Absagen, Abstand und Alternativen

Vereine im Landkreis Kassel versuchen, Betrieb trotz Corona aufrecht zu erhalten

Coronakonform: Das Blasorchester Wellerode hatte im Sommer zwei Gesamtproben auf dem Sportplatz.
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Coronakonform: Das Blasorchester Wellerode hatte im Sommer zwei Gesamtproben auf dem Sportplatz.

Mit dem Corona-Lockdown mussten die Vereine ihre Veranstaltungen und den alltäglichen Betrieb einstellen. Wie sieht es mittlerweile aus?

Finden Proben und Trainingsstunden statt? Wie geht es den Vereinen? Wir haben exemplarisch bei einigen Vereinen im Landkreis Kassel nachgefragt.

Kleintierzuchtverein

Viele Ausstellungen der Kleintierzuchtvereine fallen aus, berichtet Frank Lehmann, Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins K66 Espenau. Es habe teilweise reine Tischbewertungen gegeben, also ohne das sonst übliche Begleitprogramm. Die Deutschen Meisterschaften in Ulm seien abgesagt worden – „anders geht es nicht“, so Lehmann. Die Espenauer Vereinsmitglieder hätten sich im Juli zum ersten Mal getroffen, und zwar draußen, „mit Masken und Abstand“, wie Lehmann sagt. Der Kreisverband habe bislang noch keine Sitzung abgehalten. Dass die Ausstellungen ausfallen, sei auch ein finanzielles Problem, „davon lebt der Verein“, wie Lehmann berichtet. Man hoffe nun auf das nächste Jahr.

Geschichtsverein

Der Vorstand des Geschichts- und Museumsvereins Fuldatal habe sich auch während des Lockdowns getroffen, sagt der Vorsitzende Volker Luckhard – unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Das Museum sei nach einer zwischenzeitlichen Schließung nun wieder geöffnet. Die Veranstaltung an Pfingstmontag zum deutschen Mühlentag sei abgesagt worden, auch die am Backhaus in Wilhelmshausen zum Tag des offenen Denkmals. Das sei auch mit finanziellen Verlusten des Vereins verbunden. Ein Hoffnungsschimmer: Der Geschichts- und Museumsverein Fuldatal habe von der Kreissparkasse anlässlich des Wettbewerbs „Lichtblick“ zur Unterstützung von Vereinen 250 Euro erhalten.

Theaterverein

„Wir hatten vor, Anfang des Jahres mit den Proben zu beginnen“, sagt Melanie Janker, Vorsitzende der Theatergruppe Martinhagen „TheMa 90“. Normalerweise werde das Stück im November aufgeführt, doch die Spielzeit sei abgesagt worden. Das Dorfgemeinschaftshaus Martinhagen sei zu klein, um dort eine coronakonforme Vorstellung stattfinden zu lassen, auch weil die Besucher überwiegend älter seien und somit zur Risikogruppe gehören.

Beim Sommergrillen der Theatergruppe Martinhagen: Hans-Werner Schwarz vom Vorstand des Vereins (links) und Horst Lesch.

Es gebe wieder Proben in abgespeckter Form – wann eine Aufführung stattfinden kann, sei noch unklar. „Wir versuchen, unser Vereinsleben aufrecht zu erhalten“, sagt Janker. Einige Mitglieder gehörten zur Risikogruppe und müssten vorsichtig sein. Es gebe zwar derzeit keine Einnahmen, dafür aber auch keine Ausgaben. „Insofern ist es gut, dass es uns früh getroffen hat“, so die Vorsitzende. Das 30-jährige Bestehen der Theatergruppe habe in diesem Jahr nicht gefeiert werden können. Es habe lediglich ein kleines Sommerfest und Wanderungen gegeben.

Landfrauenverein

Durch den Lockdown sind alle Angebote zum Erliegen gekommen, berichtet Irene Bonn, Vorsitzende des Landfrauen-Bezirksvereins Kassel, die auch in der Baunataler Ortsgruppe aktiv ist. Mindestens drei Viertel gehören laut Bonn durch ihr Alter zur Risikogruppe. „Wir versuchen alles, um mit den Mitgliedern in Kontakt zu bleiben“, sagt sie. Bei gutem Wetter habe es im Frühling und Sommer Angebote im Freien gegeben, beispielsweise Wanderungen.

In Baunatal finde etwa wieder Gymnastik unter Hygienebedingungen statt. Teilweise habe es Videokonferenzen gegeben und Online-Vorträge, zum Beispiel einen zum Thema „Bewegung als Medizin“. Ob die Weihnachtsfahrt und -feier stattfinden können, sei noch offen. „Wichtig ist, dass wir alle mitnehmen und alle Interessen berücksichtigen“, betont Bonn.

Sportverein

In den 18 Abteilungen des FSK Lohfelden gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen, berichtet der Vorsitzende Bernd Hirdes und nennt einige Beispiele: Beim Badminton sei der normale Trainingsbetrieb wieder aufgenommen worden, ebenso beim Fußball und in weiteren Abteilungen – alle trainierten unter den Vorgaben der Hygienekonzepte.

Der Chor probe bislang noch nicht, auch weil er viele ältere Mitglieder habe, und die Abteilung Karneval hänge in der Luft, weil wohl keine Veranstaltungen stattfinden. In Sporthallen ist laut Hirdes eine begrenzte Anzahl an Umkleiden offen, Duschen sei bislang nicht möglich. Er zeigt sich froh, dass der Übungsbetrieb wieder einigermaßen normal laufe, um die soziale Gemeinschaft zu erhalten. „Die Abteilungen haben Großartiges geleistet“, sagt Hirdes.

Musikverein

Das Blasorchester Wellerode hat derzeit überwiegend Registerproben, also einzeln in den Instrumentengruppen, berichtet Arne Böhling vom Vorstandsteam. Dafür würde die Mehrzweckhalle in Söhrewald-Wellerode genutzt. „Wir treffen uns, um dranzubleiben“, sagt Böhling. Die Musik habe den meisten irgendwann sehr gefehlt. Auch zwei Gesamtproben hätten bereits stattgefunden, und zwar im Freien auf dem Sportplatz des Ortsteils. Etwa 30 bis 40 Musiker seien jeweils da gewesen.

Das Blasorchester hatte laut Böhling ein Konzert für Anfang Mai vorbereitet, doch dann kam der Lockdown – die Absage sei unvermeidbar gewesen. Ob die Konzerte in der Adventszeit stattfinden können, sei noch offen. (Lara Thiele)

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