Landkreis lässt nach Vandalismus Kameras installieren

Videoüberwachung an 12 Schulen im Landkreis Kassel

Mutwillige Zerstörung in der Walter-Lübcke-Schule in Wolfhagen: Drei Jugendliche hatten in der Nacht auf den 23. November in der Sporthalle gewütet. Unter anderem wurden Türen zerstört, der Boden der Halle beschädigt und das Gebäude teils geflutet.
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Mutwillige Zerstörung in der Walter-Lübcke-Schule in Wolfhagen: Drei Jugendliche hatten in der Nacht auf den 23. November in der Sporthalle gewütet. Unter anderem wurden Türen zerstört, der Boden der Halle beschädigt und das Gebäude teils geflutet.

Kaputte Scheiben, beschmierte Wände und am Ende eine Kernsanierung aufgrund eines dummen Streichs – Vandalismus an Schulen im Landkreis Kassel nimmt zu. Um abzuschrecken, rüstet der Landkreis jetzt mit Videokameras auf.

An neun Schulstandorten und 12 Schulen werden deshalb in den nächsten Wochen Anlagen zur Videoüberwachung eingerichtet und ab Anfang September auch genutzt: Christine-Brückner-Schule in Bad Emstal, Theodor-Heuss-Schule in Baunatal, Burgberg-Schule und Heinrich-Grupe-Schule in Grebenstein, Lilli-Jahn-Schule und Freiherr-vom-Stein-Schule in Immenhausen, Lucas-Lossius-Schule in Reinhardshagen, Grundschule Schauenburg-Elgershausen, Ahnatalschule Vellmar, Grundschule Vellmar-Frommershausen und Walter-Lübcke-Schule sowie Förderschule Wolfhagen.

Bei dem Projekt gehe es nicht darum, Schüler unter Dauerbeobachtung zu stellen, erklärt Martina Rapp- rich, Leiterin des Immobilienmanagements des Landkreises Kassel. „Uns geht es darum, diejenigen zu erwischen, die Schulgelände für mutwillige Zerstörungen nutzen oder für Partys, bei denen Scherben und Müll auf dem Schulhof zurückbleiben.“ Die Kameras seien nur in Zeiten eingeschaltet, in denen kein Unterricht mehr stattfindet.

Voraussetzung für das Anbringen von Kameras auf einem Schulgelände sei, dass sich die Schulkonferenz für eine Überwachung ausgesprochen hat. „Wir werden 115 Kameras an den neun Standorten installieren – davon profitieren zwölf Schulen“, sagt Rapprich. Für jede Schule habe man zusammen mit der Polizei und – falls öffentliche Wege betroffen sind, auch mit der Kommune – die am besten geeigneten Standorte für die Videoüberwachung abgestimmt.

„Wir haben unser Konzept mit dem Hessischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit, Prof. Dr. Alexander Rossnagel, abgestimmt“, sagt Rapprich weiter. Die vom Vorabend und Nacht aufgenommenen Bänder würden am nächsten Abend wieder überspielt. Nur dann, wenn Schäden auf dem Schulgelände festgestellt werden, würden die Bänder angeschaut und je nach Bedarf für die Weiterverfolgung der Täter an die Polizei weitergegeben.

Grund jetzt zu handeln, sei ein Beschluss des Kreistages. Schon lange bestand die Möglichkeit für Schulen im Landkreis, auf Antrag Videoüberwachung einrichten zu lassen. Nach zwei spektakulären Fällen im Sommer 2019 und Winter 2020 gewann das Thema wieder an Brisanz. Im Juli 2019 hatte ein Jugendlicher den Inhalt eines Müllcontainers an der Integrierten Gesamtschule Kaufungen angezündet. Das Feuer griff auf das Schulgebäude über, der Physiktrakt des Gebäudes brannte aus. Im November 2020 hatten Jugendliche die Sporthalle der Walter-Lübcke-Schule in Wolfhagen demoliert. Unter anderem wurde die Halle unter Wasser gesetzt und der Hallenboden zerstört. Daraufhin beschloss der Kreistag im Dezember, dass an allen Schulen, die einen entsprechenden Antrag stellen, Videoüberwachung eingeführt wird.

Die Gesamtkosten für die Installation der Überwachungstechnik belaufen sich auf rund 190 000 Euro. Die Arbeiten werden von einer Fachfirma aus Vellmar ausgeführt.

Sachbeschädigung nimmt zu

Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst den Tatort Schule nicht explizit. Allerdings gab es laut Polizei in diesem Bereich mehr Anzeigen als in den Vorjahren, wobei diese Zahlen nicht abschließend genau sind. So sind im Jahr 2020 etwa 65 Anzeigen bei der Polizei wegen Sachbeschädigung an Schulen im Landkreis eingegangen. 2019 waren es knapp unter 60, 2018 knapp über 40 und 2017 rund 60. Laut Kriminalstatistik 2020 gab es im Landkreis insgesamt 1021 Sachbeschädigungen. Das sind mehr als in den Vorjahren. 2019 waren es 836 Delikte, vor drei Jahren 879, vor vier Jahren 956 und vor fünf Jahren 932. 

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