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Veterinäramt registriert mehr Hühnerhalter im Landkreis Kassel

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Von: Valerie Schaub

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Ein Hobby für immer mehr Menschen: Karina Jacob-Kleppe hält schon seit fast 20 Jahren Hühner. Auf ihrem Grundstück in St. Ottilien haben sie genügend Platz. Ein Netz schützt sie vor Wildtieren.
Ein Hobby für immer mehr Menschen: Karina Jacob-Kleppe hält schon seit fast 20 Jahren Hühner. Auf ihrem Grundstück in St. Ottilien haben sie genügend Platz. Ein Netz schützt sie vor Wildtieren. © Valerie Schaub

Jeden Tag ein frisches Frühstücksei, am besten aus eigener Haltung – diese Vorstellung mag viele Menschen antreiben, Hühner zu halten. Vor allem in den vergangenen Jahren hat die Zahl der Hobbyhühnerhalter laut Veterinäramt zugenommen.

Kreis Kassel – Was für die einen die Erfüllung ihres Selbstversorgertraums bedeutet, ist anderen ein Dorn im Auge. In Helsa beispielsweise sind mit zunehmender Hühnerhaltung die Beschwerden bei der Gemeinde gestiegen. Auch das Veterinäramt hat mehr Anzeigen zu bearbeiten.

„Der Knackpunkt ist meist der Hahn“, sagt Bürgermeister Andreas Schönemann. Nachbarn fühlten sich durch sein Geschrei gestört. Aber es gebe auch immer wieder Fragen, wie viele Hühner pro Halter zulässig seien und Zweifel, an der artgerechten Haltung. Dabei spiele es auch eine Rolle, ob die Hühner in einem Wohngebiet oder am Ortsrand gehalten würden. „Das ist auf dem Dorf nicht so einfach“, sagt Schönemann.

Karina Jacob-Kleppe hält am Rand von St. Ottilien seit fast 20 Jahren neben anderen Tieren auch Hühner, aktuell rund 80 Tiere inklusive Küken. In letzter Zeit bekommt die 41-Jährige oft Anfragen, ob sie noch Hühner aufnehmen könne. Manchmal würden Tiere sogar in ihrem Gehege ausgesetzt.

„Hühner machen Dreck, sie legen nicht nur Eier“, sagt die Hobbyhalterin. Der Arbeitsaufwand sollte vor der Anschaffung bedacht werden. Schon nach einem Jahr lege ein Huhn deutlich weniger Eier.

Und was den Hahn betrifft: „Der kräht, wann er will.“ Insbesondere bei Lichteinfluss würden viele Hähne krakeelen. Als Halter habe man da nur bedingt Einfluss. Ein schalldichter und lichtundurchlässiger Stall sei aber auch keine Lösung, weil sich dann vermehrt Schimmel bilden würde.

Jacob-Kleppe achte aber darauf, die Geräuschbelästigung möglichst gering zu halten. Sie lasse ihre Hühner erst um 6 Uhr morgens aus dem Stall. Jacob-Kleppe schätzt, dass es im Ort aktuell 20 Hähne gibt. Mit Hühnerhaltern im Dorf sei sie gut vernetzt, ihre Tierhaltung spreche sie mit den Nachbarn ab.

Tatsächlich sind viele Regeln für die Hühnerhaltung Richtwerte, viele Vorgaben sind Einzelfallentscheidungen. Wer privat Hühner halten will, kann das zwar ohne Genehmigung tun. Aber es gibt einiges zu beachten, erklärt Lara Kupitz vom Veterinäramt. Dazu gehöre die Anmeldung beim Amt. „Wir lassen den Haltern Infos zukommen und besprechen das Vorhaben.“ Allerdings würden sich nur weniger Halter vorab beim Veterinäramt melden. Zwingend sei die Anmeldung bei der Tierseuchenkasse und beim HVL (Hessischer Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfungen in der Tierzucht) in Alsfeld (Vogelsbergkreis). Da es meldepflichtige Krankheiten wie die Geflügelpest gebe, die bei einem Ausbruch durch eine Stallpflicht eingedämmt werden müssten.

Im Großen und Ganzen hielten die meisten ihre Hühner richtig, haben die Überprüfungen des Veterinäramts ergeben. Manchmal fehlten Sitzstangen für die Tiere – „eine Kleinigkeit“, erklärt Kupitz. Bei Nachbarschaftsstreitigkeiten sei das Veterinäramts allerdings nicht zuständig. Dann sind Absprachen gefragt.

In Schauenburg etwa, scheint das zu klappen. Obwohl es auch dort mehr Hühnerhalter gibt, hat sich in den vergangenen zwei Jahren niemand beim Ordnungsamt beschwert. Vorgaben zur Zahl der Tiere könnten Kommunen zwar theoretisch über den Bebauungsplan machen. Laut Bauaufsicht macht das aber kaum jemand, denn die Begründung sei schwierig. Was die Aufsicht aber genehmigen muss, sind größere Ställe ab 30 Kubikmeter. Das entspricht in etwa der Größe einer Garage.

Die Gemeinde Helsa verspricht sich mit einem Appell an Bürger und Hühnerhalter nun Besserung. Beide sollten miteinander sprechen, am besten, bevor die Hühner anschafft werden.

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