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Verlassene Häuser sorgen für Ärger – Kommunen sind oft Hände gebunden

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Von: Valerie Schaub

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Herrenloses Haus? Am vermüllten Garten in der Berliner Straße 27 in Helsa stören sich viele Bürger. Zuletzt hat die Gemeinde Rattenköder ausgelegt. Wem das Haus nach dem Tod des Besitzers gehört, ist noch nicht geklärt.
Herrenloses Haus? Am vermüllten Garten in der Berliner Straße 27 in Helsa stören sich viele Bürger. Zuletzt hat die Gemeinde Rattenköder ausgelegt. Wem das Haus nach dem Tod des Besitzers gehört, ist noch nicht geklärt. © Valerie Schaub

Alte Getränkedosen und Plastikmüll liegen im Gestrüpp, am Zaun klebt ein Warnhinweis auf Rattengiftköder – das Grundstück an der Berliner Straße in Helsa ist eines von vielen verwahrlosten im Landkreis Kassel. Herrenlose Häuser gibt es in nahezu jeder Stadt oder Gemeinde.

Kreis Kassel – Manchmal werden sie zur Gefahr für die Allgemeinheit. Und dann wird es kompliziert: Denn nicht immer sind solche Häuser und Grundstücke tatsächlich herrenlos. Wer im Gefahrenfall zuständig ist und handeln darf, ist oft nur schwer zu ermitteln. Das stellt Nachbarn, Kommunen und den Landkreis, dessen Bauaufsicht gelegentlich eingreifen muss, vor Herausforderungen.

So bemüht sich die Gemeinde Wesertal, ein wohl bald vom Einsturz bedrohtes Fachwerkhaus in Arenborn zu kaufen. In Gieselwerder gibt es noch eine teilweise denkmalgeschützte Fabrikhalle. Die frühere Fabrikantenvilla konnte laut Turrey immerhin kürzlich verkauft werden. Bei einer nun herrenlosen früheren Gaststätte in Gottstreu wurde der Saalanbau aus Sicherheitsgründen abgerissen, doch für das Haupthaus haben sich noch nicht alle betroffenen Parteien zurückgemeldet, um über das weitere Vorgehen entscheiden zu können, erklärt Bürgermeister Cormelius Turrey.

Eine Gemeinde könne erst handeln, „wenn das Wasser unter den Türschlitzen rausläuft“, ergänzt sein Amtskollege Andreas Schönemann (Helsa) zu Gebäuden in Privatbesitz. In Helsa hatte die Gemeinde Rattenköder auf ein Grundstück geworfen und wird auf den Kosten wohl sitzen bleiben, weil die Besitzverhältnisse nach dem Tod des Eigentümers unklar sind.

Liebenaus Bürgermeister Harald Munser hat mehrfach Erfahrung mit solchen Immobilien. Viel Geduld sei in solchen Fällen nötig. In einem Stadtteil gibt es ein Wohnhaus, das eine südosteuropäische Immobilienfirma ersteigerte. Seither sei dort nichts passiert. In Zwergen konnte die Stadt eine Schrottimmobilie kaufen, die als Fiskalerbschaft ans Land gefallen war. Es dauerte Jahre, bis die Stadt das verfallende Gebäude übernehmen konnte. Es wurde abgerissen und das Grundstück zum attraktiven Dorfplatz umgestaltet. Das dritte Objekt ist das ehemalige Lagergebäude am Liebenauer Bahnhof. Das ersteigerte die Stadt, um dort eine Schrottimmobilie zu vermeiden.

Auch Karsten Schreiber, Bürgermeister in Fuldatal, berichtet von solchen Fällen. Aber: „Wenn jemand sein Grundstück nicht pflegt, ist das erst mal eine Privatangelegenheit“, sagt er. Selbst wenn Bäume auf ein Nachbargrundstück zu stürzen drohen, könne die Kommune nicht einschreiten – erst wenn die Öffentlichkeit gefährdet würde. Für das Ortsbild sind solche verlassenen Häuser ein „riesen Problem“, sagt Schreiber. Wenn die Gemeinde die Eigentümer anschreibe, laufe das oftmals ins Leere. Auf Rechnungen zur Gefahrenabwehr bliebe die Gemeinde sitzen.

Erst wenn sich kein Besitzer oder Erbfolger findet oder Nachkommen das Erbe ausschlagen, springt das Land Hessen ein, erklärt Kreissprecher Harald Kühlborn. Sogenannte Fiskalerbschaften werden vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen verwaltet. Auch der Landkreis wird in regelmäßigen Abständen darüber informiert, wo es solche Immobilien oder Grundstücke gibt. Fiskalerbschaften kämen aber selten vor.

Wenn Gefahr für die Öffentlichkeit bestehe und der Eigentümer trotz mehrfacher Aufforderung nicht reagiere, müsse die Bauaufsicht des Landkreises in Absprache mit der Kommune einschreiten. Dann komme es zur sogenannten Ersatzvornahme.

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