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Von Eierschalen und Weidenzweigen: Osterbräuche in der Ukraine

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Von: Valerie Schaub

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Rote Bäckchen: In der Ukraine ist es Brauch, dass Mädchen sich mit gefärbten Eiern die Wangen waschen. So wie Ewa Ilchenko in ihrer Küche in Kiew.
Rote Bäckchen: In der Ukraine ist es Brauch, dass Mädchen sich mit gefärbten Eiern die Wangen waschen. So wie Ewa Ilchenko in ihrer Küche in Kiew. © Anna Ilchenko

Osterhasen, Osternester, Ostereier – jedes Land hat eigene Bräuche für das Fest. Aber wer kennt schon ukrainische Osterbräuche? Anna Ilchenko erzählt, wie sie in ihrer Heimat Kiew Ostern feiert.

Vellmar – Unbeschwert wird Anna Ilchenko Ostern in diesem Jahr nicht feiern können. Mit ihrer siebenjährigen Tochter Ewa ist sie aus Kiew geflüchtet und Anfang März in Vellmar angekommen. „Das Wichtigste ist, das Fest in mir zu haben“, sagt die 28-Jährige und zeigt auf ihr Herz. Dabei gibt es in ihrer Heimat viele Bräuche, berichtet sie.

1. Weidenwoche

Eine Woche vor Ostern gehen gläubige Ukrainer mit Weidenzweigen in die Kirche. Dort werden sie vom ukrainisch-orthodoxen Priester geweiht. Danach tippt man anderen drei Mal damit auf die Schulter und sagt: „In einer Woche ist Ostern“. Das bringt Gesundheit für ein Jahr.

Der Zweig wird danach in die Wohnung an einen Altar mit Schutzpatronen gestellt. Den gibt es in vielen ukrainischen Haushalten, sagt Nadezda Fichtner vom Ausländerbeirat Vellmar, die das Gespräch übersetzt.

2. Reiner Donnerstag:

Was in Deutschland der Gründonnerstag ist, nennt sich in der Ukraine reiner oder sauberer Donnerstag, erklärt Anna Ilchenko. Der große Jahresputz steht an: Es wird aufgeräumt, geputzt, innen wie außen. „Zu Ostern soll Ordnung sein“, erklärt Ilchenko die Idee. Das gilt auch für den Körper: Einige stehen sogar vor Sonnenaufgang auf, duschen oder baden sich.

3. Karfreitag:

Ähnlich wie hier ist am Karfreitag Zurückhaltung angesagt, keine Musik oder Tanz, sondern nur Gottesdienst.

Ostereier: Auch in Kiew werden sie zum Teil noch mit Zwiebelschalen gefärbt und mit Kräutern verziert.
Ostereier: Auch in Kiew werden sie zum Teil noch mit Zwiebelschalen gefärbt und mit Kräutern verziert. © Anna Ilchenko

4. Eier färben:

Auch in der Ukraine werden Eier gefärbt und bemalt. Früher sind sie sogar mit Ornamenten verziert worden, von denen jede Region eigene hatte. Laut Anna Ilchenko ist das in Vergessenheit geraten. Eines der ältesten Rezepte ist – wie in Deutschland – das Eierfärben mit Zwiebelschalen und Kräutermotiven. Dafür werden Kräuterblätter mithilfe von zerschnittenen Feinstrumpfhosen auf rohen Eiern fixiert. Die Eier kocht man in Wasser mit Zwiebelschalen. Zum Schluss löst man die Strumpfhose und das Kraut ab, fertig.

Paska: Das Osterbrot aus Hefeteig gehört in den Osterkorb.
Paska: Das Osterbrot aus Hefeteig gehört in den Osterkorb. © Anna Ilchenko

5. Osterbrot Paska:

In ukrainischen Osterkörben darf Paska nicht fehlen. Es ist ein Osterbrot aus süßem Hefeteig, das am Ostersamstag gebacken wird. Dazu gibt es Quarkkuchen. Abends werden Eier, Brot, Kuchen und meist auch Fleisch in einen Korb gepackt.

Erinnerung an Tage in der Heimat: Anna Ilchenko mit ihrer Tochter und dem Osterkorb auf dem Weg zum Gottesdienst in der Ukraine.
Erinnerung an Tage in der Heimat: Anna Ilchenko mit ihrer Tochter und dem Osterkorb auf dem Weg zum Gottesdienst in der Ukraine. © Anna Ilchenko

6. Ostergottesdienst:

Gläubige gehen in der Osternacht gegen 3 Uhr in die Messe – mit den gepackten Osterkörben. Nach dem Gottesdienst geht es nach draußen. Im Stehen und mit den Körben vor den Füßen werden diese bei Sonnenaufgang vom Priester geweiht. Wer nicht in der Kirche war, kommt oft zum Segen nach, sagt Anna Ilchenko.

Nach dem Segen gehen Kinder von Korb zu Korb und sammeln Eier und Paska. Sie sind für Obdachlose bestimmt und werden über die Kirche weitergegeben. Osternester suchen kennen Anna und Ewa Ilchenko aus der Ukraine nicht.

7. Rote Wangen:

Nach dem Gottesdienst ist es Brauch, dass sich Mädchen und Frauen mit den gefärbten Eiern „waschen“, sie also an die Wangen reiben, um rote Bäckchen zu bekommen. Das soll Glück bringen.

Übrigens wirft man weder den getrockneten Weidezweig noch die gesegneten Eierschalen in den Müll. Wer kann, wirft sie in einen Fluss und lässt sie von der Strömung mitnehmen.

8. Begrüßung nach Ostern:

Noch ungefähr eine Woche nach Ostern begrüßen sich Ukrainer mit dem Spruch „Christ ist auferstanden“. Die richtige Antwort lautet: „Er ist wahrhaftig auferstanden“.

Ostern in der Ukraine erst am 24. April

Für das Osterwochenende richten sich orthodoxe Kirchen nach dem julianischen, nicht wie wir nach dem gregorianischen Kalender. Demnach fällt der Ostersonntag in der Ukraine auf den 24. April, also eine Woche später. Am kommenden Sonntag wäre für orthodoxe Ukrainer der Weidensonntag, der dem hier bekannten Palmsonntag entspricht. 

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