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Verena Bentele sprach mit viel Witz in Vellmar über soziale Themen

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Von: Valerie Schaub

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Mit viel Spaß an harten Themen: VdK-Präsidentin Verena Bentele signierte gemeinsam mit Co-Autor Philipp Stielow ihr Buch „Wir denken neu“ im Bürgerhaus Vellmar-West.
Mit viel Spaß an harten Themen: VdK-Präsidentin Verena Bentele signierte gemeinsam mit Co-Autor Philipp Stielow ihr Buch „Wir denken neu“ im Bürgerhaus Vellmar-West. © Valerie SchauB

Obwohl sie nach Vellmar gekommen war, um als VdK-Präsidentin über soziale Gerechtigkeit zu sprechen, bestritt die mehrfache Paralympics-Siegerin Verena Bentele den Abend doch auch als Biathletin: Mit ihrem Co-Autor als Begleitläufer fegte sie durch den abgesteckten Parcours und schoss mit Witzen – so schnell, dass das Publikum fast Mühe hatte, keinen zu verpassen.

Vellmar – Bevor sie über Sozialpolitik und ihr Buch „Wir denken neu“ sprach, nahm Verena Bentele ihre knapp 200 Zuhörer vom Bürgerhaus Vellmar-West mit in ihre Kindheit an den Bodensee und erzählte, wie sie, von Geburt an blind, für Ponyreiten ihr ganzes Geld ausgab. Wie sie sich als Jüngste in den politischen Familiendiskussionen durchzusetzen lernte und wie ihr ebenfalls blinder Bruder sie einmal aus dem Fenster warf. „Der Versuch, mich loszuwerden, ist gescheitert“, witzelte sie und erklärte, dass ihnen beiden langweilig war.

Sie beschrieb ihren Weg zum Spitzensport, etwa wie sie noch als Schülerin auf Wettkämpfe ging. Und wie sie schlucken musste, als sie den Preis ihres ersten Blindensystems für die Schule hörte und zum Glück die Krankenkasse die 10 000 DM übernahm. „Für mich war das ein Erweckungserlebnis.“ Es zeige, wie wichtig ein Sozialstaat sei, damit Erfolg nicht von den familiären Verhältnissen abhänge.

Verena Bentele erzählte auch von blauen Flecken, ihrer gescheiterten Olympiabewerbung und von SMS, die sie von Abgeordneten bekommt, wenn ihr Verband mal wieder eine kritische Pressemitteilung veröffentlicht. Auch ihren Schnellstart von der Münchner Kommunalpolitik nach Berlin schnitt sie an, wo sie als erste Frau mit Behinderung die Bundesregierung beriet.

Im Mini-Interview mit ihrem Co-Autor, Philipp Stielow vom VdK Hessen-Thüringen sprach sie über Pflege und das in ihrem Buch beschriebene Schicksal ihrer Freundin Anne, die Teile ihres Jahresurlaubs verwendet, um der ausgebrannten Mutter bei der Pflege des Vaters zu helfen, weil sie sich keinen Heimplatz leisten kann. „Wir müssen die Menschen unterstützen, damit sie nicht irgendwann sagen, ich kann nicht mehr,“ sagte Bentele und forderte neben einem Rechtsanspruch auf Tagespflege auch einen Lohn für pflegende Angehörige, wie es ihn im österreichischen Burgenland gibt. Immerhin würden 80 Prozent der Pflegebedürftigen zuhause versorgt, und fehlendes Pflegepersonal könne man nicht backen.

Auch trockenen Themen wie der Aktienrente verpasste Bentele mit ihrem sportlichen Ehrgeiz den nötigen Schwung. Co-Autor Philipp Stielow fasste am Ende die Erfolge des VdK zusammen, und Bentele ließ das augenzwinkernd als guten Schluss eines Abends mit „dramatischen Themen“ durchgehen. Sie versicherte, an sozialpolitischen Themen dranzubleiben, zu schieben, zupfen und an Schräubchen zu drehen, bis das Ergebnis sitzt. Wie im Leistungssport eben auch.

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