Austausch der Kulturen

Von Chile nach Vellmar: Zwei Südamerikaner machen Praktikum bei der Feuerwehr

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Bei einem Praktikum in Vellmar sammeln die Feuerwehrmänner Mathias Mondaca (links) und Rolf Franz aus Chile eine Woche lang viele Erfahrungen. 

Mathias Mondaca und Rolf Franz sind früh wach. Am Dienstagabend sind die Chilenen in Vellmar angekommen und haben direkt beim Einsatztraining der Vellmarer Feuerwehr mitgemacht.

Vellmar – Am nächsten Morgen geht es ab 8 Uhr weiter. Die Pflege der Atemschutzgeräte steht auf dem Plan, den Gordon Dumeier, hauptamtlicher Feuerwehrgerätewart, für die beiden aufgestellt hat.

Die zwei Schüler aus Puerto Varas haben die letzten sechs Wochen einen Sprachkurs in München absolviert. Jetzt steht ein einwöchiges Praktikum bei der Feuerwehr in Vellmar an. Über Dumeiers Ausbilder Rolf Kraus, ehemaliger ehrenamtlicher Feuerwehrgerätewart in Gudensberg, entstand vor vielen Jahren der Kontakt nach Chile. Bei einem Urlaub habe Kraus sich die Feuerwache von Puerto Varas angesehen, erzählt Dumeier. „Daraus hat sich eine Freundschaft zu den Feuerwehrleuten entwickelt.“

Durch diese Verbindung ist auch die Idee entstanden, Mathias und Rolf als Praktikanten nach Vellmar zu holen. „Die beiden haben eine super Auffassungsgabe, sind sehr wissbegierig und bringen richtig gute Vorkenntnisse mit“, sagt Dumeier. „Das macht richtig Freude als Feuerwehrmann.“

In der Feuerwehr aktiv sind der 18-jährige Mathias und der 17-jährige Rolf, die beide deutsche Vorfahren haben, in ihrer Heimat bereits seit sechs Jahren. Die chilenische Feuerwehr sei eine nach deutschem Vorbild. „Sie haben sogar das deutsche Wort ‘Feuerwehr‘ auf ihrer Einsatzkleidung stehen“, erläutert Dumeier.

Täglich von 8 bis 16.30 Uhr werden die Praktikanten nun weiter geschult: Fahrzeugunterhaltung, Schlauchpflege und die Prüfung von Geräten und Fahrzeugen sind die wichtigsten Bestandteile ihres Praktikums. „Einsätze können sie aus versicherungstechnischen Gründen leider nicht mitmachen, aber sie sind bei den Übungen immer dabei“, sagt Wolfhard Eidenmüller, Sachbearbeiter für Brandschutz im Rathaus und selbst ehemaliger Stadtbrandinspektor. Ins Rathaus will er sie auch einmal mitnehmen, damit sie sehen, wie die Zusammenarbeit beim Brandschutz aussieht.

Für die beiden ist es eine besondere Erfahrung. „Es ist sehr, sehr schön. Wir können viel von den anderen Feuerwehrleuten hier lernen“, sagen Mathias und Rolf. Ermöglicht wurde den jungen Männern das Praktikum durch private Spenden. „Vor allem die Flüge sind teuer, weshalb es auch noch nicht häufiger zu derartigen Praktika gekommen ist“, erklärt Eidenmüller.

Es hat zwar schon öfter Besuche von Feuerwehrmännern aus Puerto Varas gegeben, weil einige chilenischen Kameraden beruflich in Deutschland zu tun hatten und das mit einem Besuch in Vellmar verbunden haben, ergänzt Dumeier. Das Praktikum von Mathias und Rolf ist jedoch eine Premiere.

Für Mathias ist der Aufenthalt auch deshalb etwas Besonderes, weil er gern nächstes Jahr ein Medizinstudium in Deutschland beginnen würde. Beide sind dankbar für den warmen Empfang.

Die Vellmarer Feuerwehrleute haben ihre Praktikanten mit offenen Armen aufgenommen und sie gleich einbezogen. Ob bei Übungen oder in geselliger Runde danach, man sei sofort offen aufeinander zugegangen. „Da merkt man, dass Feuerwehr weltweit funktioniert“, sagt Dumeier.

Von Sarah Schnieder

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