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Wie aus Kürbissen Kunst wird: Kasselerin schnitzt ausgefallene Laternen

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Von: Valerie Schaub

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Katrin Wiegard aus Kassel in Vellmar mit Helena Sakschewski mit Tochter Melina beim Kürbis schnitzen.
Kürbis schnitzen zu Halloween: Katrin Wiegard aus Kassel schnitzt in ihrer Freizeit ausgefeilte Motive auf die Schale der Früchte. Zum Zuschauen in Vellmar waren auch Helena Sakschewski mit Tochter Melina gekommen. Die Exemplare hat Wiegard auf dem Hof von Waltraud Kunze in der Alten Hauptstraße 15 in Vellmar ausgestellt. © Valerie Schaub

Sie sollen böse Geister vertreiben und schmücken zu Halloween viele Gärten und Haustüren: Kürbisse. Wie man daraus kleine Kunstwerke macht, zeigt die Kasselerin Katrin Wiegard.

Vellmar/Kassel – Man muss kein Halloweenfan sein, um gern Kürbisse zu schnitzen. Das beweist Katrin Wiegard aus Kassel. Denn mit dem amerikanischen Fest hat sie nicht viel am Hut. Trotzdem schnitzt sie seit zehn Jahren gegen Ende Oktober liebend gern filigrane Muster in Kürbisse: Burgen, Grimassen. Friedhöfe – manchmal lässt sie darauf ganze Unterwasserwelten mit Schildkröte und Schnorchler entstehen.

An diesem Vormittag hat die 40-Jährige dabei Zuschauer. Umgeben von 100 Kürbissen beobachten Kinder gespannt, wie auf dem Hof von Waltraud Kunze in Vellmar auf einem der Kürbisse eine Traktor-Schnitzerei entsteht. Es ist in diesem Jahr Wiegards elfter verzierter Kürbis. Auf dem Tisch hat sie ihr Holzschnitzwerkzeug ausgebreitet.

Bevor sie loslegt, lässt sie die Kinder in den ausgehöhlten Kürbis hinein fassen. Innen ist er glatt und fast trocken. Ausgehöhlt und das Motiv aufgezeichnet hat Wiegard, die sonst als Erzieherin arbeitet, schon zu Hause, denn die Vorbereitungen dauern. Zwei Stunden hat sie dafür gebraucht.

Der Traktor auf der Schale entsteht in einer Dreiviertelstunde. Sie setzt das Messer an. Für die Fahrerkabine wird sie nachher ein anderes nehmen. Was nach konzentrierter Feinarbeit aussieht, ist für Wiegard wie Meditation. „Dabei kann ich komplett abschalten“, sagt sie. Sollte mal etwas daneben gehen, verändert sie das Motiv einfach so, dass es passt. Auch den Kindern empfiehlt sie: „Einfach mal Rillen auf den Kürbis ziehen und ausprobieren.“

Letztes Jahr hat die Kasselerin das Kürbisangebot auf dem Hof in Vellmar entdeckt und später Waltraud Kunze ein Foto von der fertigen Schnitzerei geschickt. In diesem Jahr stellt sie einige ihrer Werke dort aus.

Wenn gerade keine Kürbiszeit und ist, schnitzt Katrin Wiegard übrigens mit Holz. Ihre Werke verschenkt sie an Familie, Freunde und Nachbarn. „Das Lächeln ist mein Lohn.“

Und so geht es:

1. Aushöhlen

Halloween-Kürbisse eignen sich am besten, da ihr Fruchtfleisch weich ist, sagt Waltraud Kunze. Zuerst schneidet man einen Deckel ab. Das weiche Fruchtfleisch löffelt man am besten mit einer alten Kelle aus. Katrin Wiegard nutzt dafür eine alte Salatbesteckschaufel. Wichtig: Das Fruchtfleisch muss komplett ausgelöffelt werden, sonst wird es braun und der Kürbis schimmelt schneller. Das Fruchtfleisch ist auch essbar. Kunze empfiehlt, es mit Hokkaido-Kürbis gemischt in einer Suppe zu verarbeiten. Die Kerne können getrocknet und geröstet werden. 

2. Aufzeichnen

Ist das Innenleben ausgehöhlt, kann außen das Motiv der Wahl aufgezeichnet werden. Katrin Wiegard zeichnet es freihändig mit einem Kuli auf den Kürbis. Man kann auch Schablonen benutzen. Hat sie sich mal vermalt, geht der Kuli leicht mit einem Schwamm und etwas Spüli wieder ab. Neben Halloween-Motiven wie dem Gruselgesicht, Schlössern, Geistern, oder Fledermäusen, eignen sich auch andere Motive wie etwa ein Schlepper oder eine Unterwasserwelt. Wer „Halloween Pumpkin Carving“ im Internet sucht, findet zahlreiche Inspirationen. 

3. Schnitzen

Einfache Muster schnitzt man vorsichtig mit einem Küchenmesser in den Kürbis. Kürbiskünstlerin Katrin Wiegard schnitzt an vielen Stellen nur die dunklere Schale ab, sodass das hellere Fleisch zum Vorschein kommt. Dafür verwendet sie Holzschnitzwerkzeug. Wer das nicht hat, kann auch ein etwas flexibles Ausbeinmesser verwenden. Um Konturen sichtbar zu machen, zieht man die Kulilinien einmal schräg von oben, ein zweites Mal schräg von unten nach, damit eine sichtbare Rille entsteht. „Mit einer Handfräse geht das auch“, sagt Wiegard.

4. Saubermachen

Ist das Motiv fertig auf den Kürbis geschnitzt, sollte es noch etwas sauber gemacht werden. So sind die Rillen und feinen Kerben sauber und können gut nachtrocknen. Katrin Wiegard wischt ihre Kürbisse einfach mit einem Tuch oder Schwamm und etwas Spüli nach. Dann sollte man den Kürbis und das Motiv trocknen lassen.

Fixieren kann man das Kunstwerk auf dem Kürbis nicht. Um zu verhindern, dass der Kürbis schnell schimmelt, empfiehlt es sich aber, ihn mit etwas Essigwasser auszuwaschen und anschließend trocknen zu lassen.

5. Ausleuchten

Zum Schluss muss der Kürbis natürlich noch in Szene gesetzt werden. Das geht am besten draußen, denn die Kürbisse halten sowieso länger, wenn sie es kühl haben. Vor Frostnächten sollten sie allerdings ins Haus oder in einen Schuppen geholt werden. Zum Ausleuchten eignen sich am besten LED-Lichter oder Solarlampen. „Kerzen sind Gift für den Kürbis“, sagt Katrin Wiegard, denn er verträgt die Wärme nicht und kann zusammenfallen oder schimmeln. Ewig hält sich der fertige Kürbis leider nicht. Laut Wiegard aber mindestens fünf Tage.  (Valerie Schaub)

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