Verein aus Fuldabrück bietet Therapieplatz auf dem Pferderücken an

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Therapeutin Beate Breuer begleitet Ulrike Graber auf dem Pferd Ginger. Helferin Marina Lau führt das Pferd von hinten, um einen Überblick zu haben.

Auf den Rücken von Therapiepferden können Menschen mit Behinderung ihre Muskulatur stärken. Ein Verein aus Fuldabrück bietet in Besse Therapeutisches Reiten an - und finanziert sich über Spenden.

Fuldabrück/Besse – Greta bringt jede Woche etwas Neues mit nach Hause. Auf dem Rücken von Therapiepferd Ginger singt sie regelrecht, sagt Mutter Karen Grunewald aus Melsungen. Greta ist zweieinhalb Jahre alt und wurde mit einem offenen Rücken geboren. Seit Mai geht sie jede Woche zur Reitstunde des Vereins Therapeutisches Reiten Fuldabrück. Eine Therapeutin sitzt mit ihr auf dem Pferd.

Gretas Rumpfmuskulatur sei seitdem stärker geworden. Das kann Beate Breuer, leitende Physiotherapeutin, erklären: Die Patienten bekommen über den Rücken des Pferdes eine Bewegung übertragen. Das simuliert, dass sie selbst laufen. „Das stärkt die Muskeln, die sie im Rollstuhl nicht beanspruchen können.“ 

Denn der Körper antwortet auf die Bewegungen des Pferdes mit anderen Bewegungen. „Das geht auf keinem anderen Medium, als auf dem Pferd.“ Deshalb tragen die Pferde keine Sättel, sondern nur eine Decke und einen Gurt zum Festhalten. „Das ist eine tolle Erfahrung fürs Gehirn.“ Geführt werden die Pferde von hinten, von Helfern. So könne geprüft werden, ob der Patient gerade sitzt.

Der Verein finanziert sich über Spenden. 14 Helfer unterstützen die Arbeit der Therapeuten, die alle eine Weiterbildung in Hippotherapie haben, also in der Arbeit mit Pferden. Mit einer Spende von 1300 Euro über die „Aktion für behinderte Menschen“ des Landkreises kann der Verein laufende Kosten decken. Außerdem bezuschusst der Verein die Reitstunden. Die finden nun seit zwei Jahren in Besse statt.

Auch für Ulrike Graber ist das Reiten eine Abwechslung im Leben, sagt ihr Partner Gernot Engel. Vor 30 Jahren hatte sie einen Ertrinkungsunfall. Hirnschäden und Spastiken waren die Folge. Das Training auf dem Pferderücken stabilisiere sie.

Die Therapeutin stützt die 55-Jährige auf Gingers Rücken, wenn sie manchmal nach hinten kippt. Zum Absteigen wird Ginger neben eine Rampe geführt. Beate Breuer tippt ihrer Patientin leicht auf den Arm, das Zeichen, sie zu umarmen und ihr vom Pferd zu helfen. Partner Gernot Engel hat schon den Rollstuhl gebracht, alle helfen beim Absteigen.

Zum Abschied berührt Ulrike ganz vorsichtig die Nüstern des Pferdes. Auch Greta gräbt ihre Hände in die rote Mähne und sagt Tschüss. Sie lacht. Auch das gehört zur Therapie und stärke das Selbstvertrauen der Patienten. „Es gibt hier keine Ablehnung, das Pferd ist neutral“, sagt Beate Breuer,„es nimmt jeden an.“

Infos: Die Reitstunden finden auf der Reitanlage am Tiefenbachweg 7, Besse, statt. Leitende Therapeutin Beate Breuer, Tel. 0178 /8 15 65 29.

Spenden für das Kuratorium „Aktion für behinderte Menschen“

Der Landkreis sammelt regelmäßig Spenden für die „Aktion für behinderte Menschen“. Bei den Seniorentagen des Kreises auf dem Sensenstein und beim Wohltätigkeitskonzert des Heeresmusikkorps 2 am Schloss Wilhelmsthal sind dieses Mal 8460,64 Euro zusammengekommen, die das Kuratorium auf 12 150 Euro aufgestockt hat. Profitiert haben davon: . 

  • Eltern- und Förderverein der Caldener Werkstätten
  • Eltern- und Förderverein Grebensteiner Wohnstätten
  • Therapeutisches Reiten Fuldabrück 
  • Verein Aha, Freizeitangebote im Landkreis 
  • Selbsthilfegruppe der Kehlkopflosen Stadt und Landkreis 
  • Verein für Sport und Gesundheit Zierenberg 
  • Ponydrome Kassel, Therapeutisches Reiten 
  • Arbeitskreis Down-Syndrom 
  • Verein Lichtenau Ferienspiele 
  • Diabetes Selbsthilfe Nordhessen 
  • Deutsche Parkinsonvereinigung 
  • MS-Selbsthilfegruppe 
  • Vergabe von Einzelfallhilfen für Familien mit Behinderung

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