Langes Warten auf den Lappen

Quarantäne und Personalmangel sorgen für Stau bei Fahrprüfungen

Fahrschüler Justin Glantz mit Fahrlehrer Andreas Stiller vor dem Fahrschulauto.
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Viele Fahrschüler müssen derzeit auf ihre Prüfung warten. Das ist auch in der Fahrschule von Andreas Stiller in Vellmar so. Fahrschüler Justin Glantz hat noch etwas Zeit bis zur Prüfungsanmeldung.

Weil Fahrschulen und der Tüv mit Quarantänezeiten und Personalmangel zu kämpfen haben, müssen Fahrschüler derzeit länger auf ihren Führerschein warten. Denn bei den Terminen für die praktischen Fahrprüfungen staut es sich. Dafür gibt es noch andere Gründe.

Kreis Kassel/Kassel – Die theoretische Fahrprüfung hat Justin Glantz aus Vellmar schon bestanden, jetzt übt er das Praktische. Gleich startet seine Fahrstunde. Der Termin für seine Prüfung steht noch nicht fest, dafür hat er noch Zeit. Viele seiner Mitschüler wiederum müssen lange auf ihren Termin warten – obwohl sie schon soweit wären. Denn der Tüv, der die Prüfungen abnimmt, sagt derzeit nicht alle Termine zu.

„Wir vertrösten unsere Fahrschüler Woche um Woche“, sagt Fahrlehrer Andreas Stiller aus Vellmar. Manche warteten sechs bis sieben Wochen auf einen Termin. Damit die Schüler nicht aus der Übung kommen, hält er manche Stunden zurück, bis der Prüfungstermin fix ist.

So geht es derzeit vielen Fahrschulen in Stadt und Landkreis Kassel. Zusätzlich haben die Fahrlehrer mit den komplizierten Coronaregeln und der hohen Nachfrage zu kämpfen. Fahrlehrer Ingo Schröder arbeitet deshalb teilweise bis 22 Uhr. Auch er bestätigt die angespannte Lage: „Ja, es ist eng“.

Von neun beantragten Terminen werden in Stillers Fahrschule in Vellmar sechs, manchmal sogar nur vier zugesagt. „Es fehlen Prüfplätze ohne Ende“, sagt der Fahrlehrer und nennt eine von vielen Ursachen: „Es ist schwierig für den Tüv, wenn Prüfer in Quarantäne müssen.“ Den Fall habe es erst kürzlich gegeben. Weil ein Schüler Corona positiv getestet wurde, mussten gleich drei Prüfer für zwei Wochen in Quarantäne.

Das gleiche Problem hätten die Fahrschulen mit ihren Lehrern. „Auch bei uns staut es sich.“ Weil sich immer mehr Schüler anmelden, denkt Stiller sogar über einen Anmeldestopp in seiner Fahrschule nach. Er schätzt, dass es Jahre dauern wird, bis sich die Lage entspannt. „Da müssen wir uns gedulden.“

Geduldig ist auch Fahrschulinhaber und -lehrer Lars Trümper, obwohl am Tag zuvor wieder sechs Prüfungen spontan ausgefallen seien. „Ich nehme das sportlich“, sagt er. An seinen vier Standorten in Fuldatal, Nieste, Niestetal und Kassel sei die Nachfrage immer noch sehr hoch. Deshalb verspreche er seinen Schülern nicht mehr, dass sie in einem halben Jahr den Führerschein haben könnten. Für die angespannte Lage bei den Prüfzeiten hat Fahrlehrer Trümper aber Verständnis: „Die Disponenten beim Tüv tun alles.“ Es brauche einfach mehr Prüfer.

Was Lars Trümper aber nicht nachvollziehen kann, ist, dass sich die Prüfzeiten verlängert haben. Seit Anfang des Jahres dauert die Prüfung für die Klasse B 55 anstatt 45 Minuten. Beim Motorradführerschein sind es nun sogar 70 Minuten. Neben zu wenig Fahrprüfern verzögere auch das die Termine. Außerdem weiß er aus Erfahrung: „Ein Fahrschüler kann sich nur 40 Minuten lang konzentrieren.“

Ein weiteres Problem sei der Mangel an Fahrlehrern. Viele sind mittlerweile im Rentenalter und kaum jemand will den Beruf noch machen, heißt es aus Fahrschulen. Andreas Stiller, der selbst ausbildet, vermutet, dass die hohen Ausbildungskosten ein Grund dafür sind. 12 bis 15 000 Euro koste die 13-monatige Ausbildung. Das sei zwar eine kurze Zeit, aber Geld verdienen könne man nebenher nicht.

Das sagt der Tüv Hessen: Extraschichten und Urlaubsverzicht

In einigen Regionen in Hessen können die Termine für Prüfungen nicht vollständig abgedeckt werden, bestätigt der Tüv Hessen. Das sei seit einigen Wochen der Fall. „In Nordhessen haben wir aktuell 15 Prozent mehr Prüfaufträge als im Vorjahr“, teilt ein Sprecher mit. Hessenweit seien es sogar 22 Prozent. Hinzu komme, dass die Durchfallquote in Hessen um 2,2 Prozent gestiegen sei. Im Vergleich zum Vorjahr bedeute das immerhin 1000 Zusatzprüfungen. Wegen der vielen Kontakte während der Fahrprüfungen komme es in der Pandemie auch zu Quarantäne-Ausfallzeiten, die den Personalmangel verstärkten. Prüfer seien zu Extraschichten und Urlaubsverzicht bereit, um die Situation zu entschärfen. Nun will der Tüv Personal aufstocken. An vielen Orten in Hessen laufe der Prüfbetrieb aber ohne größere Verzögerungen.

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