Absatzmenge unterschritten

Vellmarer trinken zu wenig Bier: Stadt muss 42.000 Euro an Radeberger-Gruppe zahlen

Unser Symbolbild zeigt ein Humpen Bier unter einem Zapfhahn.
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Das Bier fließt schon lange nicht mehr in Strömen: Die Stadt Vellmar befindet sich wegen zu geringer Absatzmengen in einem Rechtsstreit mit der Radeberger-Gruppe.

Vellmar befindet sich wegen geringer Bier-Absatzmengen in einem Rechtsstreit mit der Radeberger-Gruppe. Die Gesamtforderung könnte bis zu 260.000 Euro betragen.

Vellmar – Die 70er- und 80er-Jahre waren in vielerlei Hinsicht goldene Zeiten – auch für die Brauereien. Damals wurden mit dem Bau von Bürger- und Dorfgemeinschaftshäusern oft auch Verträge mit Bierproduzenten geschlossen. Im Gegenzug statteten die Brauereien die kommunalen Gebäude mit Theken und Zapfanlagen aus, durch die das Bier in Strömen floss. Dass sich die Zeiten geändert haben, hat sich nun am Beispiel der Stadt Vellmar nur allzu deutlich gezeigt. Die Kommune befindet sich in einem Rechtsstreit mit der Radeberger-Gruppe. Vor Gericht wurde nun ein erster Vergleich erzielt.

Konkret geht es um Altverträge mit festgelegten Absatzmengen für Bierlieferungen an die Ratsschänke, die Bürgerhäuser Vellmar-West und Obervellmar, die Mehrzweckhalle Frommershausen und die Gaststätte Hallenbad. Für die städtischen Einrichtungen waren in der Vergangenheit verschiedene Gastronomie-Partnerschaftsverträge mit unterschiedlichen Laufzeiten und Abnahmemengen abgeschlossen worden. Für diese Verträge macht die Radeberger-Gruppe nun fehlende Restabnahmemengen von 4365,33 Hektolitern geltend. Umgerechnet sind das rund 8730 Fässer (50 Liter) oder 43.653 Kisten Bier (20 Flaschen à 0,5 Liter), die nicht ausgeschenkt wurden.

Zu wenig Bier getrunken: Rechtsstreit mit Radeberger-Gruppe

Im Dezember 2019 hatte die Brauerei für das seit fast zehn Jahren geschlossene Bürgerhaus Obervellmar Schadenersatz gefordert. Dort sollen 1212,80 Hektoliter Bier zu wenig durch die Zapfanlage geflossen sein. Der Vertrag konnte aber seinerzeit nicht aufgehoben werden, weil laut Vereinbarung nur gekündigt werden darf, wenn ein wichtiger Grund vorliegt, erklärt Kämmerer Karsten Milzarek-Staub auf Anfrage. Weil die Radeberger-Gruppe aber nicht für die Schließung des schadstoffbelasteten Gebäudes verantwortlich sei, greife die Kündigungsklausel nicht. Auf Grundlage eines pauschalierten Schadenersatzes ergab sich deshalb eine Forderung von 60.640 Euro. Da diese von der Stadt aber nicht beglichen wurde, traf man sich schließlich im Januar vor Gericht. Dort einigte man sich auf einen Vergleich über 42.000 Euro. Diesem müssen die Stadtverordneten am kommenden Montag in der letzten Sitzung der aktuellen Legislaturperiode zustimmen.

Über diesen Vergleich wurde bereits am Dienstagabend in der Haupt- und Finanzausschusssitzung (HFA) diskutiert. Bürgermeister Manfred Ludewig erklärte auf Anfrage, dass er bereits zu Beginn seiner ersten Amtszeit im Dezember 2014 versucht habe, diese Altverträge aufzukündigen – ohne Erfolg. Bis heute gebe es keine Einigung mit der Radeberger-Gruppe. Weil es sich um ein schwebendes Verfahren handele, dürfe die Verwaltung zum jetzigen Zeitpunkt keine Fragen zu Vertragsdetails beantworten, um die Verhandlungen nicht zu gefährden.

Vellmar: Abnahmeverträge für Bier wurden in 70er- und 80er-Jahren abgeschlossen

Die Abnahmeverträge seien von Alt-Bürgermeister Helmut Wagner in den 70er- und 80er-Jahren mit der Binding-Brauerei geschlossen worden und von der Radeberger-Gruppe später übernommen worden. „Damals gab es diese Absatzmengen noch, aber das Trinkverhalten hat sich verändert“, erklärt Milzarek-Staub. Offen bleibt, wie viel Schadenersatz die Stadt noch zahlen muss und wann die Verträge tatsächlich aufgekündigt werden können. Das habe man zuletzt im Mai 2020 versucht. Zieht man den pauschalierten Schadenersatz aus dem Vergleich heran, dann könnte eine Gesamtforderung von bis zu 260.000 Euro auf die Stadt zukommen. Denkbar sei auch, dass die Radeberger-Gruppe das Inventar zurückfordert. Dadurch würden weitere Kosten entstehen.

Sicher ist nur, dass Vellmar das nicht getrunkene Bier bezahlen muss. Nach der Corona-Pandemie könnte sie davon ein Freibiertrinken auf dem Festplatz organisieren. (Alia Shuhaiber)

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