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Wie geht es den Helfern von ukrainischen Geflüchteten? Vellmarer erählen

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Von: Valerie Schaub

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Im Einsatz: (von links) Elke Wegener, Vorsitzende der Awo Vellmar, Galyna Kraus, Ehrenamtlichen-Koordinator Hans Georg Trust, Karin Groß, Nadja Fichtner, Ingrid Zschoche, Viktoriia Ziiaieva, Christiane Nickel und Annette Blumöhr in der Mehrzweckhalle Frommershausen.
Im Einsatz: (von links) Elke Wegener, Vorsitzende der Awo Vellmar, Galyna Kraus, Ehrenamtlichen-Koordinator Hans Georg Trust, Karin Groß, Nadja Fichtner, Ingrid Zschoche, Viktoriia Ziiaieva, Christiane Nickel und Annette Blumöhr in der Mehrzweckhalle Frommershausen. © Valerie Schaub

Seit die ersten Ukrainerinnen in Vellmar ankamen, sind auch Helfer ständig auf den Beinen: ehrenamtlich übersetzen sie, sortieren Kleider, fahren Möbel von A nach B und beantworten spät abends noch Whatsapp-Nachrichten – unentgeltlich, manchmal fast bis zum Umfallen. Wie geht es ihnen nach fast einem Jahr im Einsatz?

Vellmar – In der Frommershäuser Mehrzweckhalle sind sie schon wieder fleißig, haben die Tische mit Weihnachtssternen geschmückt und Kuchen gebacken. Bevor die ersten ukrainischen Mitbürger kommen, nehmen sie sich kurz Zeit, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie es ihnen geht.

Christiane Nickel hat seit April unzählige Pullover, Hosen und T-Shirts sortiert, erzählt sie. Jeden Donnerstag nimmt sie Spenden in der Kleiderkammer an. Sie ist Erzieherin in Rente, „sonst könnte ich das in der Form nicht machen.“ Mittlerweile wird sie dabei auch von ukrainischen Frauen unterstützt. Auch die Kommunikation klappe immer besser mit den wachsenden Deutschkenntnissen.

Sich von der Hilfe nicht vereinnahmen zu lassen, gehört für Annette Blumöhr dazu. Sie hat zweieinhalb Monate lang die organisierte Kinderbetreuung für Ukrainerinnen übernommen. „Ich will nur punktuell helfen“, sagt sie. Weil die Gruppe so gut organisiert sei, könne sie ohne schlechtes Gewissen die Aufgabe abgeben. „Nur als Team schaffen wir das“, sagt Nickel.

Und das hängt an Hans Georg Trust und Nadja Fichtner. Jeden Tag sind die beiden seit März für Flüchtlinge im Einsatz, „teilweise bis zu 14 Stunden am Tag“, sagt Trust, der die Gruppe koordiniert. Jetzt lasse es nach. Er freut sich auf Weihnachten, wenn er offiziell Pause macht.

Trust ist auch Erster Stadtrat. Er sagt: „Die Belastung ist für mich nur erträglich, weil ich selber viel Hilfe aus der Stadt bekomme.“ Mit einem vom Rathaus gestellten Kleintransporter liefert er zusammen mit ukrainischen Männern Möbelspenden aus. Er ist derjenige, den die Mails und Nachrichten auf der extra eingerichteten Nummer erreichen – manchmal auch auf Ukrainisch. Er vermittelt Wohnungen und hat im Sommer unzählige Fragen von Vermietern abgearbeitet, die wegen überlasteten Ämtern auf ihre Miete haben warten müssen. Das gibt er jetzt an die Stadt ab.

Abgeben ist für Nadja Fichtner nicht immer einfach. Als Übersetzerin ist ihre Helferrolle immer noch unverzichtbar. Grenzen zu setzen, falle ihr schwer. Aber die verschwimmen auch, sagt die Mutter. Sie versucht, den Spagat zu schaffen zwischen den Jobcenterbriefen, die ihre Sprachschüler mit in den Unterricht bringen, und dem Kindergeburtstag ihrer fast vierjährigen Zwillinge. Das schlechte Gewissen lauere oft um die nächste Ecke.

Aber es geht ihr noch um etwas anderes. „Ich bin Russin. Es ist für mich auch etwas Persönliches.“ Dass ihr Heimatland diesen Angriffskrieg führt, gehe ihr nahe. „Das ist für mich auch psychisch schwierig.“

Wie viel man sich einsetzt, macht im Grunde zwar jeder mit sich selbst aus. Ein großes Gesprächsthema sei es nicht. Aber im Rücken haben alle das gute Team. Sollte das nicht reichen, können sich die Helfer an eine Psychologin wenden, darauf habe der Landkreis hingewiesen.

Der größte Motor für alle ist die Dankbarkeit, die zurückkommt. „Das gibt einem Mut“, sagt Fichtner. Wenn sie in Nachrichten als Feen und Zauberer betitelt werden, wissen die Helfer, dass es sich lohnt, weiterzumachen.

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