Hessische Wasser- und Abwasserentgelte im Vergleich

Wasser- und Abwassergebühren: Kassel ist teurer als Frankfurt

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Gebühren für Wasser und Abwasser steigen: Kasseler und Vellmarer müssen ab 2019 mehr bezahlen.

In Kassel und Vellmar werden die Gebühren für Wasser und Abwasser steigen. Im nächsten Jahr wird das Abwasser teurer, übernächstes Jahr das Trinkwasser. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wir haben uns deshalb die aktuellen hessischen Wasser- und Abwasserentgelte im Vergleich angeschaut. 

Wie teuer ist das Trinkwasser aktuell im Vergleich mit anderen Landeskommunen?

In den Städten Kassel und Vellmar, die beide von Kasselwasser und der Städtischen Werke Netz und Service GmbH versorgt werden, zahlen die Bewohner aktuell 2,14 Euro für den Kubikmeter (1000 Liter). Die Gebühr liegt im hessenweiten Vergleich leicht über dem Durchschnitt, der laut Statistischem Landesamt im Jahr 2016 bei 2,03 Euro pro Kubikmeter lag. Besonders auffällig ist aber, dass im Vergleich mit anderen hessischen Großstädten der Kasseler Preis relativ hoch ist. So verlangt Darmstadt 1,49 Euro pro Kubikmeter, Frankfurt 1,75 Euro und Offenbach 1,96 Euro. Nur die Wiesbadener zahlen mit 2,54 Euro mehr.

Allerdings werden bei dem Vergleich der Statistiker nicht die Grundgebühren berücksichtigt, die zwischen den Städten und Gemeinden stark variieren und vielerorts höher ausfallen. In Kassel und Vellmar wird bisher eine jährliche Zählergebühr fällig, die bei etwa 25 Euro liegt.

Wie sieht es bei der Abwassergebühr im Vergleich aus?

In Kassel und Vellmar zahlen die Haushalte 2,43 Euro pro Kubikmeter. Damit liegt Kassel sogar leicht unter dem hessischen Durchschnitt von 2,45 Euro pro Kubikmeter.

Die meisten Kommunen erheben zudem eine Gebühr für das Niederschlagswasser, die in Kassel aktuell bei 75 Cent liegt und damit bereits vergleichsmäßig hoch ausfällt.

Wie schneiden Kassel und Vellmar beim Wasser und Abwasser insgesamt ab?

Das Statistische Landesamt hat die Gesamtkosten, die pro Kubikmeter Wasser und Schmutzwasser in den Kommunen anfallen, aufgelistet (Grafik). Danach liegt Kassel mit 4,57 Euro leicht über dem Landesdurchschnitt von 4,48 Euro. In den Gemeinden des Kreises Kassel liegt der Durchschnittswert gar bei 4,94 Euro. Allerdings variieren die Beträge der Gemeinden erheblich, weshalb der Durchschnitt im Kreis wenig Aussagekraft hat.

Wie sieht es denn nach der geplanten Erhöhung in Kassel und Vellmar aus?

Dies ist etwas kompliziert, da die reine Verbrauchsgebühr im Jahr 2020 von 2,14 Euro auf 1,98 Euro pro Kubikmeter sogar sinkt. Allerdings wird die Anschlussgebühr (bisher Zählergebühr) etwas angehoben und zudem wird erstmals eine Bereitstellungsgebühr erhoben. Diese liegt je nach Anzahl der Wohneinheiten in einem Gebäude zwischen 58 und 97 Euro pro Jahr und Haushalt. Insgesamt wird es damit teurer. Bei einem Vergleich der Kommunen, der nur die Verbrauchsgebühren berücksichtigt, wird dies aber nicht auffallen. Im Gegenteil: Es wird so aussehen, als liege Kassel mit seinen Trinkwassergebühren im Durchschnitt.

Und wie wird es sich nach der Erhöhung beim Abwasser darstellen?

Da der Abwasserpreis bereits nächstes Jahr von 2,43 Euro pro Kubikmeter auf 2,86 Euro klettert, wird sich Kassel dann über dem hessischen Durchschnitt von 2,45 Euro bewegen. Unter den hessischen Großstädten nimmt Kassel damit eine deutliche Spitzenposition ein.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattfrom Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt. 

Hinzu kommt, dass die Gebühr für das Niederschlagswasser von 75 Cent auf 82 Cent steigt. Damit erhebt Kassel im hessenweiten Vergleich zwar eine überdurchschnittlich hohe Gebühr für das abgeleitete Regenwasser. Der Blick auf die anderen hessischen Großstädte zeigt aber, dass dort ähnliche Gebühren fällig werden.

Entlastet werden die Kasseler und Vellmarer Haushalte, die Grund- und Dränagewasser einleiten. Diese mussten dafür bislang die höhere Gebühr für Schmutzwasser zahlen. Künftig wird für das Dränagewasser nur 1,37 Euro pro Kubikmeter verlangt.

Wie begründet die Stadt, dass die Beiträge künftig auf ein deutlich überdurchschnittliches Niveau steigen werden?

Zum einen verweist sie darauf, dass die Preise über 20 Jahre stabil geblieben seien. Zudem seien in Kassel und Vellmar – anders als in anderen Städten – weite Strecken (1000 Kilometer Versorgungsnetz) und viele Höhenmeter zu überwinden. Zudem wird der Trümmerschutt aus dem Zweiten Weltkrieg ins Feld geführt. Dieser erschwere das Bauen der Leitungen. Hinzu komme die aufwendige Bomben-Sondierung im Vorfeld von Arbeiten. Deshalb dürften die Kasseler Wasserpreise nur mit denen ähnlicher Städte verglichen werden.

Ein Vermieter will Widerspruch gegen den neuen Trink- und Abwassergebührenbescheid der Stadt Kassel einlegen. Der Widerspruch soll aber bis zu 5000 Euro kosten.

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