Feuerwehr beschwert? „Nein, das möchte ich nicht, das bringt doch nichts. Ich möchte auch kein Theater. Die Feuerwehr macht einen wichtigen Job“, sagt sie. Vogler nimmt die Kritik ernst, versucht sich in die Leute hineinzuversetzen und sie zu informieren. Bei einem dringenden, eilbedürftigen Einsatz seien die Feuerwehrleute gesetzlich verpflichtet, Martinshorn und Blaulicht einzuschalten, um das Sonder- und Wegerecht zu nutzen. Findet kein Einsatz statt, sind Lehrgänge auf dem Gelände der Feuerwache der Grund für die Warnsignale.

„Unser Ziel ist es, die Leute mitzunehmen. Sich nicht über die Beschwerden beschweren, sondern erklären. Es wäre schön, wenn sich die Kritiker öffentlich äußern und nicht anonym bleiben, denn dann können wir viel besser aufeinander zugehen. Wir wollen niemanden an den Pranger stellen, wir wollen aufklären“, sagt Vogler. Und Gordon Dumeier, hauptamtlicher Feuerwehrgerätewart in Vellmar, appelliert: „Diejenigen, die sich gestört fühlen, sollen vorbeikommen. Wir zeigen und erklären unsere Arbeit gern. Letztlich sind uns diese Leute bei einem Einsatz selbstverständlich genauso wichtig wie diejenigen, die uns nicht kritisieren.“

Auch Edith und Hans Holzhauer werden von dem nächtlichen Tatütata oft aus dem Schlaf gerissen. Das Ehepaar wohnt unweit der Feuerwache. „Natürlich stört das. Es gab eine Zeit, da war das schon sehr massiv. Mittlerweile ist es besser geworden. Man fragt sich, ob Martinshorn und Blaulicht wirklich immer gleichzeitig genutzt werden müssen“, sagen sie.

Beschwert hat sich das Ehepaar nicht, stattdessen informiert und die Situation akzeptiert. „Wir sehen es seither völlig ein und verstehen nun, warum die Feuerwehr die Signale zusammen nutzen muss.“

Von anonymen Anfeindungen gegen die Rettungskräfte hält Hans Holzhauer nichts: „Wenn ich mich darüber aufrege und beschwere, dann muss ich auch den Hintern in der Hose haben und dazu stehen. Und unsachliche Äußerungen lehne ich sowieso zu 100 Prozent ab.“

Feuerwehrmann Vogler kann nachvollziehen, dass sich die Leute durch die Warnsignale gestört fühlen: „Klar ist das laut. Wenn der Rettungswagen nachts durch die Straßen fährt, werden wir auch wach. Wir sind auch nur Bewohner der Stadt. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir in den Dialog treten.“

Allerdings: Auch wenn Vogler für sachliche Kritik Verständnis zeigt, eines steht für ihn über allem: „Es wird immer Personen geben, die unsere Hilfe benötigen. Und dann werden wir auch immer Blaulicht und Martinshorn nutzen, um so schnell wie möglich zum Einsatzort zu gelangen.“ (Von Pascal Spindler)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.