Variantensuche ist abgeschlossen

Verlauf der Kurve Kassel steht fest: Güterzugtrasse wird über Vellmarer Gewerbegebiet verlaufen

So könnte es später aussehen: Auf der Simulation der DB Netz AG sieht man, wie die neue, 330 Meter lange Brücke der Variante 4b über das Vellmarer Gewerbegebiet Kämperbrücke verläuft.
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So könnte es später aussehen: Auf der Simulation der DB Netz AG sieht man, wie die neue, 330 Meter lange Brücke der Variante 4b über das Vellmarer Gewerbegebiet Kämperbrücke verläuft.

Das Ergebnis der Variantensuche für die geplante Güterzugtrasse Kurve Kassel steht nun fest. Sie wird über Vellmar führen.

Kreis Kassel – Am Montagnachmittag stellten die Vertreter der DB Netz AG den Teilnehmern des Runden Tisches die Variante vor, die in den untersuchten Kategorien am besten abgeschnitten hat. Wie bereits erwartet, läuft es nach fast zweijähriger Bewertung auf die Variante 4b hinaus, die über das Vellmarer Gewerbegebiet Kämperbrücke und weiter über Ihringshausen verlaufen wird.

Die Entscheidung

Über 80 Kriterien wurden insgesamt in den Kategorien Raumordnung, Umwelt sowie Verkehr und Volkswirtschaft von der Deutschen Bahn untersucht. Am Ende war das Ergebnis bei den sieben untersuchten Varianten so klar wie selten bei solchen Bewertungen, wie Projektleiter Dirk Schütz sagt. Es komme immer wieder vor, dass in jedem Zielsystem eine andere Variante vorne liege. „Bei uns im Suchraum liegt bei jedem Zielsystem aber die Variante 4b vorne.“

Für die DB Netz AG sind das im Grunde ideale Voraussetzungen, sollte im weiteren Verfahren zum Beispiel gegen die geplante Güterzugtrasse geklagt werden. „Wir haben nun die beste Variante ermittelt“, sagt Schütz, und auch von den Teilnehmern des Runden Tisches habe es am Montag keine kritischen Nachfragen zu den einzelnen Bewertungen gegeben.

Die Alternativstrecke

Zwar gab es keinen offenkundigen Unmut über die Entscheidung zur Variante 4b, mit der wohl die meisten Beteiligten aufgrund ihrer geringeren Belastung für Mensch und Natur – im Gegensatz zu den anderen Varianten – gerechnet hatten. Zu „erheblichen Irritationen am Runden Tisch“, wie es der SPD-Landtagsabgeordnete Oliver Ulloth formuliert, war es jedoch gekommen, weil Schütz vor Kurzem in einer Ausschusssitzung des Northeimer Kreistags zu Gast war.

Dort hatte er sich zu der immer wieder von Gegnern der Kurve Kassel ins Spiel gebrachten Alternativstrecke über Altenbeken-Northeim-Nordhausen geäußert und gesagt, dass die Deutsche Bahn dem Ausbau der Strecke über die umstrittene Kasseler Kurve den Vorzug gebe.

Die Deutsche Bahn hatte auf Wunsch der Teilnehmer des Runden Tisches drei Ausbauszenarien für die Trasse über Altenbeken untersuchen und berechnen lassen. „Die Fragestellung war, wie die Strecke ausgebaut werden müsste, damit die Güterzüge darauf entlangfahren könnten“, erklärt Schütz. Denn die Strecke wurde 1993 eingleisig zurückgebaut.

In einem abschließenden Vergleich kommt die Bahn zu dem Schluss, dass „die Strecke Altenbeken-Northeim-Nordhausen finanzierungs- und planrechtlich nicht genehmigungsfähig ist, da die Variante der Kurve Kassel einen höheren verkehrlichen Effekt hat und zudem wirtschaftlicher ist“.

Ein gleichwertiger Ausbau der Strecke, auf dem die Kapazität ebenso hoch sei wie auf der geplanten Kurve Kassel, würde nach Schätzung der Bahn mindestens 1 Milliarde Euro kosten. „Ich kann nicht 1 Milliarde ausgeben, wenn ich auch eine Variante für 225 Millionen realisieren kann, die gleich gut die Aufgabenstellung erreicht“, erklärt Schütz die Abwägung der Deutschen Bahn. Sogar das günstigste Szenario wäre doppelt so teurer wie der Ausbau der Variante 4b.

Die Petition

Der Unmut der Teilnehmer des Rundes Tisches macht sich daran fest, dass derzeit noch ein Petitionsverfahren im Petitionsausschuss des Bundestags anhängig ist. Die Bürgerinitiativen wollen damit erreichen, dass die Alternativstrecke gleichwertig zur Kurve Kassel geprüft wird. Ein Ortstermin soll im Juni stattfinden. „Das ist keine Petitesse“, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels, der Mitglied in dem Ausschuss ist. Politisch sei noch nichts entschieden. „Die Petenten haben das Anrecht, dass alle Einwände ordentlich geprüft werden und nicht vorzeitig durch Fakten-Schaffung ad absurdum geführt werden.“

Für Dirk Schütz ist das gar keine Frage, wie er betont. „Natürlich respektieren wir jede Entscheidung, die im Petitionsverfahren gefällt wird und werden das Votum des Bundestages selbstverständlich beachten.“ Aber das ändere erst einmal nichts an der fachlichen Einschätzung, die nun vorliege.

Die nächsten Schritte

Bereits Ende Juni will die DB Netz AG zum nächsten Runden Tisch laden, an dem es dann auch Informationen zum Raumordnungsverfahren durch das Regierungspräsidium (RP) Kassel geben soll. Bis zum Herbst will die DB Netz AG die Unterlagen zum Raumordnungsverfahren vorbereiten und dann dem RP vorlegen. Das förmliche Verfahren könnte dann wohl Anfang des nächsten Jahres starten. Ob es so kommt, entscheidet das RP. (Amira El Ahl)

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