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Vellmarer Unternehmen entwickelt und vertreibt Gaming-Stühle

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Von: Barbara Will

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Es darf auch bunt sein: Oft prangen die Logos von eSport-Teams oder andere Embleme auf den Stühlen. Hier bringt Christopher Beuth sie auf den Bezug.
Es darf auch bunt sein: Oft prangen die Logos von eSport-Teams oder andere Embleme auf den Stühlen. Hier bringt Christopher Beuth sie auf den Bezug. © Dieter Schachtschneider

Die Vellmarer Firma Maxnomic entwickelt spezielle Stühle für Comupterspieler. Damit hat das Unternehmen eine Nische gefunden.

Vellmar – Marco Wörenkämper fährt gern Autorennen – nicht auf dem Asphalt, sondern am heimischen Computer, mit Steuer und Pedal. Der einfache Bürostuhl erwies sich dabei allerdings eher als Spaßbremse. Der Racing-Fan, Geschäftsführer und Alleingesellschafter der Vellmarer Maxnomic GmbH sah sich nach Besserem um.

Hatte er auf seiner 2011 eingerichteten Online-Plattform Needforseat.de zuvor Gamingstühle anderer Hersteller vertrieben, entwickelte er einen eigenen zusammen mit Gamern, also Computerspielern, die ihn ausprobierten. Seit 2014 können diese sich auf den Polstern von Wörenkämpers Marke Maxnomic für lange Spiele-Tage und -nächte zurechtrücken. In den beiden Hallen im nordhessischen Vellmar lagern inzwischen nur noch Kisten mit selbst entworfenen Produkten.

Vier Größen, alle höhenverstellbar, hat das Unternehmen im Programm. Die hohe Rückenlehne reicht bis an die Schultern, die Armlehnen lassen sich mehrfach verschieben, der Stahlrahmen und die Polsterung sind robust. Vor allem bei Wettbewerben müssen die Stühle einiges aushalten.

Wörenkämper lässt in Asien fertigen: „Das ist auch eine Kostenfrage“ sagt er. Die gute Qualität, auf die er Wert lege, sei in Deutschland nur zu einem höheren Preis zu produzieren. Die günstigsten Maxnomic-Stühle bietet sein Online-Shop für etwas mehr als 300 Euro an. Erschwinglich sollen sie sein für die Zielgruppe der 15- bis 35-Jährigen, die das Gros der Käufer ausmacht. Wer sich die Edel-Ausführung gönnt, legt bis zu 200 Euro drauf.

Inzwischen wissen auch Büros die bequemen Sessel zu schätzen, deren Lehne sogar eine halb liegende Position ermöglicht. Etwa 20 bis 30 Prozent des Umsatzes macht das Unternehmen mit Firmenkunden. Die Abnehmer sitzen in ganz Europa und in Übersee. Neben dem Stammsitz mit Show-Room und 15 Beschäftigten unterhält Maxnomic eine Filiale in Frankreich und einen Vertrieb in den USA. Maxnomic sei der älteste reine Gaming- und eSport-Stuhlvertrieb in Deutschland, sagt Wörenkämper.

Der eSport, bei dem Teams mit Computerspielen gegeneinander antreten, ist ein wachsendes Geschäft. Die Events locken Tausende Fans in die Arenen, Hunderttausende schauen im Livestream zu. Teams werden professionell trainiert. Beim bislang höchstdotierten eSport-Turnier, der Dota-2-WM „The International“ 2021 im rumänischen Bukarest waren insgesamt 40 Millionen Dollar Preisgeld zu verteilen. Die spannenste Partie vefolgten gut eine Million Fans. Dota ist ein ausgeklügeltes Echtzeit-Strategiespiel des Entwicklers Valve, in dem zwei Gruppen mit dem Ziel gegeneinander antreten, die Basis des Gegners zu zerstören.

Platz in der Marktnische: Das Ehepaar Marco und Anna Wörenkämper.
Platz in der Marktnische: Das Ehepaar Marco und Anna Wörenkämper. © Schachtschneider, Dieter

Den Vellmarern bieten solche Wettkämpfe eine Marketing-Arena der Spitzenklasse. Sie statten auch Teams aus, deren Sessel – mit Wunschdesign und Maxnomic-Schriftzug – dann weltweit zu sehen sind. Der Veranstalter lässt sich diese Produktpräsentationen bezahlen. Maxnomic war vertraglich mit dem weltweit größten eSports-Organisator, der Electronic Sports League (ESL) verbunden, bis Corona ausbrach.

Auch bei der Dota-Weltmeisterschaft war Maxnomic bis 2018 dabei. Daneben ist das Unternehmen auf der Gamescom in Köln präsent, der Leitmesse für Computer- und Videospiele und pflegt seine Präsenz in den sozialen Medien. Im Studio am Firmensitz entstehen Fotos und Videos, bei denen schon mal der längs halbierte Stuhl der Konkurrenz ein dürftigeres Innenleben offenlegt als das ebenso sezierte Eigenprodukt.

Über Umsatz und Verkaufzahlen schweigt Wörenkämper. „Im Augenblick könnte es besser sein“, sagt er. Der Ausfall von Messen und Großveranstaltungen während der Pandemie hat Spuren im Geschäft hinterlassen, Nach den im Bundesanzeiger veröffentlichten Zahlen erwirtschaftete die Maxnomic GmbH 2020 einen Überschuss von knapp 100 000 Euro. Nun ziehe das Geschäft wieder an, sagt Wörenkämper. Sein Glück: Er bekam noch eine große Stuhllieferung aus China, bevor der Lockdown den Hafen von Shanghai lahmlegte.

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